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Ca. 20.000 Aleviten demonstrieren vor Kölner Dom gegen "Tatort"-Krimi
PRESSEMELDUNGEN 30 Dezember 2007
20.000 Aleviten demonstrieren in Köln gegen "Tatort"-Krimi / Akgün greift alevitische Verbände an / Tatort war Schleichwerbung für orthodoxen Islam / Steinmeier warnt vor religiösem Kulturkampf wegen Aleviten-«Tatort» / Kaum glaublich, was sich Ditib im Namen der Aleviten leistet / „Tatort“-Regisseurin„Strafanzeige wegen Volksverhetzung ein Hammer“ / ...
20.000 Aleviten demonstrieren in Köln gegen "Tatort"-Krimi
AFP 30 Dezember 2007
Köln (AFP) — Gegen den umstrittenen "Tatort"-Krimi der ARD haben in Köln etwa 20.000 Anhänger der islamischen Religionsgemeinschaft der Aleviten demonstriert. Unter dem Motto "Gegen die Verunglimpfung der Aleviten im öffentlich-rechtlichen Sender ARD" versammelten sich die Demonstranten zu einer Kundgebung in der Nähe des Kölner Doms.
Der Protest sei "absolut ruhig verlaufen", sagte ein Polizeisprecher. Grünen-Chefin Claudia Roth zeigte Verständnis für die Protestaktion. Der "Tatort" habe "ein Jahrhunderte altes Vorurteil gegen Aleviten bedient". Von der ARD könne mehr Sorgfalt erwartet werden.
Die Aleviten werfen der ARD vor, mit der Ausstrahlung der Tatort-Folge "Wem Ehre gebührt" am Sonntag vor Weihnachten Volksverhetzung betrieben zu haben. In der NDR-Produktion war es um Inzest in einer alevitischen Familie gegangen. Die Aleviten in Deutschland hatten darauf verwiesen, dass ihre Gemeinschaft mit Hilfe des Inzest-Vorwurfs seit Jahrhunderten diffamiert werde. Mit dem jüngsten "Tatort"-Krimi würden diese Vorurteile unterstützt. Der NDR-Programmdirektor Fernsehen, Wolfgang Herres, hatte betont, dass es nicht darum gegangen sei, religiöse Gefühle zu verletzen oder Vorurteile zu untermauern. (...)
15 000 Aleviten vorm Kölner Dom
Bild.de 30 Dezember 2007
Massendemo gegen den umstrittenen „Tatort“-Krimi „Wem Ehre gebührt“: Rund 15 000 Anhänger der alevitischen Glaubensgemeinschaft aus ganz Europa protestierten vor dem Kölner Dom unter dem Motto „Gegen die Verunglimpfung der Aleviten im öffentlich-rechtlichen Sender ARD“.
Mit Transparenten, Pfiffen und Buh-Rufen machten die Demonstranten ihrem Ärger Luft. Vor dem Kölner Dom kam es zu einer Massendemonstration der Aleviten gegen den „Tatort“ „Wem Ehre gebührt“. Die Mitglieder der Religionsgemeinschaft werfen der ARD Volksverhetzung vor
Der Generalsekretär der Alevitischen Gemeinde Deutschlands (AABF), Ali Toprak, sagte in seiner Rede. „Wir möchten ein Zeichen setzen für die Unantastbarkeit der Würde des Menschen.“
Toprak: Die Aleviten würden sich durch die NDR-„Tatort“-Folge in ihrem Selbstverständnis „tief getroffen und irritiert“ fühlen.
Der Tatort der Kölner Filmemacherin Angelina Maccarone (Buch und Regie) sei eine „falsch recherchierte und schlecht erzählte Geschichte“ (...)
Akgün greift alevitische Verbände an
Kölner Stadt-Anzeiger 30 Dezember 2007
Köln - Die Islambeauftragte der SPD, Lale Akgün, hat sich vor die Autorin des umstrittenen NDR-„Tatorts“ gestellt und die alevitischen Verbände in Deutschland scharf angegriffen. Deren Protest gegen die angeblich anti-alevitischen Tendenzen des Krimis sei „sehr gekünstelt und dick aufgetragen: ein Sturm im Wasserglas“, schreibt Akgün in einem Brief an die Regisseurin Angelina Maccarone.
Die Funktionäre nähmen den Krimi als „willkommenen Anlass, eine Werbebotschaft in eigener Sache heraus zu posaunen“. Wie beim „Karikaturenstreit“ werde erneut ein nichtiger Anlass werde von Interessengruppen dazu genutzt, „eigene egoistische Ziele zu verfolgen“. Ohne Not würden „Gräben zwischen Gruppen in unserer Gesellschaft aufgerissen“, beklagt Akgün.
