Gerechtigkeit für Juden aus arabischen Ländern

haGalil.com 8 März 2010
Von Zvi Gabay, Israel haJom

Mit einer Mehrheit der Stimmen hat die Knesset ein Gesetz verabschiedet, das als Teil des Friedensprozesses eine Entschädigung für die Juden aus arabischen Ländern anstrebt

Das neu erlassene Gesetz soll die Rechte jener Juden sichern, die gezwungen wurden, ihr Eigentum und Vermögen in arabischen Ländern zurückzulassen; die meisten von ihnen kamen ohne einen Pfennig nach Israel…

Das von der israelischen Regierung unterstützte Gesetz folgt auf einen Beschluss des US-Repräsentantenhauses vom 1. April 2008 und stellt eine vernünftige Entwicklung dar, die breiter Unterstützung wert ist. Erstmals seit der Gründung des Staates wird den Rechten der Juden aus arabischen Ländern juristische Anerkennung in Israel zuteil. Bislang haben israelische Regierungen die Angelegenheit ignoriert, obwohl die Frage der arabischen Flüchtlinge und ihrer Rechte im Zentrum der öffentlichen Debatte in Israel und auf der Welt stehen, unter dem Schlüsselbegriff "Recht auf Rückkehr".

Es ist Zeit, diese Situation zu korrigieren.

Als der Staat Israel gegründet wurde, fanden zwei menschliche Tragödien statt: Die eine war die Entwurzelung der jüdischen Gemeinden, die seit Jahrtausenden in arabischen Ländern existierten; und die andere war die von den arabischen Palästinensern wegen Israels Unabhängigkeitskrieg 1948 erlittene "Nakba", die Tausende zu Flüchtlingen in arabischen Ländern werden ließ. Wenngleich die menschlichen und physischen Dimensionen der Katastrophe, die den Juden widerfuhr, größer waren als die der "Nakba" (die Zahl der aus ihrer Häusern vertriebenen und mittellos zurückgelassenen Juden belief sich auf 856 000, verglichen mit der Zahl der palästinensischen Araber, die sich, selbst der UNRWA zufolge, auf 650 000 belief), hat sie keinen Namen und erhält keine signifikante öffentliche oder mediale Aufmerksamkeit.

Der Grund dafür ist, dass die Juden aus arabischen Ländern und ihre anfängliche Not in Durchgangslagerzelten aus dem Blick gerieten, nachdem sie sich in Israel eingerichtet hatten. Im Gegensatz dazu sorgten die arabischen Länder dafür, das Elend der Flüchtlinge zu erhalten und ihnen nicht zu gestatten, in die Gesellschaft eingegliedert zu werden und die Staatsbürgerschaft zu bekommen, aufgrund der Ideologie, dass eine Wiedereingliederung der Flüchtlinge Israel helfen würde.

Das Desaster der Juden aus arabischen Ländern fand sinnlos statt, im Gegensatz zur "Nakba". Die Juden, die in diesen Ländern lebten, bekämpften sie nicht, während die Palästinenser Israel bekämpften. Die Juden waren ein Sündenbock im Kampf zwischen den und innerhalb der arabischen Staaten. Entgegen der Behauptung, dass es die Gründung des Staates war, die den Juden Schaden zufügte, hat die Verfolgung von Juden in arabischen Ländern in Wahrheit schon stattgefunden, bevor der Staat Israel gegründet wurde. Das manifestierte sich in Form von Diskriminierungen in Wirtschaft, Erziehung und im öffentlichen Leben.

So gab es grausame Pogrome gegen die Juden. Während eines solchen Pogroms (bekannt unter dem Namen "Farhud"), das sich an den Shavuot-Feiertagen des Jahres 1941 ereignete, wurden 135 getötet und Hunderte verletzt. In Libyen wurden im November 1947 133 Männer, Frauen und Kinder abgeschlachtet und 400 verwundet. Im jemenitischen Aden wurden im selben Monat 100 getötet und Unmengen mehr verletzt. Nach der Gründung des Staates Israel wurden über Nacht Massen von Juden aus Ägypten vertrieben.

Diese und andere Pogrome, die tatsächlich in jedem arabischen Staat stattfanden, führten letztlich zu illegalen Massenhinrichtungen von Juden. Die Juden ließen ihr Land und ihren Besitz zurück sowie das Eigentum ihrer uralten jüdischen Gemeinden: Schulen, Synagogen, Krankenhäuser, Prophetengräber und mehr. Die arabischen Regierungen übernahmen all das Eigentum und benutzten es für ihre Bedürfnisse.

Aus unklaren Gründen setzte Israel die Katastrophe der arabischen Juden nicht auf seine nationale Agenda und die seiner internationalen Öffentlichkeitsarbeit, weswegen die Bahn frei war für arabische und antizionistische Propagandisten, die die Palästinenser als die Einzigen darstellten, die im arabisch-israelischen Konflikt gelitten hätten. Die Welt hat eine Menge über das Fehlverhalten und das Unrecht gehört, das den Palästinensern angetan wurde, aber beinahe nichts über das Unrecht, das den Juden widerfuhr, die in den arabischen Ländern lebten. Tatsächlich war das, was in den arabischen Ländern geschah, eine ethnische Säuberung gegenüber den Juden.

Da die Idee von "zwei Staaten für zwei Völker", die die palästinensische Forderung nach dem "Recht auf Rückkehr" beinhaltet, nun akzeptiert ist, muss Israel mit dem Thema seiner eigenen Flüchtlinge aus arabischen Ländern dagegenhalten. Jede politische Einigung sollte all die Vorkommnisse im Nahen Osten der vergangenen 60 Jahre in Rechnung stellen. Daher ist die Verabschiedung des Gesetzes, das die Rechte der Juden aus arabischen Ländern anerkennt, durch die Knesset ein erster Schritt in die richtige Richtung im Namen der Gerechtigkeit.

Je größer die Anerkennung in der Welt und unter den Arabern, dass sie nicht die Einzigen waren, die unter dem Nahostkonflikt gelitten haben, desto wahrer wird die Basis der Gespräche für regionale Koexistenz sein. Ansätze dieser Anerkennung finden sich bereits in dem Vorschlag des früheren US-Präsidenten Bill Clinton aus dem Jahr 2000, der die Einrichtung eines internationalen Fonds zur Entschädigung jüdischer und palästinensischer Flüchtlinge beinhaltete.

Der Vorschlag genießt die Unterstützung des Repräsentantenhauses und wird sie wohl auch von anderer internationaler Seite finden. In den letzten Jahren hat sich ein Umkehrprozess innerhalb der arabischen Welt vollzogen, vor allem bei Intellektuellen, die fühlen, dass im Nahen Osten den Juden in den arabischen Ländern eine Katastrophe widerfahren ist und es nicht nur die "Nakba" der palästinensischen Araber gegeben hat. Dieser Prozess ist entscheidend dafür, einen wahren und gerechten Dialog im Nahen Osten voranzubringen.

Zvi Gabai ist Orientalist und früherer Botschafter.


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