• Trifkovic: 9/11, Zehn Jahre später: Der totale Erfolg des Islams

EuropeNews 14 September 2011
Original: 9-11, Ten Years Later: Islam’s Unmitigated Success
Chronicles Magazine; Von Srdja Trifkovic
Übersetzung von Liz/EuropeNews

Am morgen des 11. September 2001 dachte ich, die Muslime hätten einen groben Fehler begangen. Zuerst dachte ich, dass sie sich ein Eigentor geschossen hätten:

Dies war genau die Art von Dingen, die die westliche Welt aufrütteln würde, aufrütteln, hinsichtlich der islamischen demographischen Überflutung – ein Prozess der in vollem Gange ist seit gut zwei Jahrzehnten vor 2001 – die nun einer lange überfälligen kritischen Untersuchung unterzogen werden würde, auf die die Politiker nun eine Antwort finden müssten. Ich hoffte, dass das Endresultat eine Art prägendes, lebensänderndes Erwachen sein würde, insbesondere im Fall von Westeuropa, um ein weiteres Abrutschen in die Selbstzerstörung zu vermeiden.

Diese schöne Illusion dauerte genau 48 Stunden lang. Sie verschwand in dem Moment als ich Präsident George W. Bush später in der selben Woche sah, wie er in die Moschee in Washington D.C. ging, seine Schuhe pflichtbewusst auszog bevor er erklärte, dass der Islam die Religion des Friedens und der Toleranz sei, dass die Attentäter von 9/11 den Islam nicht richtig verstanden hätten und die Botschaft des Propheten verfälschen würden. Als ich zusätzlich noch identisch klingende Kommentare in den Zeitungen Le Monde, The Guardian, Corriere della Sera, The Independent oder der Frankfurter Allgemeinen Zeitung las, war mir klar, dass die westliche Elite im Jahr 2001 nicht anders reagieren würde als in den Jahren 1937 und 1981, als sie genau dies schon einmal getan hatten.

Warum gerade diese Jahre? Nun, im Jahr 1937 waren die Moskauer Prozesse auf ihrem Höhepunkt. Der Prozess gegen die Genossen Kamenev, Zinoviev und andere folgten von jene gegen Marschall Tuchatschewski und einen Gastgeber der anderen Rote Armee Offiziere. Es waren einige der ungeheuerlichsten Missbräuche eines quasi-rechtsstaatlichen Prozesses, die es jemals in der Geschichte gegeben hat. Und dennoch, gerade als die Gulag Maschinerie in den höchsten Gang schalten wollte, erreichten die Apologeten Stalins in der westlichen Welt eine hysterische Tonlage. Wenn man Arthur Koestlers "Sonnenfinsternis" liest, oder – am anderen Ende der moralischen Skala – Walter Durantys "New York Times Dispatches from Moscow" dann wissen Sie wovon ich rede. Die Lügen, die Unfähigkeit oder der Unwillen die Wahrheit über das zu sagen was gerade in Moskau im Jahr 1937 vorging war das sichere Zeichen eines seltsamen Phänomens. Je mörderischer, je abscheulicher das antimenschliche kommunistische Verhalten wurde, umso bestimmter kam die westliche elitäre Klasse zu dessen Verteidigung, wie man dies auch danach bei Mao, Tito, Vhe und Ho beobachten konnte.

Schnell weiter gegangen zum Jahr 1987 als die AIDS Epidemie als solche erkannt wurde. Ihre direkte Verbindung zu promiskuitiver Homosexualität wurde schnell hergestellt und bleibt unbestritten. Sieh an, in genau diesem Moment entdeckten plötzlich die Enkel und Enkelinnen von Walter Duranty & Co. dass der schwule Lebensstil einer der wertvollsten Beiträge zu unserer multikulturellen Zivilisation sei, des Lobes und der Nachahmung wert. Jeder Versuch diesen speziellen "Lebensstil" und seine Eigenheiten – wie zum Beispiel hunderte von Partnern, denen man zufällig begegnet – mit der grausame Ernte des Todes in Verbindung zu bringen wurde verboten. Im Gegensatz zu den Erkenntnissen wurde behauptet, dass AIDS jedem von uns jederzeit passieren könnte. Es wurde zum metaphysischen Bösen ohne Verbindung zu einer besonderen Art des menschlichen Verhaltens, so wie der "Terrorismus" zu dem wurde, was zwei Jahrzehnte später passierte.

