„Djihad“ gegen die Marktwirtschaft: Was will die "Islamische Zeitung"

Sicherheit-heute.de Januar 2004
Von Hildegard Becker und Claudia Dantschke

Sie will „Brücke“ sein, aber wohin führt sie und auf welchen Pfeilern ruht sie? Herkunft, Verbindungen und neuere Aktivitäten werfen Fragen nach den eigentlichen Zielen auf.

Seit zwei Jahren hat sich die deutschsprachige „Islamische Zeitung“ (IZ) als monatliche Abonnentenzeitung etabliert1). Sie wird an gut sortierten Großstadtkiosken zum Preis von zwei Euro verkauft und findet Beachtung nicht nur bei Muslimen: nach eigenen Angaben ist fast jeder dritte Abonnent ein Nichtmuslim.

Das entspricht der Zielsetzung, denn die IZ versteht sich als „Brücke zwischen Muslimen und Nichtmuslimen und als Ort des Austausches mit dem Phänomen Islam“. Und sie möchte auch „aus der Sicht europäischer Muslime intellektuell zur geistigen und aktuellen Auseinandersetzung mit dem Islam“ beitragen 2).

Ein smartes Image als Fassade?

Das Blatt präsentiert sich weltoffen, die Kommentare sind in moderatem Stil verfasst, die von Agenturen übernommenen Meldungen bleiben meist unkommentiert. Der Herausgeber, der 37-jährige Andreas Abu Bakr Rieger, weiß, welche Meldung er in sein Blatt lässt und welche nicht. Gezielt werden prominente Persönlichkeiten aus Politik, Kultur und Gesellschaft in ausführlichen Interviews präsentiert 3). Das poliert das Image der Zeitung. Die Strategie scheint aufzugehen; dieses Strickmuster gleicht dem eines Blattes aus der rechten Ecke, das sich „Junge Freiheit“ nennt. Wer sich hier interviewen lässt, muss davon ausgehen, dass er instrumentalisiert wird – will es doch besagen: Seht, wie objektiv und aufgeschlossen wir sind!

Das war nicht immer so. Auch wenn sich Rieger und seine Gefährten inzwischen von einer plakativen „aggressiven Sprache und kaum verhohlenem Fundamentalismus“ 4) verabschiedet haben, so prägt ihre eigentliche inhaltliche Zielsetzung nach wie vor das Blatt. Das mag auf den ersten Blick nicht leicht zu erkennen sein. Erst wenn man sich mit der Gruppe um den Herausgeber dieser Zeitung näher befasst, wird deutlich, dass das smarte Image, die Fassade, täuscht.

Goethe-Fatwa und Pläne für ein islamisches Siedlungsprojekt

Vor Jahren war noch klar erkennbar, welche Ziele die „Islamische Gemeinschaft in Deutschland (IGID) / Weimar Institut e.V.“, der Zusammenschluss muslimischer Rechtsanwälte „Muslim Lawyers e.V.“ und die „Islamische Zeitung“ verfolgten. Der einflussreichste Vertreter dieser Einrichtungen, der deutsche Rechtsanwalt Andreas Abu Bakr Rieger, äußerte damals seine Ansichten und Ziele noch unverschlüsselt. So autorisierte Rieger am 19. Dezember 1995 als „Amir der Gemeinschaft der Muslime in Weimar“ eine unter Muslimen nicht unumstrittene und von Nichtmuslimen mit Schmunzeln und Verwunderung zur Kenntnis genommene „Fatwa“ (Gutachten) des „Schaikh ‚Abdalqadir Al-Murabit as-Sufi“ (von dem noch zu reden sein wird) über „die (posthume) Anerkennung von Goethe als Muslim“ 5).

1996 sprach „Amir Rieger“ in einem Interview der „Milli Görüs und Perspektive“ 6) (Hauszeitung der islamistischen Organisation „Milli-Görüs“) ganz offen von einem „Siedlungsprojekt für eine Medina in Ostdeutschland, das mit einem Wirtschaftsprojekt verknüpft“ sei. Mit 2000 Leuten, darunter auch Geschäftsleuten, habe man schon gesprochen. Sie hätten für das Projekt Unterstützung zugesagt. Rieger wörtlich: Das Projekt „möchte durch eine zukunftsweisende Symbiose von Arbeiten und Wohnen eine neue islamische Lebenskultur stiften. Ein freier islamischer Markt soll Lebensader für Muslime und Nichtmuslime in Ostdeutschland werden...“

Und schon in einer IZ-Ausgabe von 1995 schwärmte Rieger von dem „parallel zu denkenden Projekt freier Märkte“, das „als Chance begriffen werden“ müsse: „Warum sollte die Idee einer islamischen, selbst versorgten Medina nicht... faszinieren?“ 7) Islamische Wirtschaft? Abgeschottete Parallelgesellschaft? Eine Siedlung, in der Muslime nach islamischem Recht leben? Ein Staat im Staate also? - Der geplante Standort in Thüringen blieb davon jedenfalls verschont.

