Jemen: Christ von Terroristen erschossen

Factum Magazin 20 März 2012

Im Jemen ist ein US-amerikanischer Christ auf offener Strass erschossen worden. Islamische Terroristen bekannten sich zu dem Anschlag. – Der 30 Jahre alte Sprachlehrer Joel Shrum fuhr am 18. März in der Stadt Tais, etwa 200 Kilometer südlich der Hauptstadt Sanaa, mit dem Auto zur Arbeit, als in Uniformen gekleidete Motorradfahrer das Feuer auf ihn eröffneten.

Die mit dem Terrornetzwerk in Verbindung stehende Gruppe Ansar al-Scharia erklärte, das Attentat richte sich gegen eine "Evangelisierungskampagne" des Westens.

Das Internationale Ausbildungs- und Entwicklungszentrum, an dem Shrum seit 2010 tätig war, wies alle Missionierungsvorwürfe zurück. An dem Zentrum arbeiteten Muslime und Christen zusammen. Shrum, der laut US-Medien aus der Ortschaft Mount Joy im Bundesstaat Pennsylvania stammte, habe dem Islam immer hohen Respekt entgegengebracht.

Er hinterlässt seine Frau und zwei Kinder, die in Tais leben. Erst wenige Tage vor dem Mordanschlag war im Land eine 32-jährige Schweizer Sprachlehrerin in der Hafenstadt Hobeida entführt worden. Von ihr fehlt jede Spur.

Auch christliche Entwicklungshelfer aus Deutschland sind in den vergangenen Jahren Opfer von Entführungen und Ermordungen im Jemen geworden, darunter Johannes und Sabine Hentschel aus dem sächsischen Meschwitz bei Bautzen. Sie arbeiteten seit 2003 an einem staatlichen Krankenhaus in der Provinz Saada. Am 12. Juni 2009 wurden sie mit ihren drei Kindern und vier anderen Christen verschleppt. Von den Eltern und ihrem damals einjährigen Sohn Simon sowie von einem britischen Ingenieur fehlt jede Spur. Drei der Opfer – zwei deutsche Krankenschwestern und eine südkoreanische Lehrerin – wurden erschossen aufgefunden. Die Töchter Lydia (7) und Anna (5) wurden im Mai 2010 überraschend befreit und kehrten nach Deutschland zurück.

Fast alle der 24,3 Millionen Einwohner Jemens sind Muslime. Die Zahl der fast ausschliesslich ausländischen Christen wird von Religionsstatistikern auf knapp 20.000 geschätzt. (...)