Die Nachwirkungen von 9/11 beweisen, dass der Geist Tod und Verderbtheit zu huldigen lebendig und in der gesamten westlichen Welt verbreitet ist. Was an diesem Tag geschah entfesselte eine überraschende und massive Welle offiziell sanktionierter Islamophilie, ähnlich der Sowjetophilie der Eliteklasse am Höhepunkt der Säuberungsaktionen und der Sodomophilie während der AIDS Epidemie. Schnell stellte sich heraus, dass die Muslime, weit entfernt davon es vermasselt zu haben, einen einmaligen Coup gelandet hatten mit 9/11. Sie testeten auf effektive Art und Weise die Grenzen der "Toleranz" der westlichen Eliteklasse in einer gänzlich neuen Größenordnung – und sie fanden heraus, dass es keine Grenzen gab! Für die Muslime wurde es offensichtlich, dass je ungeheuerlicher man ist in seinen festgestellten Absichten – und niemand ist jemals offener gewesen in dieser Hinsicht als der Gründer des Islams, sowohl in seinen angeblichen Offenbarungen und in den Hadith – umso bestimmter werden die westlichen Mitreisenden sein, ihren Untertanen zu versichern, dass die muslimischen Absichten überhaupt nicht so sind.

Die geopolitische Ernte der Djihadisten ist reich und lohnend gewesen. Der größte Preis davon war die Türkei. Nicht nur, dass es die bevölkerungsreichste der angeblich säkularisierten muslimischen Gemeinschaften war, sondern sie war auch einmal von radikalen Reformer regiert worden, die äußerst entschlossen waren mit dem islamischen Gedankengut und der Tradition zu brechen und die Türkei in einen modernen europäischen Nationalstaat zu verwandeln.

Aber schon früh in den 1990er Jahren versuchte der verstorbene Turgut Özal, zuerst als Premierminister und später als Präsident dieses Erbe umzukehren. Er legte den Grundstein für den Erfolg in diesem Unternehmen durch die AKP, die Gerechtigkeits- und Fortschrittspartei ein Jahrzehnt zuvor. Die AKP kam im Februar 2002 an die Macht und seit den vergangenen neun Jahren hat Premierminister Erdogan eine Reihe von Erfolgen erzielt. Der erste war eine Entscheidung im Jahr 2003 die Vereinigten Staaten nicht beim Krieg gegen den Irak zu unterstützen, den amerikanischen Truppen nicht zu erlauben, die östliche Türkei zu durchqueren um die Westfront zu eröffnen und dennoch wurden sie von dem damaligen stellvertretenden Verteidigungsminister Paul Wolfowitz im Verlauf seiner anschließenden Reise nach Ankara gelobt und als "wichtiger Partner" gefeiert. Das grundlegende Ziel der AKP war es die Verfassung der Türkei zu ändern und die türkische Armee als den sanktionierten Wächter des Säkularismus zu neutralisieren, was sie vor einem Jahr in einem bühnenreifen Referendum schafften. Und dennoch wurde den Drahtziehern dieses Projekts von Präsident Obama und der Europäischen Union gratuliert für diesen gewaltigen Schritt hin zur Demokratie. In den vergangenen Monaten hat das AKP Regime einige zweihundert hochrangige türkische Armeeangehörige festgenommen. Sowohl aktive, im Dienst befindliche als auch im Ruhestand befindliche, als Teil der Operation Sledgehammer – eine Monströsität auf gleicher Ebene wie 1937 die stalinistischen Prozesse von Moskau, von denen in der westlichen Presse immer noch nicht berichtet wird.

Die Bedeutung der türkischen Metamorphose vom Kemalismus, über den Postkemalismus zum Antikemalismus ist nicht übertrieben. Die Türkei ist heute eine regionale Macht aus eigener Kraft und sie betreibt eine neo-osmanische Strategie mit drei Hauptschwerpunkten. Einer ist der Balkan, einer das ehemalige sowjetische Zentralasien und der Kaukasus und eines ist der arabische Nahe Osten. In allen diesen drei Regionen führt die Türkei eine völlig autonome Politik aus. Diese Politik besteht vor allem darin, jeder noch so kleinen lokalen djihadistischen Bewegung zu helfen, so wie in Bosnien-Herzegowina der SDA (Partei der demokratischen Aktion), die heute von Bakit Izetbegovich geführt wird, dem Sohn des verstorbenen Autoren der berüchtigten Islamischen Erklärung, Alija Izetbegovich. Die Türkei unterstützt in vollem Umfang den radikalen Führer der zwei Millionen bosnischen Muslime, Mustafa Ceric und seine Gegenstücke in der Sanjak Region des nordwestlichen Serbiens und im Kosovo. Es ist eher die Türkei als Saudi Arabien, die die islamische Wiederauferstehung der pomakischen Gemeinschaft in Bulgarien unterstützt.

