Koch fordert mehr Achtung vor deutschen Sitten

Spiegel Online 04 Januar 2008

Berlin. "Populismus", "überflüssig", "kontraproduktiv": SPD, Opposition und Experten lehnen Unionsvorschläge zur Verschärfung des Jugendstrafrechts mit drastischen Worten ab. Selbst CDU-Innenminister Schäuble äußerte Kritik. Hessens Ministerpräsident Koch legt aber beim Thema Ausländer sogar noch nach.

Erst Jugendgewalt, dann die Moral: Der hessische Ministerpräsident Roland Koch fährt seinen populistischen Wahlkampf auf Hochtouren. Seit Tagen macht er Stimmung für die Verschärfung des Jugendstrafrechts, heute appelliert er an Einheimische und Ausländer, mehr Respekt vor traditionellen Sitten und Werten zu zeigen.

Hessens Ministerpräsident Koch: "Sprache im Miteinander muss Deutsch sein"

In einem heute veröffentlichten Thesenpapier schreibt Koch, in Wohnvierteln mit hohem Zuwandereranteil müsse es "klare Spielregeln" geben: "Das Schlachten in der Wohnküche oder in unserem Land ungewohnte Vorstellungen zur Müllentsorgung gehören nicht zu unserer Hausordnung."

Deutsche Sitten und Gebräuche dürften nicht einfach über Bord geworfen werden, betonte Koch: "Die Sprache im Miteinander muss Deutsch sein." Die Deutschen würden die Zuwanderer mit offenen Armen aufnehmen, Integration von Ausländern könne aber nur funktionieren, wenn es klare Regeln für das Zusammenleben gebe. Wer derartige Spielregeln verletze, müsse mit Konsequenzen rechnen.

Koch forderte auch von den Deutschen eine Rückbesinnung auf traditionelle Werte wie Anstand, Disziplin, Fleiß, Ordnung und Pflichtgefühl. Der wachsende Anteil älterer Menschen in der Gesellschaft erfordere zudem ein Mehr an Rücksichtnahme: "Die Achtung vor dem Alter muss eine gelebte Tugend sein." Dazu gehöre es, älteren Menschen im Bus den Platz anzubieten oder ihnen beim Tragen der Einkaufstasche zu helfen.

Thema für den Wahlkampf geeignet?

Koch muss am 27. Januar in Hessen eine knappe absolute Mehrheit verteidigen. Alle Umfragen deuten derzeit auf schwere Verluste für die CDU hin. In den vergangenen Wochen hatte (...)

 
 

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