Das organisierte Alevitentum wolle sich öffentlichkeitswirksam von den Sunniten abgrenzen, so Akgün weiter. Die Botschaft laute: „„Wir sind die Guten, ihr die Schlechten!“ Das widerspreche aber „völlig der alevitischen Philosophie von Toleranz und Menschenliebe“.
Mehr als 10 000 Aleviten demonstrieren gegen «Tatort»
Reutlinger General-Anzeiger (Abonnement) 30 Dezember 2007
Köln (dpa) - Mehr als 10 000 Mitglieder der alevitischen Glaubensgemeinschaft haben am Sonntag in Köln gegen den «Tatort»- Krimi «Wem Ehre gebührt» vom vergangenen Sonntag demonstriert. Mit dem Artikel 1 des Grundgesetzes "Die Würde des Menschen ist unantastbar ... " in den Händen protestieren in Berlin Aleviten.
(...) «Wir wollen wissen, wie die Regisseurin zu ihrer Geschichte kam, wie sie recherchiert hat», sagte ein Sprecher der Alevitischen Gemeinde Deutschlands (AABF) ...
Tatort war Schleichwerbung für orthodoxen Islam
WELT ONLINE 30 Dezember 2007
Der Streit um den Tatort-Krimi „Wem Ehre gebührt" eskaliert zu einem Kampf der Glaubensrichtungen. Die Aleviten werfen den Filmemachern vor, uralte Vorurteile wieder aufleben zu lassen. Der Tatort betreibe faktisch Schleichwerbung für einen orthodoxen Islam auf Kosten säkularer und liberaler Religionsgemeinschaften.
Die Schauspieler Maria Furtwängler (l.) als Charlotte Lindholm und Aylin Tezel als Selda Oezkan in einer Szene der NDR-"Tatort"-Folge "Wem Ehre gebuehrt". Die Sendung führte zu großer Aufregung bei den Aleviten...
(...) Die Alevitische Gemeinde Deutschland (AABF) hatte im Vorfeld angekündigt, mit allen friedlichen Mitteln gegen die Verleumdung und Verunglimpfung der Glaubensgemeinschaft zu protestieren. In dem Film „Wem Ehre gebührt“ vom 23. Dezember ging es um einen Inzest-Fall in einer alevitischen Familie. Darin wird die Schwester einer Schwangeren umgebracht, weil sie zur Aufklärung des Falls beitragen will. Die Aleviten werfen den Filmemachern vor, uralte Vorurteile wieder aufleben zu lassen und sogar zu bestätigen.
Schon seit Jahrhunderten kämpfen die Aleviten gegen Vorurteile aus der islamischen Welt, sie würden Inzest betreiben. Ein Ursprung dieser bösen Verleumdungen ist, dass Männer und Frauen gemeinsam den Gottesdienst feiern ...
Steinmeier warnt vor religiösem Kulturkampf wegen Aleviten-«Tatort»
PR-Inside.com (Pressemitteilung) 30 Dezember 2007
Vor neuen Demonstrationen von Aleviten gegen den NDR-«Tatort»-Film «Wem Ehre gebührt» vom vergangenen Sonntag warnt Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier (SPD) vor einem religiösen Kulturkampf. «Drehbuchautoren und Künstler müssen wissen: Gegenüber religiösen Gefühlen der Menschen, egal um welchen Glauben es sich handelt, sind Respekt, Umsicht
und Behutsamkeit geboten», sagte Steinmeier der Zeitung «Bild am Sonntag» laut Vorabbericht.
Der jetzt kritisierte Fernsehkrimi habe sich aber nicht allgemein mit den Aleviten beschäftigt, sondern mit einem Einzelfall. «Er darf kein Anlass für einen religiösen Kulturkampf sein», sagte Steinmeier.
Der stellvertretende SPD-Vorsitzende räumte ein, er habe die «Tatort»-Folge mit Maria Furtwängler in der Hauptrolle nicht gesehen. «Der Film hat vermutlich unabsichtlich ein Vorurteil genährt, das die alevitische Glaubensgemeinschaft seit sehr langer Zeit verfolgt», sagte er. (...)
Kaum glaublich, was sich Ditib im Namen der Aleviten leistet
Weltexpress 30 Dezember 2007
Frankfurt am Main (Weltexpress) „Nicht der Mörder, der Ermordete ist schuldig“, so kommen einem die Reaktionen von Ditib, der auf diesem Wege sich öffentlich bekannter machen will, vor. Dieser türkisch-islamische Verband, der ein bundesdeutscher Ableger des türkischen Religionsamtes ist, äußerte „Bestürzung über die Diffamierung der allevitischen Brüder und Schwestern in der Tatort-Folge ‚Wem Ehre gebührt’“, die am letzten Sonntag ausgestrahlt wurde. „Die Ditib fordert eine Entschuldigung bei unseren alevitischen Glaubensbrüdern und der gesamten muslimischen Gemeinschaft“ und fordert etwaige Wiederholungen von Anfang an zu unterbinden.
