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Morden für Allah: Dokumentarfilm "Shahida – Allahs Bräute"
Heplev Worldpress 21 Dezember 2009
Von Claudio Casula
Über zwei Jahre besuchte die israelische Filmemacherin Natalie Assouline palästinensische Terroristinnen, die im Sharon-Gefängnis einsitzen, und befragte sie nach ihren Motiven. Ein Dokument, das verstört – und ernsthafte Besorgnis über den Zustand der palästinensischen Gesellschaft nährt.
Manal, Mutter von drei Kindern, wollte sich in einem israelischen Kindergarten in die Luft sprengen. Wafaa aus Jabaliya plante, ihren Sprengstoffgürtel in einem Krankenhaus (!) zu zünden, in dem sie von jüdischen Ärzten und Pflegern behandelt worden war. Und Ayat hat studiert: im ersten Jahr Ingenieurswesen, im zweiten Design.: "Ich dachte ans Heiraten und ich dachte ans Studieren und ich dachte an den Tod."
Könnte es sein, dass eine Gesellschaft, in der solche Perversionen möglich sind, krank ist? Und dass sie "kritische Solidarität" ebenso bitter nötig hat wie einen kräftigen Schlag auf den Hinterkopf?
Es mag weitgehend vergessen worden sein, aber seit die Palästinensische Autonomiebehörde Arafats im Herbst 2000 die al-Aqsa-Intifada lostrat, wurden bei 155 Selbstmordattentaten 526 Israelis ermordet, 3300 verletzt, viele von ihnen verstümmelt, traumatisiert bis heute.
Den Mördern und ihren Helfern geht es, jedenfalls wenn sie in einem israelischen Gefängnis gelandet sind, deutlich besser: Sie sind allesamt gesund und wohlgenährt, um nicht zu sagen: fett wie Klosterkater, sie schwatzen und sie lachen, sie singen und sie beten, und man liegt nicht ganz falsch, wenn man vermutet, dass es ihnen im Sharon-Gefängnis besser geht als zu Hause, worauf wir noch zu sprechen kommen werden.
120 Palästinenserinnen brummen in israelischem Gewahrsam, wegen Beihilfe zu oder Vorbereitung bzw. Ausführung von Selbstmordattentaten. Was die im Film gezeigten Frauen betrifft, gehören sie, bis auf eine Ausnahme, alle einer der palästinensischen Terrorgruppen an: Samar (23) etwa den Izz ad-din al-qassam-Brigaden der Hamas, Manal dem Islamischen Jihad. Alle Frauen, bis auf die erwähnte, tragen Kopftuch, Hijab, lange Mäntel gar. Denn alle sind religiös.
Und das ist der Umstand, der dem Betrachter am meisten zu denken gibt: Wenn der Islam eine Religion des Friedens ist, wie kann es dann sein, dass gläubige Massenmörderinnen in spe in der Überzeugung aufbrechen, ihre Tat sei gottgefällig?
Kahira aus Jenin, Mutter von vier Kindern, wurde zu dreimal lebenslänglich plus 30 Jahre verurteilt, wegen Beförderung eines "Märtyrers". Sie holte den Attentäter aus Ramallah ab und fuhr ihn nach Jerusalem. Dort hatten die beiden Schwierigkeiten, einen geeigneten Ort für das Blutbad auszuwählen:
Wir konnten nicht in ein Restaurant wegen der Sicherheitskräfte… Zwei Busse kamen, ich sagte dem Märtyrer, er solle es da auf der Straße machen, weil es unmöglich war irgendwo reinzukommen… Das tat er und sagte: Es gibt keinen Gott außer Allah, und Mohammed ist sein Prophet. Ich sagte: Möge Gott deine Tat billigen und dich ins Paradies schicken… Er sah sehr freudig aus. Im letzten Augenblick sah er mich an und lächelte… Er war zufrieden.
So viel zum oft gehörten Argument der Terrorversteher, es sei die pure Verzweiflung, die Menschen zu einer solchen Tat triebe.
Auch Manal scheint von einer beunruhigenden Motivation angetrieben worden zu sein:
Ich studierte ein Jahr Krankenpflege und zwei Jahre Islamkunde. Mein Mann wollte nicht, dass ich weitermache, Schwestern müssen in den Krankenhäusern übernachten, das wird bei uns nicht gern gesehen. Dann schloss ich mich der Hamas an.
