• Robert Ellis: Russland und der Zypern-Schachzug

Neuropa.eu 18 Mai 2012
Von Robert Ellis
Übersetzt von Liz

Russlands uralter Ehrgeiz im Mittelmeer Fuß zu fassen wurde nicht nur durch die Errichtung einer Militärbasis in Tartus, Syrien, erreicht, sondern auch auf Grund seiner langjährigen Beziehungen zu Zypern.

Im Jahr 1955 nahm der damalige griechisch-zypriotische Führer Erzbischof Makarios an der Bandung Konferenz in Indonesien teil, die den Grundstein zur Bewegung der blockfreien Länder legte.

Als erster Präsident Zyperns nahm Makarios sechs Jahre später an der Gründungsveranstaltung der NAM in Belgrad teil. Als Zypern im Jahr 1960 unabhängig wurde, war es eine 'Unabhängigkeit in Fesseln' die die Macht zwischen der griechisch-zypriotischen Mehrheit und der türkisch-zypriotischen Minderheit aufteilte und die von Großbritannien, Griechenland und der Türkei sichergestellt wurde.

Der griechisch-zypriotische Kampf für Selbstbestimmung begann mit dem EOKA Aufstand gegen Großbritannien im Jahr 1955 und die Verfassung, die Zypern dann aufgezwungen wurde, wurde sowohl von den griechischen Zyprioten als auch den türkischen Zyprioten als vorübergehende Maßnahme betrachtet, bevor sie ihr letztliches Ziel erreichen würden - enosis (Vereinigung mit Griechenland), und taksim (Teilung).

Christopher Hitchens formulierte es folgendermaßen, "beide Seiten umkreisten sich wie Skorpione in einer Flasche."

Es war ein Akt der Selbstbestimmung, als Makarios die blockfreie Bewegung und den sowjetischen Block unterstützte, was im Ende zu dem Coup der griechischen Junta gegen Makarios führte und den türkischen Einmarsch zur Folge hatte. Im Juni 1964 schrieb der griechische Premierminister George Papandreu an Präsident Johnson, "Wenn keine Natifizierung (NATO Mitgliedschaft) von Zypern erfolgt, dann wird sich die Insel unausweichlich in ein zweites Kuba verwandeln."

Es war in der Tat die Drohung mit einer sowjetischen Intervention als Nachwirkungen der türkischen Invasion im Jahr 1964, die Ost und West an die Schwelle einer neuen Kuba Krise brachte. Ebenso importierte Zypern sowjetische Waffen aus Ägypten und der Tschechoslowakei und bis zum heutigen Tag hat sich die russische Unterstützung fortgesetzt. Im Jahr 1997 erwarb man S-300 Raketen aufgrund einer erneuten Konfrontation mit der Türkei und man kann russische Geräte bei den Veranstaltungen zum Unabhängigkeitstag bis heute sehen.

Im Jahr 1978 wurde ein anglo-amerikanischer Plan zur Wiedervereinigung Zyperns anfänglich von beiden Parteien angenommen, aber dann von der kommunistischen Partei AKEL torpediert, die auf Anweisung Moskaus handelte. Und im April 2004 wurde der damalige zypriotische Außenminister (und heutiger Präsidialkommissar) George Iacovou nach Moskau geschickt, um ein russisches Veto für die Resolution des Sicherheitsrates zu sichern, die den Annan Plan unterstützen sollte.

Ironischerweise wurde nach der Zurückweisung des Annan Plans, die Wahl des AKEL Generalsekretärs Demetris Christofias zum Präsidenten im Jahr 2008, zur großen Hoffnung für eine Wiedervereinigung. Christofias, in Moskau ausgebildet und fließend Russisch sprechend, hat denselben Gewerkschaftshintergrund wie sein türkisch-zypriotisches Gegenstück, Mehmet Ali Talat.

Jedoch erlitten die Gespräche einen herben Rückschlag als Talat durch Dervis Eroglu ersetzt wurde, der auf eine gleichberechtigte Souveränität beider Volksgruppen bestand und nicht auf eine einzige Souveränität eines Bundesstaates. Im letzten Jahr organisierte die Plattform der türkisch-zypriotischen Gewerkschaften zwei Massendemonstrationen gegen die türkische Herrschaft und wiesen in einem Brief an Ban Ki-moon jeden Vorschlag zurück, der auf zwei verschiedenen Staaten beruht sondern stattdessen unterstrichen sie ihren Willen zu politischer Gleichberechtigung und Mitbegründung eines Vereinten Föderalen Zyperns.

