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DITIB - Muslimische Migrantenorganisation lehnt Unterschrift zu Integrationsvereinbarung ab
Wiesbadener Tagblatt 19 Februar 2009
Wiesbaden. Die nach eigenen Angaben mitgliederstärkste muslimische Migrantenorganisation in Deutschland, die DITIB, lässt die Stadt abblitzen: Eine Unterschrift unter das Vorzeigeprojekt "Integrationsvereinbarung" lehnt die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion ab.
Peter Grella, der Ex-Dezernent, hat sich Abfuhren eingehandelt. Seiner Nachfolgerin im Dezernat für Bürgerangelegenheiten und Integration, Birgit Zeimetz-Lorz (CDU), geht es nicht besser. "In der Kölner DITIB-Zentrale wird abgeblockt", sagt sie. Die hiesige Gemeinde im DITIB-Dachverband sei dabei nicht gefragt.
"Sie hat sich nach dem zu richten, was von Köln vorgegeben wird." Dort wiederum habe Ankara das Sagen. Es geht um Politik, um Einfluss der Türkei, Sicherung türkischer Interessen. "Ich habe den Eindruck, dass momentan Ankara die Zügel ganz straff in der Hand hält", so die Wiesbadener Bundestagsabgeordnete Kristina Köhler (CDU).
Eine Regelung auf lokaler Ebene bedürfe es nicht, schreibt die Zentrale der Stadt: Alles, was die Wiesbadener Vereinbarung mit mehreren muslimischen Vereinen regele, stehe im Grundgesetz oder in der eigenen Satzung. Man leiste auch ohne Unterschrift gute Integrationsarbeit, rühmen sich die Türken auf ihrer Internetseite.
"Was konkret vor Ort gemacht wird, können wir nicht sagen", meint Jeanine Rudoph vom Einwohner- und Integrationsamt. Es fehle an der Transparenz. DITIB habe sich weitgehend ausgeklinkt. "Gesprächsangebote wurden ausgeschlagen, Einladungen ignoriert", noch nicht einmal sporadische Auftritte im Arbeitskreis Islamischer Gemeinden in Wiesbaden (AIGW).
Von "selbst gewählter Ausgrenzung" ist die Rede. Von sich aus werde die Gemeinde überwiegend aktiv, wenn sie etwas wolle: Eine bessere Parksituation am Gemeindesitz in der Holzstraße etwa, einen anderen Moschee-Standort.
"Wir bedauern, dass sie nicht im Arbeitskreis dabei sind", sagt AIGW-Sprecher Said Nasri. "Mit uns reden sie nicht". Beim öffentlichen Fastenbrechen, das mehrere muslimische Gemeinden auf dem Mauritiusplatz organisiert hatten, ließen sich Vertreter des Vereins ebenfalls nicht blicken. Eingeladen waren sie.
"Die DITIB beansprucht eine Sonderrolle", sagt Winnrich Tischel, Leiter des Einwohner- und Integrationsamtes. Die Zentrale wolle dabei die Fäden in der Hand halten, lokales Eigenleben sei unerwünscht.
"Wir sind aber den Interessen der bei und mit uns lebenden Muslimen verpflichtet, nicht den Interessen des türkischen Staates und denen der türkischen Religionsbehörde". DITIB habe Bedingungen diktieren wollen: Koranschulen sollte die Stadt fördern, den Bau von Minaretten unterstützen. "Es gibt Grenzen", sagt Tischel (...)
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