Krankenpflegerin und Menschen helfen – wie, so will die Interviewerin wissen, passt das zusammen mit Bombenbauen für Hamas? Manal wirkt verlegen, sucht nach einer Ausrede:
Die Hamas ist keine Terroristengruppe, und sie töten keine Unschuldigen.
Nun, wenn man davon überzeugt ist, dass alle Juden schuldig sind, dann sicher nicht. Denn es sind ja israelische Soldaten, die "nicht zwischen Kämpfern und Zivilisten (unterscheiden )". Im Kindergarten, im Restaurant, im Einkaufszentrum, in einem Schulbus oder vor einer Disco hingegen trifft es immer die Richtigen. Weshalb Manals Gebet sich so anhört:
Lass die Freiheitskämpfer überall siegen. In Palästina, Afghanistan, Tschetschenien, Irak.. heiliger Kampf… Allah… demütige die hochmütigen Ungläubigen, deine Feinde.
Manar und Latifa, Amani und Fatma, Ayat und Rajed, Fida, Maha und Futana nämlich sind im Auftrag des Herrn unterwegs. Und pfeifen notfalls darauf, dass sie "ein ausgefülltes Leben" führen, Kinder haben oder, wie Samar aus Jabaliya, im dritten Monat schwanger sind, wenn erst mal eine der Terrorgruppen an sie herantritt, um sie Sprengstoff basteln, einen Mörder zum Anschlagsort kutschieren oder sich gar selbst in die Luft jagen zu lassen, Hauptsache, es kommen genügend Juden dabei um.
Wafaa aus Jabaliya war eines Tages beim Kuchenbacken ein Gasbehälter um die Ohren geflogen. Sechs Monate lang wurden ihre Brandwunden im Soroka-Krankenhaus in Be´er Sheva behandelt. Indes wären Juden nicht Juden, wenn sie einfach nur Gutes täten:
Sie waren nicht sehr nett zu mir.
Und jetzt soll Wafaa 12 Jahre in einem israelischen Gefängnis verbringen. Warum?
Weil ich versucht habe mich im Soroka in die Luft zu sprengen. Aber es ging schief. (lacht verlegen)
Bei einem solchen Abgrund von Niedertracht bleibt jedem zivilisierten Menschen die Spucke weg, aber Wafaa gibt zu, dass sie noch etwas anderes als die Hilfsbereitschaft der Juden zu ihrer Tat getrieben hatte:
Seit ich klein war, träumte ich davon, eine Märtyrerin zu werden – um der Gnade Gottes würdig zu sein. Als Gotteskämpferin.
Was uns zweierlei zeigt: dass, erstens, in 15 Jahren palästinensischer Autonomie die Erziehung schon der Kleinsten zum Hass auf die Juden grausame Früchte getragen hat und, zweitens, etwas an der Befürchtung dran sein könnte, dass der Islam, je stärker der Glaube, eine problematische, ja mitunter gefährliche Religion ist. Oder was soll man davon halten, wenn eine fromme Muslima einen Satz wie diesen von sich gibt: "Nach der Explosion wird Gott meine Seele zu sich nehmen".
Einmal heißt es:
Wenn wir hier ankommen, sind wir ungebildet… hier haben wir 24 Stunden am Tag freie Zeit… beten, studieren den Koran, lesen… wir haben die Politik.
Und die, in unheiligem Verein mit dem strengen Glauben, scheint die einsitzenden Terroristinnen endgültig versaut zu haben. Nicht ein Wort der Reue fällt, alle sind der festen Überzeugung, richtig gehandelt zu haben.
In einer Szene sehen wir die Palästinenserinnen diskutieren – über den Status von Männern und Frauen im Islam. Vor dem Islam, so erfahren wir, war es nämlich so: Die Frau hatte keine Rechte, durfte nicht erben oder lernen, eine Frau war Sklavin. Könige hatten viele Frauen. Während Achmed Normalverbraucher nur vier haben darf. Kahiras Mann etwa hat, da sie nunmehr im Bau sitzt, eine zweite Frau geheiratet und geschwängert. Nun ja, sagt Kahira, er darf das. Doch zurück zum Islam. Inwiefern änderte sich mit seinem Siegeszug die Stellung der Frau in der arabischen Gesellschaft?
Der Islam ehrte die Frau… Sie hatte das Recht zu heiraten, wen sie wollte.
Man wüsste gern, wann genau es damit ein Ende hatte.