Nun mal halblang, Brüder und Schwestern. Wißt Ihr noch, um was es hier in diesem Krimi geht, der in Niedersachsen spielt und der im Vorspann extra als fiktiv gekennzeichnet wurde? Um Mord und Selbstmord zweier Schwestern, die vom Vater mißbraucht worden sind. Vom Vater, der diesmal ein Alevite ist. Na und? Sonst sind es deutsche Väter oder in den Schwedenkrimis schwedische Päderasten, in den finnischen russische Pädophile und so weiter und so fort. Es geht auch darum, daß sich abschließende Gesellschaften eine Binneklima von Angst und Schweigegebot schaffen, in denen sich mitmenschliche Untaten viel besser begehen lassen, weil die sich Abschließenden glauben, nach außen eine Einheit bilden zu müssen.
Und es geht um das Weggucken, das in Deutschland verheerende Ausmaße annimmt, in einem Deutschland, in dem ein hochprozentiger Anteil von Ausländern lebt, ehemaligen, längst Eingebürgerten oder weiterhin mit ausländischem Paß, in dem aber derzeit es deutsche Mütter sind, die Kinder verhungern lassen oder verdursten mit wegschauenden Vätern. Deutschland, wo auch Kinder von den deutschen Eltern zu Tode geprügelt werden – und die Nachbarn? Die schauen immer weg.
Dieser türkisch-islamische Verband Ditib hat sich drangehängt an Proteste deutscher Aleviten, die unmittelbar nach der Ausstrahlung des Krimis „Wem Ehre gebührt“ das Deutsche Fernsehen anklagten, mit diesem Krimi „Volksverhetzung“ zu betreiben. Konkret hat dies die Berliner Sektion im Auftrag des Dachverbandes der Aleviten AABF als Strafanzeige vollzogen. Organisiert sind massenhaft Protestschreiben eingegangen, es gab am 27. Dezember eine ‚spontane’ Demonstration von rund 300 Aleviten vor dem ARD-Hauptstadtstudio in Berlin und am morgigen Sonntag soll es ein Köln eine Großdemonstration geben, wozu 20 000 Aleviten erwartet werden.
Wogegen? Nein, leider nicht als Fanal, daß einzelne Väter nicht weiterhin ihre Töchter vergewaltigen und die Mütter dazu schweigen, sondern, daß dieser Tatort es wagte, einen solchen Vater als Aleviten darzustellen. Wo sind wir eigentlich gelandet? (...)
„Tatort“-Regisseurin
„Strafanzeige wegen Volksverhetzung ein Hammer“
Focus Online 30 Dezember 2007
Die Alevitische Gemeinde hat gegen die Regisseurin und Drehbuchautorin der „Tatort“-Folge Strafanzeige gestellt. Für Angelina Maccarone „ziemlich heftig“.
"Wem Ehre gebührt“ hieß die „Tatort“-Folge, die am 23. Dezember in der ARD lief. Ihre Regisseurin sieht sich seitdem zunehmender Kritik der Deutschen Alevitischen Gemeinde ausgesetzt. Grund: Angelina Maccarone ließ die „Tatort“-Kommissarin Maria Furtwängler im Milieu der Glaubensgemeinschaft in einem Fall von Inzest und Mord ermitteln – aus Sicht der Aleviten bediente die Autorin damit alte Vorurteile der Sunniten aus osmanischer Zeit.
„Ich wollte einfach einen individuellen Fall zeigen. In der Folge wird nie behauptet, dass die Tat religiös motiviert oder gerechtfertigt sei“, sagte Maccarone der „Süddeutschen Zeitung“ vom Samstag. „Im Gegenteil: Sowohl die Ehefrau als auch der Kommissar stehen als Aleviten fassungslos vor den Ereignissen. Das zeigt doch, dass es nicht als Brauchtum gesehen werden kann, dass ein Vater seine Tochter schwängert.“ Dass jetzt Strafanzeigen gestellt und Großdemonstrationen organisiert würden, „das erschüttert mich“. Die Strafanzeige der Aleviten wegen Volksverhetzung nannte Maccarone einen „ziemlichen Hammer“.
Die Regisseurin sagte weiter, sie habe den Eindruck, ein Grund für die Aufregung der Aleviten bestehe darin, endlich einmal mit einem alten Stigma aufräumen zu wollen – „und mein ´Tatort´ liefert dafür nun die Steilvorlage“. Das Thema Inzest und Aleviten sei offenbar ein uraltes Vorurteil aus dem Mittelalter. Sie betonte, sie stehe zu Gesprächen mit Vertretern des alevitischen Glaubens bereit. Sie bitte aber darum, „nicht alles an meiner Person oder am ´Tatort´ aufzuhängen“.





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