Islamismus-Debatte: Auch Heribert Prantl gehört zu Deutschland

Welt Online 14 Mai 2012
Von Henryk M. Broder

Eine Unterscheidung zwischen "militanten" und "einfachen" Salafisten? "SZ"-Mann Heribert Prantl sagt: Auch der Salafismus gehört zu Deutschland. Es wird schwieriger, den Begriffswirrwarr zu entknoten.

Es ist immer wieder erschütternd zu sehen, wie auch intelligente Zeitgenossen der Versuchung nachgeben, sich die Wirklichkeit schönzureden, um mit ihr leben zu können. Zu Zeiten der RAF war es die Feststellung, es handle sich um eine "kleine, radikale Minderheit", die in ihrer Bedeutung weit überschätzt würde. Quantitativ betrachtet war das sicher richtig, wenn da bloß nicht die besondere kriminelle Energie gewesen wäre, die die Qualität der RAF-Taten ausgemacht hat.

Eine kleine Schar von Aktivisten, weniger als ein Promille vom Promille der Bevölkerung, schaffte es, die Republik vor sich herzutreiben, sie in die Defensive zu zwingen. Bis heute sind viele Morde, die der RAF zugeschrieben werden, nicht aufgeklärt. "Ehemalige" Täter und Täterinnen wie Christian Klar und Inge Viett, die ihre Strafen abgesessen haben bzw. vorzeitig entlassen wurden, schweigen beharrlich oder dozieren auf Konferenzen über eine "kämpferische Praxis", zu der auch "der Aufbau einer revolutionären kommunistischen Organisation mit geheimen Strukturen" gehöre.

Jetzt sind die Salafisten an der Reihe. Ihre Zahl wird auf etwa 4000 geschätzt, bundesweit, wobei die Fachleute versichern, nicht jeder Salafist müsse ein potenzieller Terrorist sein, aber beinah jeder Terrorist komme aus dem Salafisten-Milieu. Wenn aber nur jeder zehnte Salafist irgendwann mal gewalttätig wird, dann sind das immerhin 400 potenzielle Gewalttäter, mehr als die RAF je gehabt hat.

"Die Salafisten sind eine winzige Minderheit"

Und nun kommt Heribert Prantl des Weges und sagt, nicht nur der Islam gehört zu Deutschland, "der Salafismus auch", allerdings nicht "ein verbrecherischer Salafismus".

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