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9/11-Drahtzieher will Prozess nach Scharia
Nachrichten - AOL.de 06 Juni 2008
In Guantanamo hat der Prozess gegen die Drahtzieher der Anschläge vom 11. September begonnen. Das Verfahren schlägt in den USA hohe Wellen. Denn um die Angeklagten zur Aussage zu bewegen, wurden Methoden angewandt, die viele als Folter ansehen. Das könnte im Gerichtssaal zum beherrschenden Thema werden.
Mit der Verlesung der Anklage hat auf der US-Basis Guantánamo das Militärstrafverfahren gegen dort internierte Verschwörer des 11. September begonnen. Es handelt sich um fünf Personen, die vom Pentagon als „Kerngruppe“ bezeichnet werden – den Planer des Angriffs Khaled Scheich Mohammed, den Finanzier Ramzi Binalschib aus der „Hamburger Zelle“ Mohammed Attas, ferner die Mitfinanziers Mustafa al-Hawsawi und Ali Abdul Aziz Ali, sowie Osama Bin Ladens früheren Leibwächter Walid bin Attasch. Der Prozess gegen das sechste Mitglied Mohammed al-Kahtani wird offenbar abgetrennt. Gleich zu Beginn des Prozesses forderte Scheich Mohammed, dass das islamische Recht der Scharia angewendet werden müsse. Er verweigerte zudem die Kooperation mit seinem Anwaltsteam.
Alle sechs Angeklagten bekamen Anfang Mai die Anklageschrift mit 169 Anklagepunkten zugestellt. Zu ihnen zählen Mord in 2973 Fällen, Terrorismus, bewaffneter Angriff auf Zivilisten, schwere Körperverletzung, schwere Sachbeschädigung, Zerstörung von Eigentum unter Verletzung des Kriegsrechts, Flugzeugentführung, gefährlicher Eingriff in den Luftverkehr und die Unterstützung terroristischer Vereinigungen. Die Anklageseite beantragt gegen alle Angeklagten die Todesstrafe.
Das Verfahren wird in den USA enorme Aufmerksamkeit wecken und Anlass für Streit sein. Die Aufmerksamkeit folgt daraus, dass der 11. September eine schwebende Drohung bleibt. Es war der erste Angriff auf das Kernland seit 1812, es war der erste Luftangriff auf US-Zivilisten in der Geschichte, und es war ein Angriff auf die zweitgrößte jüdische Stadt der Erde mit vielen Nachfahren derer, die dem Holocaust entkamen. Dick Cheney sagte, man müsse nun jede Bedrohung, die nur zu einem Prozent wahrscheinlich sei, als real behandeln. Cheney sagte das, nachdem (...)
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