International anerkannter Terrorismusexperte untermauert Theorie des "urbanen Jihadisten"

Von Dr. Thomas Tartsch 24 Februar 2009

Der international anerkannte Terrorismusexperte und Direktor des „Future Terrorism Project“ in Washington, Walid Phares, hat in einem Interview mit der deutschen Zeitschrift „Konkret“ zu den Hintergründen des Massakers in Mumbai folgende Aussage getätigt:

(das Interview findet sich auch hier):

„[…] Was die Operation selbst betrifft, so hat sie etwas initiiert, das ich das Modell für den "Urbanen Dschihad" genannt habe: Die Täter halten Gebäude so lange wie möglich besetzt, bis sie schließlich den Sicherheitskräften erliegen. Dies wird auch anderenorts zu einer Blaupause werden.“

Dieses Konzept des „Urbanen Dschihad“ bekräftigt die in meiner im Oktober 2008 veröffentlichten Analyse „Tellurischer Partisan & urbaner Jihadist - Psychogramm des „homegrown terrorism“ „ getätigte Voraussage bezüglich der neuen Gefährderkategorie des „Europa-Afghanen und urbanen Jihadisten“, der sich durch folgende Charakteristika auszeichnet:

• Globale Mobilität und offensives Agieren (nicht tellurischer Charakter)

• Parteigänger für ein transzendentes Wesen

• Höhere Anapassungsgabe, um Gesellschaft zu infiltrieren und nicht aufzufallen

• Nutzung eigener und fremder Infrastruktur und Ausweitung der Kriegszone auf urbane Gegenden

• Kurze Ausbildung und Handhabung billiger Waffen

Dieser urbane Jihadist rekrutiert sich aus der von jungen „Re- und Newborn Muslimen“ und Konvertiten gebildeten dritten Generation von Mudschaheddin des homegrown terrorism, die sich nicht nur durch immer schneller verlaufende Jihadisierungsprozesse auszeichnet, sondern deren Anhänger als „Europa-Afghanen“ ihre Ausbildung derzeit primär in Trainingscamps im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet erhalten, um nach ihrer Rückkehr den Jihad im urbanen Gelände auszuüben, wo seit 2007 mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt.

Damit kann meine Vorhersage in einem übergeordneten Rahmen mit dem Modell von Walid Phares verbunden werden, da der urbane Jihadist den urbanen Jihad ausübt, was die Sicherheitsbehörden vor neue Herausforderungen stellen wird. In meiner Analyse habe ich hierzu folgendes ausgeführt:

„[…] Der urbane Jihadist befindet sich somit inmitten der zu schützenden Gesellschaft, kann mithin nicht mit militärischen Mitteln wie „Kinetic Targeting“ (gezielte Tötung) und vernetzte „Fusion Cell“ Strategie (Irak) bekämpft werden, ohne die zu Schützenden selbst zu Opfern werden zu lassen.“

Da die Architektur der inneren Sicherheit in einer globalen Gefährdungslage, die die Grenzen zwischen äußerer und innerer Sicherheit immer mehr aufweicht, nicht eine statische Konstruktion darstellt, wird man vor dem Hintergrund der Erfahrungen des Counterterrorism und des Counterinsurgency für die Zukunft eine Strategiedebatte ohne Tabus führen müssen, die von der für den zivilen Bereich modifizierten „Fusion Cell“ Strategie bis zum Kentic Targeting von Mudschaheddin in der Ausführungsphase reicht.

Gerade die Herausforderung des urbanen Geländes, die im militärischen Bereich des Orts- und Häuserkampfes derzeit eine Renaissance erlebt, erfordert eine neue Strategie, um lang anhaltende Geiselnahmen wie im Oktober 2002 in Moskau und im Dezember 2007 in Mumbai zu verhindern, bei denen mit fortschreitender Dauer eine effektive Neutralisierung der Mudschaheddin nicht nur vereitelt, sondern auch der Body Count ziviler Opfer unnötig erhöht wurde. Aber nur ein frühzeitiges, entschlossenes und hartes Vorgehen gegen den urbanen Jihadisten kann einen erfolgreichen urbanen Jihad verhindern.

Wenn nicht in der Planungs- und Ausführungsphase durch Nachrichtengewinnung und effektiver Zusammenarbeit zwischen Sicherheitsbehörden und für den Counterterrorism speziell ausgebildeter Polizeieinheiten (als Analogie zum militärischen Counterinsurgency), dann in der Ausführungsphase durch effektives Kinetic Targeting.

Anders wird man die zu allem entschlossenen Mudschaheddin nicht erfolgreich bekämpfen können.

Denn für diese Mudschaheddin gelten die in westlichen Ländern des D?r al-Harb lebenden Nichtmuslime als harb? die man, da sie weder konvertieren, noch den Machtanspruch des Islam anerkennen oder im islamischen Machtbereich des D?r al-Isl?m als durch Unterwerfungsvertrag gegen Zahlung der Qizya geduldete Dhimma leben, töten oder versklaven darf (siehe hierzu Sure 9, Vers 5 und 29 des Koran).

Das umfasst auch alle Muslime, die nicht mit den Zielen des Jihadismus übereinstimmen. Nur wenn man die Lehren und die Konzeption des Jihad kennt und versteht, versteht auch die Legitimation, Handlungsweise und Beweggründe des internationalen Jihadismus und kann entsprechende Gegenstrategien entwerfen.

Ein erster Schritt hierzu ist das Studium der Vorgehensweise des Propheten seit der hidra 622 n.Chr., die bis heute als Vorbild für den Jihadismus gilt. Dies ist zu lange vernachlässigt worden.


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Literatur:

Thomas Tartsch: "Da’wa und Jihad – Islamischer Fundamentalismus und Jihadismus. Bedrohung der inneren Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland?" Eine vertiefende Analyse unter Einbeziehung aktueller und empirischer Daten

Tartsch: Islamismus, Dialog und Euro Islam





 
 

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