• Stellungnahme von Kristina Köhler gegenüber der Wiener Zeitung im Wortlaut

EuropeNews 29 Mai 2008

Stellungnahme von Kristina Köhler, zuständige Islam-Berichterstatterin der CDU, gegenüber der Wiener Zeitung im vollen Wortlaut:

Zu Frau Prof. Schirrmacher:

„Frau Prof. Dr. Christine Schirrmacher ist eine renommierte und hoch angesehene Islamwissenschaftlerin. Einer Frau, die sagt, aus dem „Nebeneinander müsse ein Miteinander“ werden, Einseitigkeit oder gar der „Islamfeindschaft“ vorzuwerfen, ist völlig absurd und bösartig. Solche Unterstellungen gehören zum Handwerkszeug von Extremisten, nicht von Demokraten.“

Zu den Vorwürfen Herrn Rawis an Deutschland:

„Ob Deutschland im Ungang mit dem Islam und mit extremistischen Gruppen ein Vorbild für Österreich sein kann, vermag ich nicht zu beurteilen. Es steht mir als deutsche Politikerin nicht zu, Österreich hier Vorhaltungen zu machen. Aber was ich beurteilen kann: Umgekehrt wird in jedem Fall kein Schuh daraus. Das österreichische System und der Umgang mit den Muslimen und mit radikalen Extremisten hat für uns keinen Vorbildcharakter.

So beobachten wir immer wieder, dass Extremisten, die in Deutschland ihre Umtriebe einstellen mussten, es sich in Österreich bequem machen können. Und natürlich bekommen auch wir die Debatten um die Transparenz und die mangelnde demokratische Verfasstheit der IGGiÖ mit. Dabei sorgte es bei uns für ungläubiges Kopfschütteln, dass es in Österreich möglich war, dass die IGGiÖ im Schulunterricht jahrelang ein Buch von Yusuf al-Qaradawi verwenden konnte, der unter Experten als Vordenker der radikalen Muslimbruderschaft in Europa gilt. Die Vermutung, dass beide Debatten – Intransparenz und die Verbreitung extremistischen Gedankenguts – zusammen gehören, liegt sicherlich nicht fern.

Die Tatsache, dass der Islam eine Körperschaft des öffentlichen Rechts ist, ist an sich noch nichts wert, wenn in der Praxis dadurch die Ausbreitung des Extremismus – vorsichtig ausgedrückt – nicht verhindert werden kann. Eher scheint es so, dass die Mauer „Körperschaft des öffentlichen Rechts“ so manchen daran hindert, einen kritischen Blick hinter die Fassaden zu wagen.

Aber dieser Blick ist notwendig, wenn man islamistische Propaganda und Extremismus verhindern und bekämpfen will. Den Islamismus bekämpft man nämlich nicht mit der rassistischen Holzhammer-Methode, indem man nämlich den Propheten der Muslime beleidigt oder alle Muslime als potentielle Terroristen abstempelt. Man bekämpft ihn aber auch nicht mit der Islamophobie-Keule, indem man nämlich diejenigen, die einen kritischen Blick hinter die Fassaden wagen, als „Islamfeinde“ oder Rechtspopulisten abstempelt. Integration heißt weder Wegschauen noch Beleidigen. Aber Integration setzt einen kritischen Diskurs voraus. Die Unterstellungen des Integrationsbeauftragten der IGGiÖ in Richtung von Frau Prof. Schirrmacher sind genau das Gegenteil eines kritischen Diskurses. Aber sie zeigen uns in Deutschland doch erneut in aller Deutlichkeit, warum der Umgang mit dem Islam in Österreich kein Vorbild für Deutschland ist. Weil der Umgang islamischer Organisationen mit den Kritikern des Islamismus nämlich ein deutlicher Lackmustest dafür ist, ob die Integration der Muslime gelingt.“

29 Mai 2008
Kristina Köhler, Islambeauftragte der CDU


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Comments

rb   05/29/2008 - 16:45

Vielen lieben Dank für diese Worte!

Man kann Frau Köhler für diese weisen Worte nur danken...