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• Stellungnahme von Dr. Johannes Kandel gegenüber der Wiener Zeitung im Wortlaut
EuropeNews 29 Mai 2008
Die Stellungnahme von Dr. Johannes Kandel, Politikwissenschaftler, gegenüber der Wiener Zeitung im vollen Wortlaut:
Muslimische Zensur: Der Fall Omar al-Rawi in Österreich
Wenige Tage vor ihrem für den 21. Mai geplanten Vortrag über den „Islam in Europa als Herausforderung für Staat, Gesellschaft und Kirche“ wurde Prof. Dr. Christine Schirrmacher, Leiterin des Instituts für Islamfragen der Deutschen Evangelischen Allianz und Mitglied des Kuratorium der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, vom „Personenkomitee Aufeinader Zugehen“ in Traun, Österreich, wieder ausgeladen.
Die Ausladung von Frau Prof. Dr. Christine Schirrmacher von einer Vortragsveranstaltung in Traun ist ein empörender und schärfstens zu verurteilender Vorgang. Omar al-Rawi, sozialdemokratischer Landtagsabgeordnete und Wiener Gemeinderat sowie „Integrationsbeauftragter“ der Islamischen Glaubensgemeinschaft Österreichs (IGGIÖ), schwang sich zum Oberzensor auf und verhinderte durch politischen Druck, dass die renommierte Islamwissenschaftlerin zu Worte kommen konnte.
Das Verhalten von al-Rawi ist symptomatisch, weil es zeigt, wie sicher sich die IGGIÖ schon fühlt, wenn es gilt, kritische Diskurse über Islam zu unterbinden. al-Rawi scheute nicht davor zurück, mit nachweisbar falschen Behauptungen und ehrenrührigem Vokabular eine hoch kompetente Islamwissenschaftlerin als „aggressiv missionarisch“ und „islamfeindlich“ zu denunzieren. Er offenbarte damit mehr über seine Feindbilder als über die Frau Schirrmacher unterstellten.
Leider ist al-Rawis Geisteshaltung weit verbreitet, nicht nur in Österreich. Der Diskurs um den Kampfbegriff „Islamophobie“ auf OSZE-Ebene zeigt klar die Strategie bestimmter muslimischer Kreise an, jedwede Kritik am Islam als „islamophob“ zu denunzieren und Kritiker mundtot zu machen. Typisch war z.B. auch die ungeheure Erregung, die in Kreisen des deutschen Verbandsislam ausbrach, als die Evangelische Kirche in Deutschland im November 2006 eine Handreichung („Klarheit und gute Nachbarschaft“) veröffentlichte, in der kritische Fragen gestellt wurden und an der auch Frau Schirrmacher mitgewirkt hat.
Besonders verärgert waren die Muslimvertreter, dass gesagt wurde: „Dialog und Mission schließen sich nicht aus.“ Auch das ist eine probate Strategie aus dem Verbandsislam: den Islam als nicht missionarische Religion zu präsentieren, bestimmten christlichen Kreisen aber „aggressive Missionsabsichten“ zu unterstellen und auf einen offenen Missionsverzicht zu drängen. Es ist beklagenswert, dass viele evangelische Christen auf diese unehrliche Strategie auch noch hereinfallen!
Natürlich ist der Islam, genau wie das Christentum, eine missionarische Religion. Das kann unter Verweis auf zahllose Schriften und Aktivitäten zur „Da’Wa“ (Einladung zum Islam) belegt werden. Seit ihrer Gründung in den sechziger Jahren betreibt die von Saudi-Arabien gesteuerte „Muslimische Weltliga“ nichts anderes als globale „Da’Wa“.
Dazu gehört ja nicht nur eine missionarische Medienoffensive, sondern „Da’Wa“ schließt eine Fülle von Aktivitäten ein, u.a. Bau von Moscheen, Entsendung von Imamen, Gründung von Stiftungen und schließlich auch politischer Lobbyismus zur Herstellung eines „günstigen“ Klimas für den Islam. Und was die „Aggressivität“ angeht: Es gibt derzeit in Europa wohl kaum aggressivere Wanderprediger als eben muslimische, wie z.B. der Kölner Pierre Vogel oder die Propagandisten des Islamismus in Großbritannien, um nur die krassesten Beispiele zu nennen!
Das ist die Furcht der muslimischen Oberzensoren und selbsternannten Tugendwächter des „Dialogs“: Dass es im Dialog zu unangenehmen Nachfragen kommt, z.B. zum Verhältnis von Scharia und Menschenrechten, zur Trennung von Staat und Religion, zu Apostasie und der Frauenfrage. Wer wie Frau Schirrmacher sich kompetent, gut begründet und kritisch damit auseinandersetzt, wird mindestens der „Islamophobie“ geziehen.
Die Öffentlichkeit soll sich an einen weichgespülten Dialog gewöhnen, in dem der Islam ausschließlich als Friedensbringer und Hort der Toleranz präsentiert wird. Ein solcher Dialog ist überflüssig. Es ist besonders pikant, dass al-Rawi, der gerade als Sozialdemokrat den demokratischen Grundwerten von Pluralismus und Transparenz verpflichtet sein sollte, ohne eingehende Prüfung der Sachaussagen einer Wissenschaftlerin und Auseinandersetzung mit ihren gesellschaftspolitischen Konzeptionen mittels seiner brutalen Verhinderungsstrategie kritische Fragen zu unterbinden versucht.
Seine Aktion hat aber das Gegenteil bewirkt. Man wird das Gebaren der IGGIÖ und die Einfluss-Strategien bestimmter muslimischer Kreise auf die politische Kultur in unseren europäischen Demokratien noch aufmerksamer und kritischer betrachten.
29 Mai 2008
Dr. Johannes Kandel, Politikwissenschaftler, Berlin
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