In Aceh gilt das islamische Recht: Mit der Scharia-Polizei unterwegs

SWR Nachrichten 25 Januar 2010
Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Hörfunkstudio

Banda Aceh auf der Insel Sumatra ist die einzige Provinz in Indonesien, die das islamische Recht, die Scharia, anwendet - und dies konsequent: Eine Scharia-Polizei prüft genau, ob Kleiderordnung und Verhaltensvorschriften für Muslime eingehalten werden.

Die Scharia-Polizei bereitet sich auf ihre nächste Streife vor. Im Schatten der Kuppel und der Minarette der großen Moschee in Banda Aceh auf der indonesischen Insel Sumatra steigen Beamte in Khaki-Uniformen auf die Ladefläche eines Pickup-Trucks, um in den Straßen der Provinzhauptstadt die Einhaltung der Kleiderordnung und der Verhaltensvorschriften für Muslime zu überwachen.

Die jungen Männer sind bewaffnet, als wären sie auf der Jagd nach Schwerverbrechern. Dabei geht es unter anderem um Frauen, die kein Kopftuch tragen oder zu enge Hosen anhaben, bei denen man die Körperform erkennen kann.

Händchen halten ist tabu

An der Strandpromenade halten die Islam-Polizisten Ausschau nach unverheirateten Pärchen, die Händchen halten oder sich gar umarmen. Selbst junge Paare, die in gebührlichem Abstand voneinander gemeinsam den Sonnenuntergang beobachten, werden von den Anstands-Polizisten angesprochen. Dies sei notwendig, sagt Marzuki, der Leiter der Islam-Behörde in der Provinz Aceh, um die Scharia, das islamische Recht, aufrecht zu erhalten. ''Wir sehen das als eine Art Vorbeugungsmaßnahme. Dabei gehen wir nicht aggressiv gegen Gesetzesbrecher vor, sondern versuchen die Leute zu überzeugen und über die Absicht unserer Patrouille zu informieren (...)