"Geert, du wirst der Nächste sein"

Wiener Zeitung 8 Februar 2010
Von Tobias Müller

Mordphantasien beherrschen die Texte gegen Wilders, doch mit realer Gewalt wollen die Rapper nichts zu tun haben "Geert, du wirst der Nächste sein" Der Lieblingsfeind: Wilders ist für die niederländisch-moslemischen Rapper zum primären Ziel geworden.

Amsterdam. Sobald die Beats einsetzen, legt er den Finger auf die Narbe. Die, die seit Jahren immer wieder aufreißt. Genau da tut es weh, und genau da drückt er zu: "Pim Fortuyn redete über Muslime. Er wurde abgeknallt. Theo Van Gogh redete über Muslime. Er wurde niedergeknallt. Wer ist der Nächste?”, fragt Mo$heb drohend.

Die harten Konsonanten seines Akzents zerstechen den Keyboardteppich im Hintergrund. Nur ein paar Takte später taucht der Name Geert Wilders auf, als Mo$heb, ein 20-jähriger Rotterdamer pakistanischer Abstammung, seine Gewaltphantasien von der Leine lässt: "Wenn ich dich treffe, heißt es Bam-Bam", droht er dem Chef der Partij voor de Vrijheid (PVV) an. Und: "Wenn du so weitermachst, bist du der Nächste.”

80 Sozialstunden und zwei Monate auf Bewährung brachte der Song dem Rapper im Dezember ein. Eineinhalb Jahre zuvor hatte Wilders ihn angezeigt. "Wenn man Menschen droht, ihnen Kugeln in den Leib zu schießen, sehe ich in künstlerischer Freiheit wenig Sinn”, so der rechtspopulistische Politiker. Genau darauf jedoch bezog sich Mo$heb und ging in Berufung. Zudem lasse er keinen Zweifel daran, dass es nur Rhetorik sei, wenn er sagt: "Hör zu, Geert, das ist kein Witz, gestern Nacht träumte ich, ich hätte deinen Kopf abgehackt.”

Mo$heb ist nicht der Einzige, der derartige Träume hat. In einer Ecke des (...)