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Scharia angeblich reformfähig
BuchTest Blog 11 Juni 2009
Von Felix Struening
Am gestrigen Mittwoch stellte der Islamwissenschaftler und Jurist Mathias Rohe in Berlin sein Buch „Das islamische Recht“ vor. Mit ihm diskutierte die bekannte Rechtanwältin und Frauenrechtlerin Seyran Ates, moderiert vom Zeit-Journalisten Jörg Lau. Die Redaktion BuchTest war für Sie dabei.
Der Islam und die Scharia sind reformierbar, so in etwa könnte man die Aussagen der beiden Diskutanten zusammenfassen. Dass es sich dabei aber um eine theoretische Reformfähigkeit handelt und der Islam es in über 1.000 Jahren zu kaum einer Reform gebracht hat, die wirkliche Verbesserungen für Frauen oder Andersgläubige hervorriefen, interessierte den Referenten bei seinen Äußerungen zum islamischen Recht wenig.
Auch die türkischstämmige Rechtsanwältin Seyran Ate? setzte ihm da wenig entgegen. Ihre einzige deutliche Positionierung – zugleich wohl klarster Satz des Abends – besagte, dass sie über eine Reform des Islams erst beginnen würde zu sprechen, wenn eine faktische Gleichberechtigung von Männern und Frauen installiert sei. Gleichwertigkeit sei sowieso gegeben und nicht diskutabel.
Besonders enttäuschend war jedoch die Moderation von Jörg Lau, der es nicht ein einziges Mal schaffte, die Diskussion zu überspitzen oder die beiden Teilnehmer zu provokanten oder wenigstens gegensätzlichen Aussagen zu bringen. Stattdessen wurde in friedlicher Einigkeit gefachsimpelt, ohne wirklich Stellung zu beziehen. Erst als es gar nicht mehr um das Buch ging, sondern um die Integration von Muslimen allgemein, wurde die Diskussion durch Beiträge aus dem Publikum etwas lebhafter.
Umstrittener Autor
Mathias Rohe hatte 2006 die Studie „Perspektiven und Herausforderungen in der Integration muslimischer MitbürgerInnen in Österreich“ im Auftrag des österreichischen Innenministeriums herausgegeben, in der er vor dem Entstehen von islamischen Gegengesellschaften warnte. Die Studie wurde allerdings nie in Gänze publiziert, anscheinend war die Brisanz der geschilderten Fakten dem Ministerium dann doch zu beängstigend.
Nun fragt man sich aber, warum Jörg Lau den Autor während der ganzen Diskussion nicht auf diese Studie und ihre dem jetzigen Buch so widersprechenden Erkenntnisse ansprach. Auf Nachfrage aus dem Publikum verharmloste Mathias Rohe die Ergebnisse seiner eigenen Studie und der kritische Betrachter mochte einen Konflikt zwischen dem Islamwissenschaftler und dem Juristen sehen – oder anders ausgedrückt: zwischen den bedrückenden Ergebnissen der sozialwissenschaftlicher Studien und dem theoretischen Konstrukt einer reformfähigen Scharia.
Da für Mathias Rohe Scharia auch Recht ist und dieses gelten muss, wo es die Mehrheitsgesellschaft verlangt, stellte sich die Frage nach einer möglichen Umkehrung der hiesigen Mehrheitsbevölkerung bei einem weiteren Populationszuwachs mit islamischen Hintergrund. Der Autor wich diesem Argument jedoch mit dem Hinweis auf die (vermeintliche) Unwahrscheinlichkeit dieser Mehrheitsverschiebung aus. Reaktionen wie diese, brachten ihm übrigens bei früheren Veranstaltungen massive Proteste und im Anschluss sogar Morddrohungen aus der Islamgegner-Szene ein.
Viel Wissen – keine Meinung
In Anbetracht dessen, dass es sich bei Autoren wie Mathias Rohe um die intellektuelle Elite unserer Islamwissenschaft handelt, kann eine Buchvorstellung wie diese nur als lähmend und erschreckend bezeichnet werden. „Das islamische Recht“ ist in seiner wissenschaftlichen Darlegung der Fakten ein hervorragendes Nachschlagewerk und war längst fällig, da eine solch umfangreiche und fundierte Darlegung bisher auf dem Buchmarkt fehlte. Warum der Autor aber trotz seiner Erkenntnisse nicht wagt, eindeutig Stellung zu beziehen, ist mehr als fragwürdig.
Da bleibt nur abschließend auf ein BuchTest Interview mit dem dänischen Psychologen Nicolai Sennels zu verweisen, in dem dieser sagte: „Die Integration von Muslimen in westlichen Gesellschaften ist nicht möglich. Unzählige intelligente und mitfühlende Menschen arbeiten überall in Europa an den Problemen. Ihnen stehen Milliarden Euro dafür zur Verfügung. Aber noch immer wachsen die Probleme weiter an.“
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Ayaan Hirsi Ali ist eine niederländische Politikerin, Frauenrechtlerin und Islamkritikerin somalischer Herkunft.
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