12.000 bis 15.000 Teilnehmer bei DEMO-AKTION für das Kloster MOR GABRIEL

ipahb 29 Januar 2009

Berlin. Auf der Solidaritäts- veranstaltung für das Kloster MOR GABRIEL waren mit ca. 12.000 bis 15.000 Teilnehmern mehr als doppelt so viele Menschen wie erwartet.

Die ipahb und der Landesverband Berlin-Brandenburg der Bürgerrechts-organisation PAX EUROPA hatte zur Teilnahme an der Demonstration am Sonntag dem 25. Januar 2009 um 13:00 Uhr aufgerufen und viele Mitglieder kamen.

Die Veranstaltung begann um 13:00 Uhr und endete gegen 16:40 Uhr. Die Stimmung war unbeschreiblich.

Die aus ganz Europa angereisten Teilnehmer, unter ihnen viele Aramäher türkischer und syrischer Abstammung traten mit einer Ruhe und Erhabenheit für den Erhalt eines der ältesten christlichen Klöster der Welt auf, die man erlebt haben muß.

Es war keine DEMO der lauten Töne, es war eine Demonstration der Stille und der Mahnung, der Mahnung an alle Realitätsverweigerer in "Amt und Würden" wachsam zu sein und es auch zu bleiben. Eines der Transparente stellte die Islamisierung bloß: "Gestern die Hagia Sophia - heute das Kloster MOR GABRIEL - morgen der Kölner DOM"

Die stimmungsvolle Abschlußveranstaltung auf dem Pariser Platz, auf der auch zahlreiche Ansprachen auf aramäisch gehalten wurden, endete mit einem machtvollen und eindringlichen Appell an die Verantwortlichen Politiker Europas.

Das syrisch-orthodoxe Kloster Mor Gabriel in der Türkei stellt das geistliche Zentrum der aramäisch sprechenden christlichen Minderheit in der Türkei dar und ist eines der ältesten Klöster der Christenheit.

Es liegt in der Berglandschaft Tur Abdin («Berg der Gottesknechte») nahe der Stadt Midyat. Derzeit sieht sich die Leitung des Klosters mit drei Gerichtsverfahren konfrontiert und somit in seiner Existenz bedroht.

Nicht nur die Anklagen, sondern auch der Inhalt und das Vokabular, mit dem die Ankläger ihre Argumente begründen, ängstigen alle Aramäer weltweit und versetzen Menschenrechtsorganisationen in höchsten Alarm.

Die Anschuldigungen sind haltlos und können vor einem Gericht, sofern die Richter unparteiisch entscheiden, keinen Bestand haben. Das Kloster hat alle relevanten Beweise und Argumente auf seiner Seite, um diesen Prozess zu gewinnen. Gleichwohl müssen wir die für Christen unvorhersehbaren Folgen der fortgesetzten Hetze fürchten.

Die von Nationalisten in der muslimischen Bevölkerung geschürte Angst vor Christen und christlicher Mission hat bereits zu vier Todesopfern und mehreren Mordversuchen geführt. So wurde im Jahre 2006 der katholische Priester

Andrea Santoro in Trabzon und 2007 drei evangelische Christen in Malatya von nationalistisch und religiös motivierten Tätern ermordet. Nach dem Motiv befragt, sagten die Täter danach jeweils: „Es waren Missionare, sie wollten die Türkeispalten. Wir taten es für das Vaterland.“

Der Stiftungsvorsitzende Ergün des syrisch-orthodoxen Klosters Mor Gabriel drückt das aus, was aramäisch sprechende Christen überall auf der Welt aus diesen Vorgängen heraushören:

"Man macht uns zur Zielscheibe, sie wollen uns einschüchtern. Wer hier geblieben ist, soll sich ducken. Und unsere Leute aus Europa will man von der Rückkehr abschrecken."

Jedem, der die Zusammenhänge kennt, ist klar: Das primäre Ziel der Anstifter und Hintermänner dieser Anklagen gegen das syrisch-orthodoxe Kloster ist nicht das Kloster selbst. Die Botschaft lautet vielmehr:

Vertreibt die Christen für immer aus der Türkei!

Dagegen wollen die aramäisch sprechenden Christen aus Deutschland, die vorwiegend ihre Wurzeln im Tur Abdin besitzen, am 25. Januar in Berlin demonstrieren.

Alle Menschenrechtsorganisationen, alle demokratisch gesinnten Mitbürger und alle Menschen, für die die Freiheit der Religionsausübung einen Wert darstellt, sind aufgerufen, sich unserem Protest anzuschließen.



Mit dieser Demonstration ergeht ein dringlicher Aufruf an die muslimischen religiösen Führer, an die Verantwortlichen in Gesellschaft und Politik und an die Medienvertreter in der Türkei:

• Geben Sie dem religiösen und nationalistischen Ansinnen keine Chance!

• Sorgen Sie dafür, dass durch Aufklärung und Toleranzerziehung Vorurteile überwunden werden!

• Setzen Sie sich auf allen Ebenen dafür ein, dass ein friedliches Zusammenleben der verschieden Ethnien und Religionen möglich wird!


An den Gesetzgeber der Republik Türkei richtet sich der Appell:

• Sorgen Sie durch Rahmengesetze und Ausführungsbestimmungen dafür, dass die Einladung der türkischen Regierung an die in Europa lebenden Aramäer zur Rückkehr in ihre Heimat möglich wird! Leben und Eigentum dieser Rückkehrer müssen gesetzlich geschützt werden!



An die Regierung der Türkei richtet sich der Appell:

• Sorgen Sie dafür, dass das kulturelle Erbe der aramäisch sprechenden Christen in der Türkei nicht vernichtet wird! Es ist auf dem Boden der heutigen Türkei entstanden und gehört somit untrennbar zu ihrer Geschichte.

Wenn die Menschen, die die Träger dieser Religion und Kultur sind, vertrieben werden, so werden die Steine der zahlreichen alten Klöster und Kirchen schreien: Wo sind die Menschen geblieben? Was habt ihr mit ihnen gemacht?

• Stellen Sie darum bei der UNESCO einen Antrag auf Anerkennung des Klosters Mor Gabriel und anderer architektonischer Zeugnisse der reichen Kultur syrisch-orthodoxer Christen als Weltkulturerbe, damit diese auch mit internationaler Unterstützung gepflegt und bewahrt werden können.

• Zugleich appellieren wir an die Europäische Union und insbesondere an die Europäische Kommission auf, ihre Aufmerksamkeit verstärkt den wachsenden Problemen der Aramäer in der Türkei zuzuwenden und im Konflikt mit der muslimischen Bevölkerung des Tur Abdin zu vermitteln. Die Aramäer in der ganzen Welt hoffen, dass dieser Aufruf bei allen Menschen in der Türkei und außerhalb Gehör findet.


Die AKTION MOR GABRIEL ist eine Kooperation von:

Erzdiözese der Syrisch-Orthodoxen Kirche in Deutschland, Dachverband der Entwicklungsvereine Tur Abdin (DETA), European Syriac Union (ESU), Föderation der Aramäer (Suryoye) in Deutschland (FASD), Föderation Suryoye Deutschland (HSA), Zentralverband der Assyrischen Vereinigungen in Deutschland (ZAVD)

Stefan Förner

Erzbischöfliches Ordinariat Berlin
Pressestelle und Öffentlichkeitsarbeit
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