Die Wiedererweckung des Osmanischen Kalifats

Immer wieder kommt der Wagner-Verehrer Rieger auf den zentralen Aspekt seiner Weltsicht zu sprechen, das „korrupte kapitalistische Finanzsystem“ 8): Der „große Europäer“ Wagner, erklärt Rieger 1996, habe schon früh erkannt, dass die Geschichte vom Ring der Nibelungen, „von der Macht geprägt wird.“ Und dass diese „magische Macht“ der Finanz-Institute im Wandel sei. „Die Leute sind wie in einem Kult an die Bank gebunden“, sagt Rieger, und er prophezeit: „Wagners Suche nach dem Gral im Parsifal: das ist der schwarze Stein an der Kaaba. Das heißt, die letzte Ankunft des europäischen Menschen wird in Mekka sein, im Haus von Allah. Geistig wie physisch.“ Mit Hilfe des türkischen Islamistenführers „Necmettin Erbakan Hodscha“ wolle er bald in Weimar ein „wissenschaftliches Seminar“ organisieren. Denn „das Konzept der Kuffar (= Nichtgläubige, Nichtmuslime) von einer “ sei „eine zu schwache Vision.“

„Die eigentliche Vision ist“, so sinnierte Rieger weiter, „dass man die Rasse überwindet und zusammen kommt. Und die genetische Urprägung (Fitra) der Menschen wieder hervor kommen lässt, ihr prophetisches Wesen und ihre höchste Spiritualität entfaltet. Das können Türken und Deutsche gemeinsam stiften.“ Mit anderen Worten: diese im Islam gründende Ursuppe muss auch in Deutschland brodeln, denn der Islam wird „eine neue Kultur stiften“. Und wenn „zwei große Völker zusammen kommen“ (gemeint sind Türken und Deutsche), dann wird das „nicht mehr eine Zukunft sein, die sich durch Nationalstaaten beschreiben lässt, sondern Kalifate“ (übernationaler islamischer Staat). Und Rieger weiß auch schon, wo ein Kalifat gegründet wird: „Wir glauben, dass eines der Zentren die geopolitische Hauptstadt Istanbul sein wird und ein wieder erwecktes türkisches Kalifat.“ 9)

Die große Hoffnung „Erbakan“

1996 hatte Necmettin Erbakan noch „große Hoffnungen“ bei Islamisten geweckt, auch bei der Gruppe des Andreas Abu Bakr Rieger. Und Rieger nannte auch den Grund für seine Hoffnung: „Erbakan ...hat erkannt, dass die eigentliche Macht, sozusagen der , bei den Banken liegt. Und er hat verstanden, dass der Islam die einzige Zukunft ist.“ Dass die „große Hoffnung Erbakan“ Ende Dezember 2003 letztinstanzlich wegen Urkundenfälschung zu zwei Jahren und 4 Monaten Gefängnis verurteilt werden würde, ahnte Rechtsanwalt Rieger nicht. So nimmt es nicht Wunder, dass er sich am 1.6.2001 in den Vorstand des von Erbakans „Milli Görüs“ beherrschten „Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland“ wählen ließ, dem er bis zum 26.1.2002 als deren Rechtsberater zur Verfügung stand.

Die „Islamische Gemeinschaft Milli Görüs“ (IGMG) fühlte sich dem Weimar-Institut eng verbunden, was durch regen Referentenaustausch zwischen 1995 und 2000 deutlich wurde. Auch Necmettin Erbakan und andere Refah/Fazilet-Politiker waren mehrfach im Weimar-Institut zu Gast; in der „Islamischen Zeitung“ gab es viel Werbung; umgekehrt wurde in „Milli Gazete“ für „IGID“-Veranstaltungen geworben.