Christofias hat angekündigt, bei den nächsten Präsidentschaftswahlen im kommenden Februar nicht noch einmal zu kandidieren, angeblich weil er es nicht geschafft hat seine Wahlperiode mit der Lösung des Zypernproblems zu krönen. Der wahre Grund dürfte sein katastrophaler Popularitätsverlust nach der Explosion auf dem Marinestützpunkt im Juni letzten Jahres gewesen sein, bei dem 13 Menschen getötet wurden und eine nahe gelegenes Kraftwerk zerstört wurde.

Im Januar 2009 waren 98 Container mit iranischer Munition auf einem unter zypriotischer Flagge fahrenden russischen Frachter mit Ziel Syrien konfisziert und auf einem offenen Gelände des Marinestützpunkts gelagert worden. Nach einem geheimen Bericht, der an die Öffentlichkeit kam, hatte Christofias Bashar al-Assad versichert, dass die Ladung in Zypern bleiben werde, bis sie entweder an Syrien oder den Iran zurückgegeben werde. Zypern hatte sich auch geweigert Hilfe von den USA, Großbritannien, Frankreich oder Deutschland anzunehmen, um die Munition zu entsorgen und eine Bitte des UN Sanktionskomitees nach Inspektion der Ladung wurde verweigert.

Es gab Massendemonstrationen vor dem Präsidentenpalast und ein unabhängiger Bericht sprach davon, dass der Präsident "jämmerlich versagt" hatte die notwendigen Maßnahmen zu treffen. Bei einem ähnlichen Vorfall im Januar wurde ein russisches Schiff in Limassol wegen schlechten Wetters aufgehalten und man fand dort heraus, dass es eine "gefährliche Ladung" beförderte. Trotz einer Versicherung, dass man nicht nach Syrien weiterfahren werde, setzte das Schiff seine Reise nach Tartus fort und löschte 60 Tonnen Munition.

Zypern fungiert als Offshore Finanzzentrum für Russland, in dieser Funktion ist die Insel die größte Quelle ausländischer Investitionen Russlands. Bei einem Staatsbesuch vor zwei Jahren stellte Präsident Medvedev fest, dass Investitionen in Russland durch Zypern die 50 Milliarden Dollar Marke überschritten hätten und im Mai 2010 alleine geschätzte 18,7 Milliarden US Dollar betrug, die von russischen Quellen in die lokalen Banken eingezahlt wurden. Auch leben etwas mehr als 60.000 Russen derzeit auf Zypern und 40% der Käufer von Eigentum sind Russen.

Die zypriotische Wirtschaft wurde zwar von den Auswirkungen der griechischen Schulden stark getroffen, aber man erwartet, dass ein russischer Kredit in Höhe von 2,5 Milliarden Euro den Refinanzierungsbedarf decken wird. Eine zypriotische Bank wird wahrscheinlich Ende Juni einen Rettungsschirm benötigen, was die Regierung dazu veranlassen wird, um einen Kredit beim Europäischen Stabilitätsfonds nachzufragen.

Auch Russland hat ein eigennütziges Interesse an der Lieferroute des Gasfeldes vor der Küste Zyperns angrenzend an die israelische exklusive Handelszone (EEZ). Gazprom hat sich um den Bau einer Gaspipeline in Griechenland beworben und sowohl Gazprom als auch Novatek bieten mit bei einer zweiten Lizenzvergaberunde für die zypriotischen Offshore Reserven.

Jedoch hat auch die Türkei Rechte vergeben an die Türkische Petroleum Gesellschaft in sechs Gebieten zu bohren, die zur zypriotischen EEZ gehören. Russland hat schon seine Bereitschaft verkündet, eine Kampfeinheit in das östliche Mittelmeer zu verlegen und der russische Botschafter in Zypern, Vyacheslav Shumski hat geäußert, dass Moskau die souveränen Rechte Zyperns, seine natürlichen Ressourcen auszubeuten, voll unterstütze.

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