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Der Herr der Moscheen: Ibrahim El-Zayat verwaltet mehr als 600 Moscheen in Europa
Kölner Stadt-Anzeiger 20 Dezember 2007
Von Helmut Frangenberg / Detlef Schmalenberg
Er habe über den 9. November gepredigt, sagt Ibrahim El-Zayat. Über die Reichspogromnacht des Jahres 1938 und über die Maueröffnung von 1989. Darüber, wie schmerzlich das eine, wie zukunftsweisend und befreiend das andere Ereignis „auch für unser Land“ gewesen sei. Seine Ansprache beim Freitagsgebet hat der 39-Jährige in der Niehler Mevlana-Moschee der „Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs“ auf Deutsch gehalten.
„Das kommt nicht bei allen meiner Glaubensbrüdern an“, sagt er anschließend und streicht sich durch die leicht ergrauten schwarzen Locken. „Wir müssen begreifen, dass wir uns nicht abschotten dürfen, dass wir dazugehören müssen in dem Land, in dem einige von uns bereits in dritter Generation leben.“
Spricht so ein gefährlicher Islamist, als den die deutschen Sicherheitsbehörden El-Zayat beschreiben? Ein Feind der deutschen Demokratie, der vom Verfassungsschutz beobachtet werden muss?
Die Aufregung jedenfalls war groß, als El-Zayat im Frühjahr ungebeten am Tisch der Islamkonferenz der Bundesregierung Platz nahm, um über Integration und die Gleichberechtigung der Religionen in der Bundesrepublik mitzuverhandeln. „Rauswerfen“ hätte man ihn müssen, zürnte Kristina Köhler, die Islamexpertin der CDU. Der in Marburg geborene Sohn eines Ägypters und einer Deutschen stehe für eine Ideologie, „die die absolute Geltung des Grundgesetzes nicht akzeptiert“.
Verfassungsschutzberichte verweisen auf die Verbindung der „Islamischen Gemeinschaft in Deutschland“ (IGD), deren Vorsitzender El-Zayat ist, zur Muslimbruderschaft (siehe Info-Kasten), die wiederum Teil eines Netzes von islamistisch-extremistischen Gruppierungen sei.
(...) Es verwundert nicht, dass er auch als derjenige gilt, der im Hintergrund die Fäden im deutschen „Koordinierungsrat der Muslime“ zieht. Dass er der Archi tekt dieses fragilen Gebildes sein soll, ein Zusammenschluss von Partnern, die sich nicht mögen - und die nun als Interessenvertretung al ler Muslime in Deutschland aner kannt werden wollen. El-Zayat, so heißt es, moderiert und vermittelt hinter den Kulissen, bestimmt, wo es lang geht, und soll nach den Sit zungen die Protokolle schreiben.
Seine Machtzentrale ist ein Büro an der Merheimer Straße in Köln-Nippes auf dem Gelände von „Milli Görüs“ - der großen Organisation, der der Verfassungsschutz noch deutlich mehr Seiten in seinen Berichten einräumt als El-Zayats IGD...
(...) Als Generalbevollmächtigter der „Europäischen Moscheebau- und Unterstützungsgesellschaft“ verwaltet El-Zayat mehr als 600 Moscheen in Europa. Mit seiner Firma „Spezial-Liegenschafts-Management“ bietet er sich als Projektentwickler und Berater an.
Zurzeit helfe er bei 50 Neu- und Umbauten von Moscheen. El-Zayat hat das Immobilienmanagement wie auch Versicherungsangebote für Moscheeträger als Marktlücke entdeckt.
Mindestens so lukrativ ist die Beratung arabischer Investoren, die nach Expertenschätzungen in den nächsten acht Jahren weltweit bis zu 2,8 Billionen Dollar anlegen werden ...
(...) El-Zayat sitze „wie eine Spinne im Netz“ zahlreicher Organisationen, sagt Hartwig Möller, Präsident des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzes. Für deutsche Sicherheitsbehörden seien seine Aktivitäten insbesondere deshalb so brisant, weil in seinem Firmengeflecht „islamistische Bestrebungen mit massiven Wirtschaftstätigkeiten verbunden werden“...
(...) CDU-Politikerin Köhler meint: „Inzwischen haben wir es mit Medienprofis zu tun, die in der Öffentlichkeit ihre radikalen Ansichten geschickt verbergen.“
El-Zayat versucht jeden Anschein zu vermeiden, etwas verheimlichen zu wollen. Dazu passt, dass er offen mit dem Vorwurf der Verfassungsschützer umgeht, die Beziehungen der IGD reichten bis „zu einer islamischen Hilfsorganisation, die im Verdacht steht, heimlich den islamistischen Terrorismus zu unterstützen. .Es habe IGD-Mitglieder gegeben, die auch zum Aachener „Al Aqsa“-Verein gehörten.
Dieser wurde imAugust 2002verboten, weil er Spenden für die „Hamas“ gesammelt hatte. Die Doppelmitglieder von damals seien schon seit dem Jahr 2001 nicht mehr in der IGD. Außerdem finde er es höchst fraglich, die „Hamas“, die von Millionen im Libanon oder in Palästina gewählt werde, als terroristische Organisation zu bezeichnen...
(...) Dass er häufig in der Schusslinie steht, scheint ihn kaum zu beeindrucken. Ägyptische Sicherheitsbehörden wollen dem deutschen Staatsbürger und 39 weiteren Angeklagten wegen „Operationen gegen die Sicherheit des Staates“ den Prozess machen. Eine Standardformulierung, die das Mubarak-Regime für vermeintliche politische Gegner wählt, die der im Lande verbotenen Muslimbruderschaft zugeordnet werden.
El-Zayat soll laut Medienberichten verdächtigt werden, in die finanziellen Transaktionen der radikalen Islamisten verwickelt zu sein. Das auch von „Amnesty International“ kritisierte Ägypten indes ist kein Rechtsstaat. Er habe „bisher noch nicht einmal eine Anklageschrift erhalten, in der steht, was ich überhaupt getan haben soll“, sagt El-Zayat. Unermüdlich versichert er, „jeglichen Terror“ zu verurteilen“...
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