Wo die Verfolgung von Christen zum guten Ton gehört

DiePresse.com  11 Dezember 2009
Von JUTTA SOMMERBAUER & IRENE ZÖCH

In vielen muslimischen Ländern dürfen Christen ihre Religion nicht frei ausüben oder werden gar mit dem Tode bedroht. Nach dem Minarettverbot könnte sich ihre Lage weiter verschlechtern.

Wien. Camelia Lotfys Kampf ist noch nicht ausgestanden. Die Koptin aus der ägyptischen Stadt Alexandria kämpft gegen die Justiz – und um ihre beiden 15-jährigen Söhne. Im Jahr 2000 trat ihr Mann, koptischer Christ – geschätzte acht bis zehn Millionen Kopten gibt es im 75-Millionen-Einwohner-Land –, zum Islam über.

Nach islamischem Recht sind die Kinder eines Moslems automatisch Muslime, das Religionsbekenntnis der Zwillingsbrüder in der Geburtsurkunde wurde geändert. Dabei verwies das Gericht auf das islamische Recht (Scharia), das in Ägypten als einzige Rechtsquelle gilt.

Die Mutter ist entsetzt: "Muslime sind sie doch nur auf dem Papier. Die beiden sind Ministranten in der Kirche", so die 48-Jährige, die anlässlich des gestrigen Tages der Menschenrechte bei der Veranstaltung "Christenverfolgung steigt, Europa schweigt" in Wien war. Dennoch will Lotfy nicht aufgeben: Im Jänner 2010 steht erneut ein Gerichtstermin an.

Lotfys Geschichte sei "kein Einzelfall", sagt ihr Rechtsanwalt Chafik Awad, Präsident der Union der koptischen Organisationen in Europa. Christen würden vielfältig diskriminiert: Der Übertritt eines Moslems zum Christentum sei so gut wie unmöglich ("umgekehrt eine Sache von fünf Minuten"), Bau und Sanierung von Kirchen seien verboten. "Wir dürfen nicht einmal eine Toilette reparieren."(...)