"Die Brutalität wächst deutlich"

WELT ONLINE  27 Januar 2009
Interview von Thorsten Jungholt

Der Chef der Bundespolizei in seinem ersten Interview über die Ostgrenze, Gewalt in Zügen und den Inlandseinsatz der Bundeswehr

Am 16. März 1951 wurde der Bundesgrenzschutz zur Überwachung der innerdeutschen Grenze gegründet. Nicht nur dieser Auftrag ist Geschichte. Der Grenzschutz heißt heute Bundespolizei und hat eine Vielzahl von neuen Aufgaben zu erfüllen (siehe Grafik). Vor knapp einem Jahr erhielt die Behörde deshalb eine neue Struktur - und einen eigenen Präsidenten. Erstmals seit seinem Amtsantritt spricht Matthias Seeger in einem Interview über seine Arbeit an der Spitze der mit rund 41 000 Mitarbeitern größten deutschen Sicherheitsbehörde.

DIE WELT:Herr Seeger, Ihr Auftrag lautet, wachsende Aufgaben mit knapper werdenden Mitteln zu bewältigen. Wie soll das gehen?

Matthias Seeger:Indem wir mehr Polizisten weg von den Schreibtischen hin zur operativen Aufgabenerfüllung bekommen, auf die Flughäfen, an die Bahnhöfe und Grenzen. Denn genau das ist das Ziel unserer Neustrukturierung. Wir hatten früher 19 Bundespolizeiämter und fünf Präsidien. Diese 24 Behörden haben wir auf ein Bundespolizeipräsidium und zehn Direktionen reduziert, das ist eine massive Verschlankung des gesamten Verwaltungs- und Stabsapparates. Wir erwarten, dadurch 1000 Beamte für das Einsatzgeschäft vor Ort freizubekommen.

Mit dem Wegfall der stationären Grenzkontrollen zu Polen und Tschechien Ende 2007 haben Sie begonnen, auch dort Personal abzuziehen. Bei den Bürgern der Region hat das für Verunsicherung gesorgt. Hat sich deren Angst vor mehr Kriminalität bestätigt?

Seeger:Nein, ich kann im Einvernehmen mit den zuständigen Landespolizeien aus Bayern, Sachsen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern sagen: Die Ostgrenze ist genau so sicher wie zuvor, die Kriminalitätslage hat sich keineswegs verschlechtert.

Können Sie das mit Zahlen belegen? Es gibt durchaus einige Bürgermeister, die über zunehmende Autodiebstähle klagen.

Seeger:Die Statistiken sind regional eben sehr unterschiedlich. Wir haben in einzelnen Kriminalitätsfeldern signifikante Rückgänge, in anderen einen leichten Anstieg. Im östlichen Sachsen gibt es beispielsweise tatsächlich lokal begrenzt mehr Autodiebstähle, für deren Bekämpfung die Bundespolizei allerdings nicht zuständig ist. Aber auch hier agieren und reagieren wir natürlich gemeinsam mit der zuständigen Landespolizei, um derartigen (...)





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