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Phyllis Chesler: Die Burka - Letztendliche feministische Wahlmöglichkeit?
EuropeNews 2 September 2009
Orginaltext: The Burqa: Ultimate Feminist Choice?
Pajamas Media, Von Phyllis Chesler
Übersetzung: Catrin Sagmeister
Naomi Wolf entdeckt die „Sexyness“ der Leichentücher
Frauen im Tschador sind in Wirklichkeit feministische Ninja- Kämpferinnen. Anstatt sich von männlichen Fremden angaffen zu lassen, entscheiden sie, den „männlichen Blick“ zu besiegen, indem sie sich unter Aller Augen davor verstecken.
Aber keine Sorge: Unter diesem Tschador, der Abaya, Burka oder dem Schleier befindet sich eine sexy Kurtisane, die “Victoria’s Secret, elegante Mode und Bodylotion” trägt und auf nichts wartet als auf die Heimkehr ihres Mannes für eine Nacht voll wilder, sinnlicher ehelicher Liebesspiele.
Offensichtlich stammen diese Ideen nicht von mir. Ich zitiere aus einem Aufsatz von Naomi Wolf, der vor ein paar Tagen im Sydney Morning Herald erschienen ist. Ja, Wolf ist jene lebendige feministische Autorin, die Vizepräsident Al „ The Climate” Gore bezüglich der Farben beraten hat, die er während seiner Kampagne tragen sollte und die mit Gores Tochter befreundet ist. Die ganze Wahrheit: Ich kenne Wolf und ihre Eltern seit mehr als einem Vierteljahrhundert auch privat.
Wolf reiste kürzlich nach Marokko, Jordanien und Ägypten, wo die Frauen “genauso interessiert an Verlockung, Verführung und Vergnügen wie Frauen überall auf der Welt“ sind. Uff! Welch Erleichterung. Sie schreibt:
„Viele muslimische Frauen, mit denen ich gesprochen habe, fühlen sich überhaupt nicht unterjocht vom Tschador oder dem Kopftuch. Im Gegenteil, sie fühlen sich befreit von etwas, das sie als aufdringlichen, degradierenden, hauptsächlich sexualisierenden westlichen Blick erleben….Viele Frauen sagen etwas Ähnliches wie: …’wie ermüdend es sein kann, die ganze Zeit ausgestellt zu sein. Wenn ich mein Kopftuch oder meinen Tschador trage, dann behandeln mich die Leute wie ein Individuum, nicht wie ein Objekt; ich fühle mich respektiert.’ Dies findet man vielleicht in keinem traditionell westlich- feministischen Denkmodell, aber es ist ein deutlich zu erkennendes westliches feministisches Gefühlskonzept.“
Wirklich? Wenn das so ist, bin ich die Königin von England.
Nun, da Wolf nicht mehr die rehäugige Unschuld von gestern ist, sieht sie die Vorteile darin, nicht permanent unter Beobachtung zu stehen. Als Westlerin, die „verkleiden“ als Muslimin gespielt hat, behauptet sie, dass ihr das Verstecken unter Aller Augen ein „neuartiges Gefühl von Ruhe und Klarheit“ gegeben hat. „Ich habe mich in einer gewissen Weise, ja, frei gefühlt.“ Außerdem denkt Wolf, ehelicher Sex sei besser, wenn Frauen sich „bedecken“ und ihre Gesichter und Körper nur ihren Ehemännern enthüllen.
Marabel Morgan lebt! In den Mittsiebzigern riet Morgan Ehefrauen dazu, ihre Ehemänner an der Tür in sexy Kleidung und/oder durchsichtiger Frischhaltefolie nur mit ihnen selbst darunter zu begrüßen. Ihr Buch Total Woman verkaufte sich mehr als 10 Millionen Mal. Laut Morgan, einer Christin, wird „eine Frau nur dann wirklich schön für ihren Mann, wenn sie ihm ihr Leben zu Füßen legt, ihn verehrt und anbetet und willens ist, ihm zu dienen.”
Nun, was kann ich sagen? Hier ein paar Dinge.
Die meisten muslimischen Mädchen und Frauen haben keine Wahl, den Tschador, die Burka, die Abaya, den Niquab, den Jilbad oder Hijab (Kopftuch) zu tragen, und jene, die Widerstand leisten, werden geschlagen, mit Mord bedroht, eingesperrt, mit Stöcken geschlagen oder ausgepeitscht, ins Gefängnis geschmissen oder von ihren eigenen Familien ermordet.
Sind Wolf die Nachrichten, die hierzu aus Afghanistan, Pakistan, Iran, Saudi Arabien und Sudan kommen, völlig unbekannt? Hat sie die tragischen, aufwühlenden Tode jener Schulmädchen in Saudi- Arabien vergessen, die aus ihrem brennenden Schulhaus fliehen wollten, und dabei, nicht angemessen verschleiert, von der allmächtigen saudischen Moralpolizei in das brennende Gebäude zurückgeprügelt wurden?