„Integration“ der europäischen Muslime

Die Ideologie, der Abu Bakr Rieger nahe zu stehen scheint, entspricht den Zielen der EUROPEAN MUSLIM SUMMIT DECLARATION 10). Darin heißt es, einziges Ziel sei die Errichtung eines islamischen Kalifats bzw. „die Errichtung eines souveränen Staates für alle Muslime in Europa“. Für „dieses hohe Ziel“ sollen die Muslime dieses Kontinents „integriert“ werden – durch islamischen Handel und „alle anderen Aspekte des sozialen und akademischen Lebens“ sowie durch die Einführung islamischen Geldes – eine Form der „Integration“, der auch Rieger zuarbeitet.

Als er Ende Juni 2001 zur 4. Konferenz seiner Rechtsanwaltsvereinigung „Muslim Lawyers“ nach Potsdam einlud, ging daraus die „Potsdamer Erklärung muslimischer Gelehrter“ hervor. Es sei nun eine „neue Phase in der Gründung unseres Din [Religion] in Europa angebrochen. Nun ist es an der Zeit, zusammen mit der an Zahl immer größer werdenden lokalen muslimischen Bevölkerung mehr Gewicht auf ökonomische und soziale Themen zu legen und nach der Umsetzung der anderen Aspekte der Schari'a zu streben“ 11).

Zu diesen Aspekten zählt die Erklärung „das Waqf-Recht [islamisches Stiftungsrecht], insbesondere mit Bezug auf das Stiftungsrecht in Europa, und die Errichtung von Awqaf [Stiftungen] in Berlin, die Aufklärung über Riba [Zins bzw. Wucher] und Banken und ihre zerstörerische Wirkung auf die Menschen und der Aufbau islamischer Einrichtungen an ihrer Stelle sowie die Errichtung eines Marktes in Berlin, der gemäß den Regeln der Schari'a betrieben wird“12). Dieser Erklärung entsprechend heißt es auf der Homepage des Rieger Rechtsanwalts-Vereins: „Muslim Lawyers plant 2004 die Etablierung einer Stiftung in Berlin 13).

Die deutschen Aktivisten und die Polit-Sekte „Murabitun“

Deutliche Hinweise auf die Hintermänner und Ideologie-Geber der Aktivisten um Rieger erhielt man durch die Internet-Homepage der „Murabitun Worldwide Movement“. Bis August 2002 gelangte man unter „Germany“ direkt zur „Islamischen Zeitung“ 14). Gegründet wurde die islamistische Sufi-Bewegung „Murabitun“ 15) von dem mittlerweile 67-jährigen Schotten Ian Dallas. Nachdem er Ende der 60er Jahre der Hippie-Bewegung ade gesagt hatte, schloss er sich einem mystischen Orden in Marokko an und nannte sich hinfort Scheich Abdalqadir al-Murabit as-Sufi. Deutscher Ableger ist die schon genannte, "Islamische Gemeinschaft in Deutschland (IGID)/Weimar Institut“, 1995 mit Sitz in Weimar, seit 2000 mit Hauptsitz in Potsdam. Rieger selbst bestreitet die Verbindungen zur Murabitun.

Die Keimzelle der deutschen Murabitun liegt in Freiburg, wo der Katholik Andreas Rieger studierte und 1990 – motiviert von Scheich Abdalqadir – zum Islam übertrat – wie auch die zum „Freiburger Kreis“ gehörenden Islam-Konvertiten Ahmad Gross, lange Zeit Geschäftsführer des Weimar Instituts und der IZ, der Chefredakteur der IZ, Sulaiman Wilms, und der „technische Leiter“ der IZ, Thilo Mujahid Hirsch, auf dessen Internetfirma das gesamte Online-Netzwerk der Gemeinschaft angemeldet ist. 16)

Die „Weltverschwörung des Kapitals“

Die „moderne Kalifatsbewegung“ Murabitun predigt gegen die „Weltverschwörung des Kapitals“. Darüber berichtete in Deutschland bereits im April 1992 der Journalist Anton Maegerle.17)

Inzwischen hat die Polit-Sekte weltweit Niederlassungen und „bietet ein einzigartiges Konglomerat an alt- und neurechtem Gedankengut“, gepaart mit Islam 18). „Demokratische Systeme werden unverblümt verunglimpft. In der UNO sehen die religiösen Polit-Jünger, die in Freiburg ein eigenes Haus – mit Geschlechtertrennung – und eine „Freiheits-Bücherei“ unterhielten, „das Polizei-Instrument der Welt-Finanz...“. Die Welt ist in der Hand der „Priesterschaft der Banken- und Finanz-Oligarchie, an deren Spitze die Juden stehen“ 19), die „die Kontrolle über den Westen“ haben „und die restliche Welt verfolgen“. Finanziert werde dieses Vorhaben indirekt durch die Deutschen, die von den Juden seit 1945 wegen der „grob übertriebenen" Verfolgung, die sie "während des zweiten Weltkrieges" erleiden mußten, "ausgepreßt" würden. 20)

