Hintergrund: Europa im Fadenkreuz des Terrors

Hunderte Tote, Tausende Verletzte - so könnte die Bilanz von geplanten terroristischen Anschlägen aussehen, hätten Polizei und Behörden nicht im letzten Moment zugeschlagen. Die europäische Landkarte der Beinahe-Katastrophen verdichtet sich zunehmend. Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 ist ganz Europa in das Visier islamistischer Terroristen geraten. Anschläge in Spanien und London haben bereits Hunderte getötet und Tausende verletzt. Sehr viel öfter konnten geplante Angriffe jedoch noch rechtzeitig abgewendet werden, die Listen vereitelter Anschläge werden in vielen Ländern immer länger. FTD-Online gibt einen Überblick

Deutschland

Dezember 2000: Islamisten planen in Deutschland einen Sprengstoffanschlag auf den Straßburger Weihnachtsmarkt. Sie bauen einen Schnellkochtopf zu einer Bombe um, die inmitten der Menschenmassen explodieren sollte. Knapp vor der Tat verhaftet die Polizei vier algerische Mitglieder der sogenannten Frankfurter Zelle. Im Jahr 2003 werden sie zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

April 2002: Die islamistische Gruppe Al-Tawhid plant Attentate auf jüdische Gaststätten und Einrichtungen in Berlin und Düsseldorf. Die Polizei vereitelt die Pläne und verhaftet mehrere Mitglieder der Gruppe. Auch sie müssen für mehrere Jahre ins Gefängnis.

November 2005: Im letzten Moment verhindert die deutsche Polizei einen Anschlag auf den irakischen Ministerpräsidenten Ijad Allawi, der sich auf einem zweitätigen Besuch in Deutschland befindet. Bei einer bundesweiten Razzia werden drei Iraker festgenommen, die im Verdacht stehen, der islamistischen Terror-Organisation Ansar Al Islam anzugehören.

November 2006: Mutmaßliche Terroristen versuchen über einen Mittelsmann Sprengstoff an Bord eines Verkehrsflugzeug zu schmuggeln. Sechs Personen werden rechtzeitig festgenommen.

August 2006: Dass Deutschland nur knapp einem verheerenden Anschlag entgeht, geht diesmal nicht auf das Konto der Behörden. In Dortmund und Koblenz werden zwei Kofferbomben in Nahverkehrszügen gefunden. Nur wegen handwerklicher Fehler explodieren die Bomben nicht. Zwei Tatverdächtige werden auf Grund von Aufnahmen einer Überwachungskamera schnell gefasst.

Großbritannien

Dezember 2001: Der Brite Richard Reid wird von Passagieren und Besatzungsmitgliedern einer Maschine der American Airlines auf dem Weg nach Miami überwältigt. Er hatte versucht, in seinem Schuh versteckten Sprengstoff zu zünden.

Januar 2003: Nach einer Razzia in London erklärt die Polizei, sie habe einen Terroranschlag mit dem Gift Rizin vereitelt.

März 2004: Die Polizei nimmt in Südengland mehrere Männer fest. Sie sollen Anschläge auf die Stromversorgung, Pubs, Nachtclubs und Züge geplant haben.

Dezember 2004: Die britische Polizei hat in London nach eigenen Angaben einen Terroranschlag wie am 11. März in Madrid vereitelt. Bei den Anschlägen von Madrid waren 191 Menschen getötet und über 1500 verletzt worden. Laut der Zeitung "Sunday Times" soll es sich um ein Attentat auf die Londoner U-Bahn mit dem Giftgas Zyanid gehandelt haben. Die britische Regierung hatte den Bericht, dass das geplante Attentat mit Gas durchgeführt werden sollte, als "Spekulation" zurückgewiesen.

August 2006: Knapp ein Jahr nach den Sprengstoffanschlägen auf Londoner U-Bahnen und Busse mit 52 Toten vereiteln britische Sicherheitskräfte nach eigenen Angaben einen der größten Anschläge seit dem 11. September. Scotland Yard sprach von Plänen für einen "Massenmord von unvorstellbarem Ausmaß". Selbstmordattentäter planten, mehrere Flugzeuge auf dem Weg von Großbritannien zu US-Flughäfen über dem Atlantik mittels Flüssigsprengstoff zu sprengen. Die britische Polizei nahm 24 Verdächtige fest. In Folge des Anti-Terror-Einsatzes mussten mehrere hundert internationale Flüge von oder nach Großbritannien gestrichen werden. Allein im Vereinigten Königreich waren rund 400.000 Menschen von dem Chaos betroffen.

Juni 2007: Ein Auto rast in den Haupteingang des Flughafenterminals von Glasgow und geht in Flammen auf. Sechs Menschen werden verletzt, darunter ein Verdächtiger. Die Ermittler gehen von Verbindungen der Attentäter zu Al-Kaida aus. Bereits vor dem Anschlag entschärfte die Polizei mehrere Sprengsätze. Ein Auto war vor einem Nachtklub in der Straße Haymarket nahe dem Piccadilly Circus geparkt und randvoll mit Gasflaschen, Benzin und Nägeln gefüllt. Wenige Stunden später entdeckt die Polizei zwei weitere verdächtige Autos und riegelte die Park Lane sowie die Fleet Street im Zentrum Londons ab. Am Abend findet sie auch in einem dieser Autos einen Sprengsatz. Die Polizei spricht von einem verhinderten "Massaker".