Im Nahen Osten haben die Türken auf der arabischen Straße an Popularität hinzugewonnen, indem sie systematisch und öffentlich ihre engen Beziehungen zu Israel zerstört haben. Dies taten sie ohne auch nur einen einzigen Ton des Protestes aus den Vereinigten Staaten zu hören, was die Grenzen der Freunde Israels innerhalb des Beltway anzeigt und was sie zu tun vermögen. Sie sind bemerkenswerterweise uneffektiv wenn man die "notwendige Brücke zwischen dem Osten und dem Westen" kritisiert, hier wackelt der Schwanz mit dem Hund. Und direkt gegenüber dem ehemaligen sowjetischen Zentralasien führen die Türken die Moskauer hinters Licht indem sie vorgeben die moderate Barriere zum extremistischen wahabitischen Einfluss zu sein, der aus der arabischen Welt herausschwappt. Gleichzeitig haben die Türken eine besondere Beziehung zu Aserbaidschan, Turkmenistan, Kasachstan usw. aufgebaut.

Das außergewöhnlich fähige Team von Premierminister Erdogan, Präsident Gül und Außenminister Davutoglu hat den Prozess der türkischen Re-Islamisierung zu einem Punkt ohne Wiederkehr vorangetrieben. Der Armee ist es nicht mehr länger möglich über einen Putsch nachzudenken, ganz zu schweigen einen durchzuführen. Die Mittelklasse der westlich orientierten Türken, die einst das Rückgrat der kemalistischen Ordnung waren, fühlen sich wie die Juden in Berlin in den letzten Tagen der Weimarer Republik (ein amerikanischer Journalist, der in der Türkei lebt, drückte es mir gegenüber im letzten Januar in Istanbul so aus). Sie sehen die Zeichen an der Wand aber sie sind gelähmt vor Furcht und können nichts tun um den Ausgang der Ereignisse zu beeinflussen.

Das zweitwertvollste Juwel in der Krone des islamischen geopolitischen Fortschritts nach dem 9/11 liegt erst kürzer zurück: Ägypten. Man muss nicht mehr länger detailliert besprechen warum die Muslimbruderschaft die ultimative Nutznießerin dessen sein wird, was aus dem geworden ist, was in den letzten acht oder neun Monaten entstanden ist. Der Hinweis möge genügen, dass die Bruderschaft sich ihrer Macht so sicher ist, dass sie nur in der Hälfte aller Walbezirke antritt. Sie will nicht von Anfang an zu erfolgreich sein, um so nicht über Gebühr die Armee wachzurütteln, die immer noch eine Reihe von Nationalisten/Säkularisten in ihren höheren Rängen hat. Die Bruderschaft hat ein stillschweigendes Abkommen mit dem Militär, nach dem die Armee den Übergang nach politischer Lesart führt während der Bruderschaft auf kulturellem Gebiet und im Bildungssektor still und leise die Oberhand gegeben wird. Wir können mit großer Sicherheit erwarten, dass die Islamische Republik Ägypten in den nächsten drei bis fünf Jahren entstehen wird.

Warum tun die Vereinigten Staaten so als ob es ein großer und ruhmreicher Sieg der Demokratie gewesen sei? Auf den ersten Blick macht dies keinen Sinn. Jeder nüchterne Analyst der politischen Szene Ägyptens hätte Mubaraks kurzes Experiment mit der Demokratie als erstes betrachtet. Im Dezember 2005 erlaubte er der Bruderschaft sich für einen Viertel der Sitze zu bewerben, und sie räumten alles ab, überall, und bewiesen so auf ein Neues, dass "Demokratie" in der muslimischen Welt nichts anderes bedeutet als Islamisierung, oder um genau zu sein, Re-Islamisierung, wie im Falle der Türkei. Und doch bleibt Washington enthusiastisch. Das signifikanteste Ergebnis aus dem Irakkrieg ist, dass es für die Ayatollahs mit engen Verbindungen zum Iran zu einer sicheren Sache wurde. Sobald der letzte Soldat der "Koalition" Afghanistan verlassen hat, wird es zurückkehren auf seinen Weg a lá Hobbes oder aber in eine talibanartige islamische Diktatur

Eine mögliche Antwort hinsichtlich der amerikanischen Motive mag grob gesagt die folgende sein. Die Freunde Israels entwickeln eine langfristige machiavellische List: Sie begrüßen es, dass diese ehemaligen säkularistischen muslimischen Staaten zurückkehren auf ihren djihadistischen Weg, so dass unser unsinkbarer Flugzeugträger so viel wertvoller und unverzichtbarer als einzig möglicher Alliierter in der Region erscheint. Die Muslime sind geradezu unmöglich, wir haben ihre Demokratisierung unterstützt – und jetzt das! Die djihadistischen Veteranen von Benghazi haben Ghaddafi ersetzt, dasselbe ist in Tunesien passiert und nun helfen wir ihnen Bahsar al-Assad in Syrien zu stürzen...