In Großbritannien war Scheich Abdalqadir 1994 übrigens wegen seines luxuriösen Lebensstils (ein Landhaus soll mit 325.000 Pfund von Malaysia bezahlt worden sein) und wegen beträchtlicher Gelder aus nicht bekannten Überseequellen erheblich in Verruf geraten. Die von vielen Muslimen in England und Schottland missbilligten Aktivitäten des Scheichs spalteten offenbar die islamische Community. Bekannt geworden waren dort auch seine Verbindungen zur extremen Rechten, z.B. der „National Front“ 21), und seine Bewunderung für Adolf Hitler, den er einmal einen „erstaunlichen und unausgefüllten Genius“ genannt haben soll 22).

Antisemitismus-Vorwürfe gegen die Freiburger Gemeinschaft

Unter den Bewohnern Freiburgs war einiges über die Murabitun bekannt geworden. Schon im Juli 1991 kam es dort deshalb zu Protesten gegen einen geplanten Vortrag von Scheich Abdalqadir im historischen Kaufhaus 23). Die Stadt Freiburg zog darauf hin die Zusage zurück, was die „Gemeinschaft der Freiburger Muslime“ zu einem Flugblatt veranlasste, in dem es hieß: „Diese städtischen Machenschaften geschehen im Namen derjenigen, die ihre Verbrechen am palästinensischen Volk mit dem Verbrechen, das ihnen in der Geschichte widerfahren ist, rechtfertigen – den Israelis“ 24).

Nach dem Freiburger Misserfolg zog es die Gruppe nach Ostdeutschland, zunächst nach Dresden. Dort fiel sie bereits 1991 dem Sektenbeauftragten der katholischen Kirche in Sachsen, Gerald Kluge, auf „durch ihre aggressive Sprache und kaum verhohlenen Fundamentalismus“ 25). Ein Auftritt des Scheichs an der Dresdner Universität wurde ihr daher verwehrt. Das scheint allerdings längst vergessen, vor allem seitdem sich Andreas Abu Bakr Rieger als „moderner islamischer Europäer“ präsentiert. Vor zehn Jahren klang das noch ganz anders.

1993 ließ Rieger es sich nicht nehmen, auf der Jahresversammlung der radikal-islamischen Kaplan-Bewegung (ICCB/“Kalifatsstaat“), die gegen „Ungläubige“ und Juden agitiert, ein Grußwort zu sprechen. Den damaligen Führer der Bewegung, Cemaleddin Kaplan, bezeichnete er als „ehrbaren Hodscha“, der „in Deutschland verleumdet wird, jeden Tag in der Zeitung“. Und dann entschuldigte sich Rieger, denn – so wörtlich – „wie die Türken, so haben auch wir Deutsche oft schon in der Geschichte für eine gute Sache gekämpft, obwohl ich zugeben muss, dass meine Großväter bei unserem gemeinsamen Hauptfeind nicht ganz gründlich waren“. 26)

Im Einklang mit dem Scheich

Abu Bakr Rieger steht mit dieser Rede im Einklang mit dem geistigen Mentor der „deutschen Murabitun“. Denn Scheich Abdalqadir ist gegen Verfassungen und sieht selbst jene „Muslimbrüder“ auf Abwegen, die über eine „islamische Verfassung“ nachdenken. 27) Denn, so erklärte er, der „Konstitutionalismus“ „ist nicht islamisch, er ist freimaurerisch und demzufolge jüdisch“. Juden aber seien wegen ihrer schwerwiegenden Irrtümer verflucht, und eine Befreiung für einen „authentischen Islam“ gebe es erst dann, wenn man sich von dem westlichen Kreditsystem, samt der damit verbundenen „destruktiven jüdischen Kontrollsysteme und der technisch-versklavenden Politik“ befreie. Die Frage erscheint deshalb berechtigt, wem denn diese deutschen Bürger islamischen Bekenntnisses in die Hände arbeiten. 28)

Wie in den 70er Jahren in England/Schottland und Anfang der 90er in Deutschland „bekehrte“ Scheich Abdalqadir al-Murabit in den 80er Jahren auch in Spanien reihenweise Katholiken und Protestanten zum Islam 29); darunter auch Abdalhasib Castiñeira, heutiger Direktor der „Mezquita-Stiftung Granada“. Der Murabitun-Islam geriet allerdings auch in Granada ins Zwielicht, nachdem Mitte der 90er Jahre der Journalist Tomas Navarro in seinem Buch „Die Mezquita von Babel“, veröffentlicht hatte, dass Ian Dallas, der schottische Scheich Abdalqadir, Adolf Hitler bewundere und einen totalitären Kalifatsstaat errichten wolle 30).