Dänemark

Oktober 2005: Zwei größere Gruppen junger Männer aus islamistischen Kreisen werden jeweils im Oktober 2005 sowie September 2006 festgenommen. Im ersten Fall wird ein Mann zu sieben Jahren Haft wegen Vorbereitung eines Sprengstoffanschlages verurteilt. Gegen vier 2006 festgenommene Männer wird vor einem Kopenhagener Gericht wegen desselben Vergehens verhandelt. Dänemark war an der Seite der USA am Feldzug im Irak beteiligt und zog seine Soldaten erst im Sommer zurück. Zudem löste die Publikation von Mohammed-Karikaturen durch die dänische Zeitung "Jyllands-Posten" vor knapp zwei Jahren Krawalle, Proteste und Boykotte gegen Dänemark aus, die bis heute nachwirken.

September 2007: Der dänische polizeiliche Nachrichtendienst nimmt acht Personen wegen Terrorverdachts fest. Die Sicherheitskräfte führten Hausdurchsuchungen in elf Lokalitäten im Großraum Kopenhagen durch. Die Bewohner eines Hauses im Nordwest-Quartier werden evakuiert, da die Sicherheitspolizei dort ungesicherten Sprengstoff vermutete. An den Razzien ist auch die Einsatzgruppe Chemische Bereitschaft der Armee beteiligt. Die Verhafteten sind zwischen 19 und 29 Jahre alt und afghanischer, pakistanischer, türkischer und somalischer Herkunft. Der Geheimdienst habe während einiger Monate gegen die nun Festgenommenen ermittelt. Diese verfügten über internationale Verbindungen und hätten Kontakt zu führenden Mitgliedern des Terrornetzes Kaida.

Spanien

April 2004: Nach den verheerenden Anschlägen im März 2004, bei dem mehrere Bomben in Nahverkehrszügen explodierten, 191 Menschen getötet sowie rund 1800 verletzt werden, wird in Spanien ein neuer Terroranschlag auf einen Zug verhindert. An einer Schnellzugstrecke zwischen Madrid und Sevilla wird eine Bombe entdeckt und entschärft. Der Sprengstoff soll von der Marke gewesen sein, die auch die Attentäter bei den Anschlägen zuvor verwendet hatten. Der Sprengsatz ist mit einem Zünder und einem 136 Meter langen Kabel versehen. Allerdings ist noch kein Auslöser angebracht gewesen. Dies deutet darauf hin, dass die Terroristen die Sicherheitskräfte gehört oder gesehen hatten und in letzter Minute geflohen sind.

Oktober 2004: Rund sieben Monate nach den Terroranschlägen von Madrid sind in Spanien acht mutmaßliche Terroristen festgenommen worden, die einen Bombenanschlag auf das Oberste Gericht geplant haben sollen.

Tschechien

Oktober 2006: Prager Zeitungen berichten unter Berufung auf geheimdienstnahe Kreise von vereitelten Anschlägen in der tschechischen Hauptstadt. Anschlagsziel soll die etwa 100 Jahre alte Jeruzalemska-Synagoge in der Altstadt gewesen sein. Tschechiens Regierung ist nicht bereit, Angaben über den vereitelten Anschlag zu machen. Innenminister Ivan Langer betont jedoch, dass sich "die tschechische Republik erstmals der Gefahr eines solchen terroristischen Aktes ausgesetzt sieht". Bis dahin hatte es keine Anschläge islamistischer Terroristen in Tschechien gegeben. Prag hat Soldaten in Afghanistan stationiert, und im Irak unterstützt Tschechien die irakische Polizei.

Norwegen

Oktober 2006: Ein Gericht in Oslo erlässt Haftbefehle gegen drei Männer wegen des Verdachts auf Vorbereitung von Terroranschlägen. Sie sollen Anschläge auf die israelische und die US-Botschaft in Oslo geplant haben.

Italien

April 2006: Die italienischen Behörden haben nach den Worten von Innenminister Giuseppe Pisanu einen geplanten Terroranschlag verhindert, der sich entweder gegen die Mailänder U-Bahn oder gegen eine Kirche in Bologna richten sollte, die für eine Darstellung des Propheten Mohammed in der Hölle bekannt ist. Insgesamt sind sechs Personen im Zusammenhang mit dem geplanten Anschlag festgenommen worden.

Niederlande

Oktober 2005: Bei Razzien in drei Städten nimmt die niederländische Polizei sieben Terrorverdächtige fest. Einer der Hauptverdächtigen soll versucht haben, automatische Waffen und Sprengstoff zu kaufen. Ziel waren vermutlich Anschläge auf Politiker und das Parlament. Der 19-Jährige war erst Anfang des Jahres in einem Terrorprozess freigesprochen worden. Die Razzien fanden in Den Haag, Amsterdam und Almere statt. Als Vorsichtsmaßnahme verschärft die Behörde zur Terrorismusabwehr die Sicherheitsvorkehrungen an den Ministerien für Justiz und Inneres, dem Geheimdienst und anderen Regierungsgebäuden. Knapp ein Jahr zuvor wurde der niederländische Filmregisseur, Publizist und Satiriker Theo van Gogh von dem islamischen Fanatiker Mohammed Bouyeri ermordet.

Frankreich

Dezember 2002: Die Pariser Polizei vereitelt vermutlich einen Chemieanschlag muslimischer Extremisten. Im Pariser Vorort La Courneuve werden drei Männer festgenommen. In der Wohnung der zwei Algerier und eines Franko-Marokkaners werden Chemikalien, islamistische Dokumente und 5000 $ in bar beschlagnahmt. Die Ermittler kommen zu dem Schluss, dass das Trio einen chemischen oder bakteriologischen Terroranschlag zu Weihnachten in Paris vorbereitet habe. Laut der Zeitung "Le Parisien" hatte einer der beiden Algerier Verbindung zu einem Islamisten, der sich wegen eines möglichen Gasanschlags auf die Londoner U-Bahn vor der britischen Justiz verantworten muss.

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