Keiner konnte ihr mehr etwas vorschreiben, nur im Islam wird sie geehrt.
Und der beste Beweis dafür ist, dass sie sich für spirituellen Führer, Gott und Vaterland sogar in die Luft sprengen darf. Allahu akbar! Allerdings ist der Lohn, wie auch in den westlichen Ländern, nicht der gleiche:
Im Islam gibt es für Märtyrer ein Leben nach dem Tod. Auf einen männlichen Märtyrer warten im Himmel 72 oder sogar 100 Jungfrauen…
Und wer wartet auf Manal und Kahira? Etwa 72 Callboys? Ach, nein:
Eine Märtyrerin wie wir wird zur Herrin über diese Jungfrauen.. Sie ist schöner und in Gottes Augen mehr wert.
Und da schüttelt man über Leute den Kopf, denen dieser Glaube suspekt ist.
Amani, Ayat, Fida & Co. tauschen sich im Gefängnis über den Jihad aus wie andere über die neuesten Rezepte in "Kochen und Genießen". Sie lachen, essen zu Mittag Schnitzel und Bulgur, öffnen ihre Post, empfangen Besuch – man denkt unwillkürlich an Gilad Shalit, dem all dies seit mehr als drei Jahren verwehrt wird, und der, wer weiß, eines Tages nur das Tageslicht wieder sieht, weil Israel 1000 Häftlinge vom Kaliber Manals und Fatmas auf die Menschheit loslässt. Denn glaube niemand, diese Frauen seien geläutert, geschweige denn willens, wenigstens der nächsten Generation das sinnlose Blutvergießen zu ersparen.
Eine der Häftlinge ist schwanger. Sie will ihren Sohn, wenn er zur Welt kommt, Barraa nennen, was Unschuld bedeutet oder "frei von den Ungläubigen". Auch er wird nach dem Willen seiner fanatischen Mutter dereinst verheizt, denn "der Jihad wird nie enden, so lange es Israel gibt." Und auch danach nicht:
Warum soll es dann enden? Sollen wir Afghanistan und die dort lebenden Moslems vergessen? So lange Moslems unter Ungerechtigkeiten leiden, wird der Jihad weitergehen… Er wird nie enden.
Ist es nicht gerade zwei Wochen her, dass Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder in der ZEIT monierte, der internationale Terrorismus werde als "religiös motiviert dargestellt"?
Schwer vorstellbar für Gasprom-Gerd, dass einem neuen Erdenbürger von der eigenen Mutter der Märtyrertod zugedacht wird, aber, nun ja, genau so ist es. Mutter und Kind werden im Gefängnis mit Begeisterung und lulululululululululululu empfangen, und die Frauen bewundern den frisch geborenen Shahid:
"Seid leise, ihr weckt ihn ja auf."
"Der schläft sogar bei einem Bombenangriff."
"Er ist eben Hamas. Was hast du erwartet?"
"Wenn er groß ist, geht er zur Volksfront oder zur Demokratischen Front."
Na denn: frohe Zukunft!
In einer Kultur, die ihren Neugeborenen den Wunsch nach Mord und Selbstmord mit in die Wiege legt, gehört wohl auch das Wiegenlied vom Totschlag dazu:
Ich war bei meinen Brüdern
Und ich hörte die Bomben
Ich fragte meine Mutter
Sie sagte, er war ein Verräter und Mörder
Ich blickte in den Himmel
und sah, wie Flugblätter um uns herunterfielen
ich fragte meine Mutter
sie sagte, das sind die, die sich ergeben haben (…)
Denn wo naiver Glaube, völkisches Denken, Selbstmitleid und primitiver Judenhass sich guten Abend sagen, wird diese tödliche Mixtur mitunter poetisch ausgedrückt. Eine der Frauen singt im Gefängnishof:
Jetzt bin ich eine Gefangene der Juden. Warum legt ihr mir Ketten an?
Ketten? Und: warum?
Ich will zu meinen Kindern.
Gott wird sich an denen rächen, die mich von ihnen fernhalten. Allah ist groß.
Nein, diese Juden! Halten ehrenhafte arabische Frauen von ihren Kindern fern. Jedenfalls die Juden von der rachsüchtigen Sorte, nicht die milden, verständnisvollen, sich schämenden Juden wie Abi Melzer, die ihren Verfolgern ins Rektum kriechen und noch "Mmh, duftet prima!" rufen.