Dieses Kalifat wollen die Jünger des Scheichs nicht mit der Waffe erobern, sondern über ein islamisches Finanz- und Wirtschaftsmodell etablieren. Und so reist der Präsident („weltlicher“ Leiter) der Murabitun, ein spanischer Baske mit dem islamischen Namen Umar Ibrahim Vadillo, durch die Welt, um seine auf Gold und Silber basierende Währung Dinar und Dirham zu etablieren, auch in Form des so genannten E-Dinar – ein Online-Zahlungssystem auf Goldbasis..

„Djihad gegen die Marktwirtschaft“

Auch Abu Bakr Rieger warb dafür auf der Homepage seiner Anwaltskanzlei und der Islamischen Zeitung 31). „Soll die islamische Währung die Marktwirtschaft erschüttern?“ 32) Das jedenfalls meinte „Die Welt“ im Oktober 2003 und berief sich auf eben jene „muslimische Gruppierung im Südwesten Deutschlands“, die in den 90er Jahren durch starke Sprüche auffiel – wie „Djihad gegen die Marktwirtschaft“, „Islam für Europa“, mit denen auf großen Plakaten Vorträge über die Abschaffung von Demokratie und Marktwirtschaft und die Errichtung einer islamischen Gesellschaft nach den Regeln der Scharia angekündigt wurden.

Der „Golddinar“, eine 24-Karat-Goldmünze, ist seit Herbst 2001 bereits geprägt – und wird von Währungsgründer Umar Ibrahim Vadillo mit glühendem Eifer propagiert.„Papiergeld ist der reine Betrug“ verkündete der Golddinar-Apostel, Riegers Murabitun-Bruder Vadillo, im Mai 2002 in Potsdam. Und in einem Aufsatz („Beyond Economic Man“) schrieb Vadillo, wer aus dem Papiergeld aussteige, helfe mit, die westlichen Volkswirtschaften zusammenbrechen zu lassen 33).

Rieger im Murabitun- Zentrum Granada

Am 12. Juli 2003 trat Andreas Abu Bakr Rieger gemeinsam mit Umar Ibrahim Vadillo in Granada auf, wo er – angekündigt als „Amir von Deutschland“ – bei der Eröffnung der großen Moschee der „Mezquita-Stiftung“ über „Muslime in Europa“ sprach und die „Rettung der Menschheit durch den Islam“ voraus sagte.

Die 14.000 Mitglieder umfassende islamische Gemeinde von Granada wird inzwischen aufmerksam beobachtet: Voriges Jahr war ein Al-Jazeera-Reporter, der Al-Qaida-Kämpfer angeworben und versteckt haben soll, in Granada vorübergehend verhaftet worden. Jetzt befürchtet man, die Gemeinde könne als neuer Unterschlupf für Terroristen dienen. Der Murabitun-Anhänger und Direktor der Mezqita-Stiftung Granada, Abdalhasib Castineira, weist das von sich. Beruhigend klingt es freilich kaum, wenn er meint: „Der Islam ist mehr als eine Religion. Er ist eine antimaterialistische Lebensauffassung. Sein Siegeszug ist deshalb unaufhaltsam.“

Derartiger Meldungen enthält sich die „Islamische Zeitung“ wohlweislich. Über die Feierlichkeiten in Granada hat sie ausführlich berichtet. Die Zusammenhänge zwischen der neuen Moschee, der islamischen Gemeinde von Granada und der Murabitun-Bewegung wurden allerdings nicht erwähnt – auch nicht der Auftritt von Umar Ibrahim Vadillo und Abu Bakr Rieger mit seinem Vortrag. Man wird die „Islamische Zeitung“ wohl aufmerksam beobachten müssen – auch darauf hin, was nicht darin steht.

