Kinderkoran stösst auf Kritik

Factum Magazin 19 September 2008

Eine deutschsprachige Koranausgabe „für Kinder und Erwachsene“ zieht den Zorn strenggläubiger Muslime auf sich.

Die Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor und die zum Islam übergetretene Rabeya Müller haben im Verlag Verlag C.H. Beck einen Koran herausgegeben, der besonders verständlich sein soll. Mit dem Koran möchten sie Kindern den Zugang zum Islam erleichtern und bei nichtmuslimischen Lesern Verständnis für den Islam wecken.

Aus islamischer Sicht haben sie mit ihrer Veröffentlichung mehrere Sakrilege begangen. So haben sie die Suren (Verse) des Islam neu geordnet, um ein leichteres Verständnis zu ermöglichen.

Sie haben die Kapitel neu geordnet und so konzipiert, dass sich leichter interreligiöse Vergleiche machen lassen. Im Koran sind die 114 Suren weder thematisch noch chronologisch geordnet sondern der Länge nach.

Damit stossen sie bei strenggläubigen Muslimen auf harsche Kritik. Anstoss nehmen islamische Kritiker aber auch daran, dass der Koran Darstellungen des Propheten Mohammed und von Erzengel Gabriel enthält, die auch deren Gesichtszüge zeigen. Sie folgen damit einer islamischen Tradition und verweisen darauf, dass einzig die Darstellung Gottes verboten sei, nicht aber die von Mohammed.

Die gewalttätigen Suren wie zum Beispiel jene, in der der Mann ermächtigt wird seine Frau zu prügeln, haben sie nicht in den Kinderkoran aufgenommen. Auch die Verse über das rigide Rechtssystem des Islam, die Scharia, und über den heiligen Krieg, den Dschihad, fehlen.

Lamya Kaddor lehrt als Vertetungsprofessorin islamische Religionspädagogik an der Universität Münster und unterrichtet an einer Hauptschule Islamkunde.

 
 

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