Es ist absolut möglich dass dies im weiteren Sinne die Agenda einiger Elemente der Machtstrukturen innerhalb des Beltway sind. Auf der anderen Seite, innerhalb dieser Struktur gibt es immer noch viele Menschen die glauben, dass all jene englischsprechenden, twitternden Yuppies von Tharir Platz, die im letzten Februar laut protestierten, die Oberhand in Kairo gewinnen werden und dass der arabische Frühling einen Triumph nach dem anderen feiert – aber natürlich nicht für Saudi-Arabien, nicht für den Bahrain, nicht für die Emirate, denn unsere Freunde dort haben uns gewarnt, dass die Dinge aus der Hand gleiten können und dass wir mit einer ziemlich bösartigen shiitischen Diktatur enden könnten.

Die Nachwirkungen von 9/11 haben nicht nur die geopolitische Kurzsichtigkeit der westlichen Eliteklasse offenbart. Darüber hinaus hat es das Ausmaß ihres Selbsthasses aufgedeckt. Dieser geht weit über seine Unfähigkeit die Bürger des Westens zu schützen hinaus. Es reflektiert ein pathologisches Bedürfnis die Feinde der traditionellen europäischen Staaten und dessen was man das "amerikanische Volk" nennt, in die Lage zu versetzen, um einen physischen, kulturellen und politischen Fuß in die Tür jener Länder zu bekommen. Die Eliteklasse hat diesen Prozess bei jedem Schritt auf diesem Weg erleichtert bis hin zu dem Punkt an dem es nicht mehr länger möglich ist eine bedeutungsvolle Debatte über den Charakter des Islams in der Europäischen Union oder in Kanada zu führen. Die effektive Kriminalisierung der wichtigen Debatte hat einen Punkt erreicht, an dem einen das bloße Zitieren von islamischen Quellen in Schwierigkeiten bringen kann, wenn die Hüter des multikulturellen Grals festlegen, dass man es mit feindlichen Absichten getan hat.

Was 9/11 für die muslimische Welt getan hat ist von beinahe unschätzbarem Wert gewesen. Es hat den Willen des Westens ausgetestet und man hat ihn daran gewöhnt. Es gibt keinen Grund mehr für weitere terroristische Aktionen, und wenn sie passieren, dann werden es einige isolierte Einzeltäter sein, außerhalb der "Gemeinschaft". Angriffe größeren Ausmasses sind nicht mehr länger nötig. Dieser Punkt wurde gesetzt. Was die Muslime wissen müssen ist nur noch, dass man auf der langen Straße von Gramsci entlangwandeln muss, die das Dar-al-Harb in ein das Dar-al-Islam verwandelt. Der Wechsel ist im Gange und er ist statistisch vorhersehbar. In Großbritannien ist die Netto Immigration größer als je zuvor, und viel von ihnen sind Muslime vom [indischen] Subkontinent, dem Nahen Osten und Afrika. In der gegenwärtigen Form wird die Strategie von Riad und Ankara weiterhin Dividenden auszahlen, denn es gibt nichts was die demografische Transformation von Europa insbesondere, ändern würde. Am Ende dieses Jahrhunderts werden einige der älteren Nationen nicht mehr länger in der Lage sein, den Prozess umzukehren und es wird keinen politischen Willen geben um diesen Versuch zu machen.

Was kann uns retten? Ein Wunder! Oder aber, wie ich vor acht Jahren auf der Versammlung des Joh Randolph Clubs in New Orleans sagte, was uns retten kann ist eine jähe, drastische ökonomische Krise, die jegliche Legitimität von der regierenden Elite entfernen würde und jede Glaubwürdigkeit in sie die Krise zu managen. Zur Zeit schauen die Menschen eher auf ihre Regierungen und fragen nach Lösungen, als dass sie sie als Teil des Problems erkennen.

Was uns helfen kann ist die Tatsache, dass die Muslime nicht dazu in der Lage sind kreativ zu denken und eine harmonische und erfolgreiche Politik aufzubauen. Wenn es eine verspätete Erholung des Westens gibt als Folge eines weltweiten ökonomischen Zusammenbruchs, und wenn die muslimische Welt daraufhin sich selbst überlassen wird, dann wird das Endresultat die Wiederentdeckung von Bedeutung und Glauben im Westen sein – und wieder ein neuer Kreis des Niedergangs in eine moralische Verderbtheit, intellektuelle Hinfälligkeit und materielle Armut in der muslimischen Welt.