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1) Die erste Ausgabe erschien 1995. Sitz der Zeitung war zunächst Weimar, dann Potsdam und nun Berlin-Mitte.
2) „Aktion: Viele neue Abonnenten?“, Islamische Zeitung 12.6.2003.
3) z.B. das CSU-Mitglied Spaenle 28.2.2003; die Vizepräsidentin bei Attac (Globalisierungsgegner), Susan George 7.1.2003;.der Orientalist Prof. Stefan Wild 14.3.2003; der Berliner Ausländerbeauftragte Günter Piening 15.9.2003; der ev. Kirchenmann Jürgen Micksch 19.12.2003.
4) so der katholische Sektenbeauftragte von Sachsen, Gerald Kluge, im Jahr 1991.
5) Islamische Zeitung Nr. 5/1995
6) „Milli Görüs & Perspektive, Hauszeitung der IGMG, Ausgabe Februar 1996.
7) IZ 1995: Abu Bakr Rieger - „Islam in Deutschland – auf der Suche nach neuen Perspektiven und Chancen“
8) Milli Görüs & Perspektive, a.a.O.
9) Ebenda.
10) Erklärung der Europäischen Gipfelkonferenz der Muslime vom 21.12.1997. (entnommen der Homepage von Umar Vadillo murabitun@netmatters.co.uk am 10.1.1998.
11) Islamische Zeitung, 20.8.2001.
12) Ebenda.
13) http://www.muslim-lawyers.de/german/ueberuns.php3 Abgelesen 11. Dezember 2003)
14) www.geocities.com/Athens/Delphi/6588/mundial.html. Abgelesen 3.8.2002.
15) Die Bezeichnung Murabitun (Bewohner von Wehrklöstern mit offensivem Missionseifer – Rittermönche oder Turmwächter) weist auf die maurische Dynastie der Almoraviden (1061 – 1147) hin, deren Reich das westliche Nordafrika und das arabische Spanien umfasste, mit Marakesch als Zentrum. Diese Dynastie kämpfte besonders aggressiv gegen Christen und Juden in Spanien. Ihre islamische Währung, Dinar und Dirham, waren zu jener Zeit die Handelsmünzen im Mittelmeerraum.
16) Anfragen nach den Domaininhabern ergaben, dass die Adressen weimarinstitut.net, murabitun.org, muslim-lawyers.net und islamische-zeitung.de über die Internetfirma unternehmen.com /bzw. unternehmen.org des Thilo Hirsch laufen bzw. gelaufen sind.
17) März/April 1992, S. 17. www.der-rechte-rand.de. s. auch: Claudia Dantschke: „Die Rechte und die Islamisten“ in „Jungle World“, 19.12.2001. www.jungle-world.de.
18) Anton Maegerle: „Murabitun – „Muslimische Polit-Sekte auf dem Vormarsch“ in „Der Rechte Rand“ Nr. 16,
19) ebenda.
20) ebenda.
21) „British Muslim Monthly Survey“: Artikel „Muslims under Fire“, 24.11.1994.
22) Ebenda.
23 Stefan Meining: „Rechte Esoterik in Deutschland. Ideenkonstrukte, Schnittstellen und Gefahrenpotentiale“. Referat auf dem Symposium 2002; Verfassungsschutz Thüringen.
24) Zitiert nach Stefan Meining; Flugblatt der „Gemeinschaft der Freiburger Muslime.“
25) Claudia Dantschke, a.a.O.
26) Video-Mitschnitt der Rede von Andreas Abu Bakr Rieger. Liegt bei Claudia Dantschke vor.
27) Herbert L. Müller: „Islamistische Organisationen in Deutschland – eine Herausforderung der Demokratie?“ in EZW-Materialdienst 10+11/2001; EKD „Im Blickpunkt“.
28) Ebenda.
29) „Der Standard“; 4.1.2004. „Die Rückkehr Allahs nach Granada“, S. 5.
30) Ebenda.
31) www.e-dinar.com lief bis mindestens Dezember 2001 über die Internetfirma von Thilo Hirsch: www.unternehmen.com.
32) Die Welt, 12.10.2003.
33) Ebenda.
34) „Der Standard“ 4.1.2004 , a.a.O.
35) Ebenda.



Ergebnisse & Zusammenfassung der Studie des Bundesinnenministeriums „Muslime in Deutschland“

Muslime in Deutschland - Organisationen & Gruppierungen

Hintergrund Islamkonferenz 2: Nein zum Grundgesetz - Muslime nehmen Beschlüsse zurück



 
 

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