Drei Leute von der Märtyrerbrigade warteten auf mich im Auto… Ich stieg ein und sie nahmen mich mit zu einem Haus, wo ich den Gürtel anlegte… Der Sprengstoff war wie eine Hose… voll mit Sprengstoff von hier bis da, und sehr schwer (grinst). Ich fuhr zum Grenzübergang Erez. Eine Soldatin wunderte sich, warum ich so dick war, ich sagte dass ich krank sei und mein Körper voller Brandwunden wäre.
Aber wie Israelis so sind: Sie glauben einem nicht. Die Soldatin wurde misstrauisch, rief: "Sie sind verhaftet!"
Ich zog den Auslöser, betete zu Gott: bitte nimm mein Opfer an.
- und, plopp, hatte den Auslöser in der Hand. Ach, herrje.
Nichts, keine Explosion, keine Körperteile (lacht)… sie schnappten mich…
Ich war nur traurig, weil mein Traum vom Heldentod nicht in Erfüllung gegangen war… Ich wollte mich in die Luft jagen, rings um mich Juden und sie alle würden sterben.
Und dann scheiterte sie am Checkpoint. Ein tragisches Schicksal, das jedem Palästina-Portal-Leser das Wasser in die Augen treiben muss.
Aber wir wollen hier nicht sarkastisch werden. Im Grunde ist der ganze Film ein bedrückendes Beispiel für den Verfall menschlicher Werte und ein Plädoyer für die Befreiung der Palästinenser von ihrem Blut-und-Boden-Regime. Eine Frau erzählt, man habe sie im Lager "nicht akzeptieren wollen. Ich war die einzige verheiratete Frau, die Hosen trug und ihr Haar nicht bedeckte. Die Leute sagten, dass ich eine Schande sei… Das belastete mich, dass alle über mich redeten… Ich war jung, ich heiratete, als ich 14 war, 15, als ich meine Älteste bekam.. Mein Glaube wurde stärker, und ich näherte mich Gott."
Der Umgang mit den "gläubigen muslimischen Schwestern" im Knast tat ein Übriges. Jetzt, nach der Gehirnwäsche, ist die geläuterte Muslima bereit zur Rückkehr in die palästinensische Gesellschaft, nunmehr als vollwertiges Mitglied.
Gilt dies für alle Frauen, mit denen Natalie Assouline sprach?
Nein. Ranya redet sich frei. Sie wurde an einer Straßensperre mit einem Messer erwischt. Warum? Weil ich zu Hause Probleme hatte. Sie schlugen mich die ganze Zeit, seit ich ein kleines Kind war. Du wolltest ins Gefängnis? Ja. Weil es hier besser ist als zu Hause? Ja.
Ranya erzählt, sie sei zu Hause immer nur geschlagen worden. Außer essen, trinken und schlafen sei nichts erlaubt gewesen.
Ich habe Probleme mit den anderen. Sie lehnen mich ab, weil ich keiner Organisation (vulgo: Terrorgruppe) angehören will. Die haben ein Problem mit denen, die sich nicht der PLO, der Fatah oder der Hamas anschließen wollen. (…) Sie sagen, ich sei eine Agentin. Dass ich für die Juden arbeite.
Und Ranya beteuert, dass sie nicht die einzige sei. Alle hätten "draußen" Probleme gehabt, schöben Besetzung und Jihad nur vor. Beim Hofgang sagt sie zu einer anderen Gefangenen: "Du hast sechs Kinder und willst mir erzählen, du willst für dein Heimatland zurück ins Gefängnis? Komm mir nicht mit Heimat, jede von euch hat ein Problem."
Aber außer Ranya gibt das keine zu. Statt dessen fordert man Barraa, inzwischen ein lallendes Kleinkind, zu den wirklich wichtigen Bekenntnissen des Lebens auf:
Sag: Allah ist groß.
Barraa, sag: Wenn ich groß bin, sprenge ich mich mit euch in die Luft.
Der Film "Shahida – Allahs Bräute" wird am 9. Januar 2010 auf arte ausgestrahlt.
Efraim Meslet conducted a telephone interview with Nathalie Assouline, the Israeli producer of the film Shahida - Brides of Allah showing at the International Berlin Film Festival. Assouline spoke about her initial feelings on meeting the women, some of them mothers, willing to blow up inside Israel. The film shown at the festival has received a raving reception.
Natalie Assoulines "Shahida"
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