Die meisten muslimischen Mädchen und Frauen sind verarmt und tragen Lumpen, nicht teure westliche Kleidung, unter ihren Hüllen. Nur die verhätschelten, überkontrollierten, oft isolierten und übermaterialistischen Töchter der Reichen, hauptsächlich in den Golfstaaten, aber auch unter der Herrscherklasse in der islamischen Welt, stimmen mit Wolfs Bild der gut gehaltenen Kurtisanen- Ehefrau überein.
Verschleiert und gehorsam zu sein, schützt eine muslimisches Mädchen oder eine Frau weder davor, von Verwandten sexuell missbraucht, verprügelt, verfolgt, von einer Gruppe oder vom Ehemann vergewaltigt zu werden, noch hält es den Ehemann davon ab, mehrere Frauen oder Freundinnen zu haben oder regelmäßig das Bordell zu besuchen.
Ein „voll“ verschleiertes Mädchen- ein Kind zwischen 10 und 15 Jahren, kann immer noch zu einer arrangierten Ehe gezwungen werden, vielleicht mit ihrem ersten Cousin, vielleicht mit einem Mann, der alt genug ist, ihr Großvater zu sein, und sie darf ihn nicht verlassen, auch wenn er sie täglich grün und blau schlägt.
Wolf erzählt, einen “Shalwar Kameez (traditionelles pakistan. Kleidungsstück, Anm.) und ein Kopftuch” für ihren Ausflug zum Bazar angezogen zu haben. Ich behaupte, dass Wolf versteht, dass Shalwar Kameez und Kopftuch, die sie in Marrokko spielerisch getragen hat, nicht das Problem sind.
Ich frage mich, wie sich Wolf gefühlt hätte, hätte sie eine Burka, einen Tschador (Ganzkörperverhüllung) oder einen Niquab (Gesichtsmaske) auf demselben Ausflug getragen, wie gut es ihr ginge in einer isolierten Kammer, die wirksam ihre fünf Sinne blockiert und es für sie schwierig, wenn nicht unmöglich macht, mit anderen zu kommunizieren.
Und übrigens, der schaurige Effekt verhüllter Frauen ist letztendlich, dass sie unsichtbar werden. Sie hören auf, zu existieren. Sie sind de facto Geister.
Wolf stellt den Westen als frauenfeindlich dar weil er Frauen wie Sexobjekte behandelt. Bin ich glücklich über Pornographie und Prostitution im Westen? Zur Hölle, nein, und im Gegensatz zu Wolf habe ich gegen beides angekämpft, aber diese Laster als „westliches“ Übel darzustellen, als etwas, dem sich die Islamische Welt entgegenstellt, ist geradezu Wahnsinn.
Es ist wohl bekannt, dass Araber und Muslime früher wie heute Sex-Sklaven halten. Sie sind sehr stark beteiligt am weltweiten Mädchen- und Frauenhandel und suchen auf jedem Kontinent häufig Prostituierte auf. Man findet in jedem fürstlichen Zelt Pornomagazine. In jenen für Jungen und für Mädchen. Mir wurde gesagt, dass die Saudis jede Woche frische Flugzeugladungen voller Pariser Prostituierten einfliegen lassen. Vielleicht verschleiern sie sie vor ihren Tag-und-Nacht-Orgien. Oder vielleicht sehen sie sie als natürliche, „ungläubige“ Beute.
Ich lege Wolf nahe, ein Buch zu lesen, das im September erscheint, geschrieben von einer christlich- amerikanischen Frau, Mary Laurel Ross, dessen Ehemann für die amerikanische Luftwaffe die saudische ausgebildet hat. Es heißt Verschleierte Ehre und ist ein zeitgemäßer, umfassender und „nuancierter“ (Wolf plädiert für „Nuance“ in unserem Verständnis weiblicher Freiheit) Bericht ihres ungefähr fünfzehnjährigen Aufenthalts in Saudi- Arabien. Ich würde Wolf auch vorschlagen, für den Anfang die Werke von Ayaan Hirsi Ali (Mein Leben, meine Freiheit: Die Autobiographie) und Nonie Darwish (Cruel and Usual Punishment) zu lesen.
Andererseits vermute ich, dass Wolf sich nicht wirklich auf der Suche befindet nach irgendwelchen „nuancierten” Wahrheiten über „weibliche Freiheit“, sondern auf Saudi- Gold scharf ist und darauf, sich in der demokratischen Partei zu positionieren. Schließlich unterstützt das, was sie in diesem kurzen Artikel geschrieben hat, Präsident Obamas Position gegenüber der muslimischen Welt.





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