DIW Studie Berlin: Jeder zweite Türke ist arbeitslos

Tagesspiegel 27 August 2008
Von Carsten Brönstrup

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Weniger Geld, weniger Arbeit, weniger Bildung: Laut einer neuen Studie haben es junge Migranten in Berlin besonders schwer. Die Wirtschafts- forscher warnen vor sozialen Spannungen und fordern die Schulausbildung zu verbessern.

Jeder dritte Migrant in Berlin hat keine Arbeit. Zudem verfügen Migranten über weniger Geld und sind schlechter gebildet als Deutsche – benachteiligt sind vor allem türkischstämmige Berliner. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschafts- forschung (DIW), die am heutigen Mittwoch erscheint und dem Tagesspiegel vorliegt.

Von einer „dramatischen Unterbeschäftigung der Migranten“ in der Hauptstadt ist darin die Rede. Verbessere der Staat nicht die Ausbildung, wachse die „Gefahr sozialer Spannungen“.

Mit der Studie gibt es erstmals fundierte Daten über die wirtschaftliche Lage von Migranten in der Stadt. Im Jahr 2005 – auf diesen Daten basiert das Papier – waren demnach gut 33 Prozent der Ausländer arbeitslos, bei den Deutschen waren es nur 17,3 Prozent. Angesichts des Aufschwungs dürften sich die Probleme seither allerdings abgeschwächt haben.

Zwar seien Migranten auch in anderen Großstädten benachteiligt, schreibt das DIW. Die wirtschaftliche Lage Berlins sei aber generell schlechter als andernorts – daher seien Zuwanderer hier besonders im Nachteil.

Insgesamt haben in Berlin 23 Prozent der Einwohner Migrationshintergrund. Das ist zwar mehr als im Bundesschnitt, in andere Städten wie Frankfurt am Main, München oder Stuttgart sind es aber bis zu 33 Prozent. Berlin ist hier noch immer zweigeteilt:

Im Westen kommen mehr als 30 Prozent der Bürger aus dem Ausland, die meisten aus der Türkei. Im Osten liegt der Anteil bei nicht einmal zehn Prozent. Wie in anderen Städten gilt laut DIW auch in Berlin, dass der Migrantenanteil bei Jüngeren größer ist als bei Älteren.

Unter den Migranten gibt es wiederum große Unterschiede. Besonders häufig sind Migranten der zweiten oder dritten Generation arbeitslos und auf staatliche Leistungen angewiesen, vor allem, wenn sie einen türkischen Hintergrund haben. „Diese Gruppe kommt auf eine Erwerbslosenquote von über 40 Prozent“, heißt es.

Dies wiege besonders schwer, weil ohnehin wenige Türkischstämmige überhaupt arbeiten wollten. „Mehr als die Hälfte dieser Gruppe im erwerbsfähigen Alter hat keine reguläre Beschäftigung – sei es, dass sie erwerbslos sind, oder sei es, dass sie keine Beteiligung am Arbeitsmarkt wollen“, befindet das DIW.

Eine Rolle spielt auch das Bildungsniveau. So haben etwa drei von vier Türken keinen Schulabschluss und entsprechend schlechte Chancen auf dem Stellenmarkt. Finden sie einen Job, dann oft nur einen einfachen – wie bei 60 Prozent der arbeitenden Türken.

Nur gut ein Drittel hat eine qualifizierte Tätigkeit, fünf Prozent arbeiten in einem hoch qualifizierten Job, zwölf Prozent sind selbstständig.

Um die Lage der Migranten zu verbessern, sind dem Institut zufolge „vermehrte Ausbildungsanstrengungen“ nötig. Der Staat sei besonders gefordert, „der nachwachsenden Generation bei der frühkindlichen Erziehung und (...)



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