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Udo Steinbach, Experte ohne Ahnung
Spirit of Entebbe 8 Februar 2010
Von Claudio Casula
Hat Prof. Udo Steinbach lediglich keinen Schimmer vom Nahen Osten, was für einen Orient-"Experten" rechtschaffen unrühmlich wäre, oder hält er sein Publikum einfach nur tolldreist zum Narren?
Für das Nahost-Quartett und für jeden Menschen, den der Judenhass noch nicht Augenlicht und Hörvermögen gekostet hat, ist die Hamas eine Terrororganisation, nicht aber für Udo Steinbach, der kürzlich in einem Leser-Interview der Braunschweiger Zeitung erklärte:
Ich bin definitiv nicht der Ansicht, dass es sich bei Hamas um eine Terrororganisation handelt.
Und warum nicht? Weil Steinbach den islamistischen Terrorismus – nicht einmal der Hamas, sondern "einiger Elemente" – nur als verständliche Reaktion der "Intelligenten" auf westliche respektive israelische Missetaten deutet, als "Strategie des Widerstands" gegen ein Land, das "keine Demokratie" sei, weil man dort "Palästinenser zu Tausenden wegsteckt" (?), sodass die Lösung des Nahostkonflikts, die ihm im Sinne der arabischen Friedensfeinde vorschwebt, natürlich die "Ein-Staat-Lösung" ist. Schließlich könnten die Palästinenser dann "irgendwann eine Mehrheit sein und Verantwortung übernehmen".
Das könnten sie zwar schon jetzt und sicher auch im Rahmen einer Zweistaatenlösung, aber die würde eben nicht den einzigen jüdischen Staat durch die Schaffung des 23. arabischen Staates abschaffen.
Wieviel von der Sachkenntnis des belehrenden Mümmelgreises, der immer dann vor die Mikros geholt wird, wenn man ein saftiges antiisraelisches Statement braucht, zu halten ist, lässt sich an diesem Zitat sehr schön verdeutlichen:
Meines Wissens nach hat es in den 90er-Jahren nicht einen einzigen Anschlag gegeben, an dem die Hamas beteiligt gewesen wäre.
Nicht? Dann helfen wir mit einer Auswahl aus dem Wirken der palästinensischen Wohltätigkeitsorganisation in den 90er-Jahren unserem zerstreuten Professor gern auf die Sprünge.
6. April 1994, Afula, Autobombe zerstört Bus, 8 Tote.
13. April 1994 Hadera, Selbstmordattentat, 5 Tote.
9. Oktober 1994, Jerusalem, Feuerüberfall, 2 Tote, 14 Verletzte.
19. Oktober 1994, Tel Aviv, Selbstmordattentat in einem Bus, 22 Tote, 56 Verletzte.
25. Dezember 1994 Jerusalem, Selbstmordattentat an Bushaltestelle, 13 Verletzte.
24. Juli 1995, Ramat Gan, Selbstmordattentat in einem Bus, 6 Tote, 31 Verletzte.
25. Februar 1996, Ashqelon, Selbstmordattentat an Bushaltestelle, 2 Tote.
3. März 1996, Jerusalem, Selbstmordattentat in Bus, 19 Tote, 6 Verletzte.
21. Mai 1997, Tel Aviv, Bombenanschlag in Restaurant, 3 Tote, 48 Verletzte.
30. Juli 1997, Jerusalem, zwei Selbstmordattentäter verüben Anschlag auf Markt, 15 Tote, 178 Verletzte.
4. September 1997. Jerusalem, drei Selbstmordattentäter in Fußgängerzone, 4 Tote, 181 Verletzte.
20. August 1998, Tel Rumeida, ein Rabbi ermordet
27. August 1998, Tel Aviv, Bombe im Müllcontainer, 14 Verletzte.
11. Oktober 1998, Hebron, Handgranatenanschlag, 18 Verletzte.
19. Oktober 1998, Be’er Sheva, Granatenanschlag auf Zentrale Busstation, 59 Verletzte.
29. Oktober 1998, Gush Katif, Selbstmordattentat auf Schulbus, 1 Toter, 8 Verletzte.
Et cetera, et cetera. Schließlich war es schon immer erklärtes Ziel der Hamas – die zurzeit keine Anschläge verübt, was nicht daran liegt, dass sie es nicht mehr will, sondern dass sie es nicht mehr kann – einen Frieden mit Israel zu torpedieren, und sie selbst bekennt sich von ganzem Herzen zu jedem einzelnen dieser Massaker, aber Prof. Udo Steinbach, der nur ein Experte darin ist, Leute mit Halb- und Falschinformationen gegen Israel in Stellung zu bringen, behauptet das Gegenteil. Selten hat sich jemand, auf den sich so viele andere berufen, so gründlich selbst demontiert. Man muss es so sagen: Steinbach ist ein Schwätzer und ein Lügner, und er ist ein Verharmloser und Apologet des Terrors. Immerhin: In der arabischen Welt, der wir "ohnehin nicht mehr viel zu sagen haben", dürfte der deutsche Islamwissenschaftler und brandstiftende Biedermann das trübe Bild vom Westen ein ganz klein wenig aufhellen. Jeder hat eben die Fans, die er verdient.





