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• Zinssätze: Ein koordinierendes ökonomisches Prinzip
Von Henrik R. Clausen 12 März 2010
Übersetzung: LIZ für EuropeNews
Änderungen bei Zinssätzen werden normalerweise von Eigenheimbe- sitzern, Bauern, Bankern und anderen, deren wirtschaftliche Situation von Zinssätzen abhängig ist, mit Spannung verfolgt.
Aber ihr Wunsch nach niedrigen Zinssätzen führt zu einem tödlichen Trugschluss. Wenn man die Zinssätze niedrig hält, wird dies unserer Wirtschaft eher schaden als nützen. Wir haben uns heute daran gewöhnt, dass die Zentralbanken die Zinssätze kontrollieren, so dass wir kaum darüber nachdenken, dass es noch Alternativen geben könnte.
Aber die Mechanismen des freien Marktes können die Zinssätze ganz gut regeln. In diesem Fall wären die Zinssätze das Ergebnis aus der Summe zweier Faktoren: Dem Risiko durch das Verleihen von Geld, und der Gewinnrate, die der Verleiher auf sein Darlehen bekommt. In dieser Situation wäre ein niedriger Zinssatz Ausdruck von umfangreichen Sparguthaben der Gesellschaft, einer stabilen Wirtschaft, und dem Interesse Geld in profitable Unternehmungen zu investieren.
Aus Sicht der Privatwirtschaft sind Zinssätze auf Baudarlehen das, was die meiste Aufmerksamkeit auf sich zieht. Die meisten Menschen haben keine signifikanten Sparguthaben auf der Bank, was sehr verständlich ist. Ein ‚hoher Zinssatz’ für Sparkonten in Dänemark hat eine Effektivverzinsung pro Jahr in Höhe von 3 Prozent. Das ist nicht mehr als die Steigerungsrate des Verbraucherpreisindexes – und schließlich wird das Einkommen ja auch noch besteuert! Dies stellt eine Benachteiligung des guten Geldes dar und führt leicht zur gegenwärtigen Situation, in der Privatpersonen normalerweise mehr Schulden (hauptsächlich Hypotheken) haben, als Sparguthaben.
Der Zinssatz bedeutet noch mehr. Er ist ein entscheidender Faktor für Arbeitgeber, die ihre Investitionen, Kosten und erwarteten Gewinne kalkulieren. Ein niedriger Zinssatz erleichtert es, Projekte auf den Weg zu bringen, und stimuliert so die Wirtschaft, während hohe Zinssätze eher dämpfend wirken. In einem Land mit hohen Zinssätzen werden weniger Projekte in die Wege geleitet, während gleichzeitig die Menschen eher geneigt sind zu sparen als Geld auszugeben.
Zinssätze haben eine Funktion in der Wirtschaft ähnlich einer Verkehrsampel auf der Straße. Wenn jemand die Ampel dahingehend anpasst, dass längere Grünphasen entstehen, wird man den Verkehr sicher beleben. Der offensichtliche Mehraufwand wären jedoch mehr Schäden an Autos und für die Fahrer.
Genau dasselbe passiert in der Wirtschaft. Niedrige Zinssätze erleichtern es Projekte, die eigentlich auf Sicht abgebrochen werden müssten, in Gang zu setzen, sie ermöglichen eine extreme Risikoaufnahme in der Art und Weise, für die Banken weithin kritisiert werden, und sie erleichtern es sogar, sich in ausgesprochenen Betrugsfällen zu engagieren, wie im Falle des berüchtigten dänischen Falles Stein Bagger.
Weiterhin begünstigen niedrige Zinsen das Drucken von Geld. Billige Darlehen an Banken verursachen ein Wachstum des Geldbedarfs und da Geld hauptsächlich in Banken generiert wird, stärkt dies den Finanzsektor im Vergleich zu Landwirtschaft, Industrie und Handel. Diese produktiven Zweige haben keinen sofortigen Zugang zu diesem neu erschaffenen Geld, sie müssen zuerst ihren Anteil daran verdienen.
Niedrige Zinssätze veranlassen die Banken und Investmentfonds dazu riskantere Spekulationen einzugehen, weil sie immer noch einen angemessenen Gewinn auf ihre Darlehen erhalten. Das macht den Finanzsektor anfälliger für Krisen. Bei dem Zusammenbruch im Jahr 2008 gingen die erwarteten Rekordgewinne in heißer Luft auf und endeten in massiven Abschreibungen. Was im Gegenzug dazu führte, dass der angeschlagene Finanzsektor Hilfe bei Regierungen und Zentralbanken suchte – die mit Sachleistungen antworteten, indem sie Liquidität und niedrigere Zinssätze beisteuerten.
Aber der schlimmste Aspekt künstlich herbeigeführter, niedriger Zinssätze ist seine abhängig machende Arte des Anreizes, eine Gewohnheit die ausgesprochen schwer zu brechen ist. Sobald wir uns daran gewöhnt haben, dass Kredite günstig und dass Geld immer irgendwie verfügbar ist, ist es wirklich schwer zur klassischen Disziplin zurückzukehren, dass Geld wertvoll ist und dass sparen Sinn macht und dass Projekte abgesagt werden müssen wegen Geldmangels.
Um unsere Wirtschaft wieder in Ordnung zu bringen, müssen wir der Verlockung ewig niedriger Zinssätze widerstehen, für immer. Für Dänemark beinhaltet dies auch die Verbindung zwischen der dänischen Krone und dem Euro zu kappen – eine Verbindung, die uns mehr schadet als nützt. Denn in der Eurozone ist das Drucken von Geld gefährlich außer Kontrolle geraten, und das wird an bestimmten Punkten zu dramatischen Inflationsraten führen. Inflation bedeutet eine reine Verachtung des Normalen, hart arbeitende Bürger die gezwungen sind mit anzusehen, wie ihre Gehälter und Sparguthaben schwinden, während ein paar Reiche davon profitieren. Hohe Zinssätze sind einer hohen Inflationsrate vorzuziehen.
Eine Rückkehr zu vernünftigen Zinssätzen müsste allmählich stattfinden, so dass die Vielen, die überhöhte Schulden haben, eine faire Chance bekommen sich anzupassen. Aber das muss bedingungslos und furchtlos stattfinden, nicht abgeschreckt von der Tatsache, dass schlechte Investitionen aufgedeckt und veräußert werden müssen. Indem man schlechte Investitionen vermeidet, wird der positive Nebeneffekt höherer Zinssätze erzielt, und man wird so sicher die Grundlage für eine wirklich sichere und lang anhaltende Erholung legen.
Solange es immer noch ein Bedürfnis gibt den Bürgern zu helfen, eine Rückkehr zu normalen Zinssätzen durchzuhalten, dann sind niedrigere Steuern und gekürzte öffentliche Ausgaben der richtige Weg.




