Geert Wilders "Steht auf, Männer und Frauen der freien Welt!"

CitizenTimes 24 Mai 2012
Buchrezension von Felix Stüning

Rezension zu Geert Wilders: Marked for Death. Islam’s War Against the West and Me

Die freie Welt hat ein Problem mit dem Islam. Wir haben ein Problem mit dem Islam. Geert Wilders hat ein Problem mit dem Islam.

Und weil er einer der wenigen ist, die offen sagen, dass der Islam das Problem ist, lebt der niederländische Politiker unter ständigem Polizeischutz. Zahlreiche Muslime würden ihn lieber tot als lebendig sehen und so manch europäischer Gutmensch ebenfalls. Nun hat Wilders, der mit seiner Partei für die Freiheit (PVV) bis vor kurzem Mehrheitsbeschaffer für die niederländische Regierung war, ein Buch über das Islamproblem geschrieben.

Herausgekommen ist weniger ein politisches Manifest, als ein Sachbuch über den Islam, versetzt mit eigenen Erfahrungen. Denn zu großen Teilen pendelt Marked for Death von islamischen (Un-)Sitten und falschen Entwicklungen der heutigen Integrationspolitik zurück zur – als Begründung herangezogenen – Lebensgeschichte des angeblichen Propheten Mohammed und wieder in die Gegenwart zu autobiografischen Versatzstücken des Verfassers. Der Leser spürt förmlich, wie er an Wilders‘ Hand durch dessen Bibliothek wandelt, so zahlreich sind die Zitate mehr oder weniger bekannter Ex-Muslime, Islamkritiker, Historiker und Politiker. Vor allem aber haben es die US-Präsidenten und unter ihnen insbesondere Ronald Reagan dem Niederländer angetan sowie (natürlich) Winston Churchill. Churchill war übrigens auch derjenige, der den Vergleich zwischen dem Koran und Hitlers Mein Kampf als erster zog (zumindest der erste Prominente), für den Wilders besonders gerne und besonders von deutschen Journalisten angegriffen wird.

Interessant sind bei all dem vor allem die von Wilders gezogenen Vergleiche zwischen Islam und Kommunismus bzw. Sozialismus: Nicht etwa, weil der Vergleich neuartig wäre, sind doch die ähnlichen Kollektivstrukturen beider Ideologien hinlänglich bekannt. Was Wilders aber gut herausarbeitet, ist die gegenseitige Beeinflussung der Totalitarismen zu Zeiten der französischen Revolution, traf doch der Islam beim Denken der Revolutionäre gewissermaßen auf Seelenverwandte. "Some argued this thinking became a model for Islamic modernists, but in fact these ideas merely encouraged Islam to return to its own totalitarian roots", so Wilders.

Die Folge aus diesen Einsichten wiederum ist zumindest für freiheitlich denkende Menschen logisch und zeigt zugleich die konsequente Unlogik all der Gutmenschen, die jeden Islamkritiker im sogenannten Kampf gegen Rechts verteufeln: "We should not treat Islam more leniently than other political ideologies like communism and fascism just because it claims to be a religion. We must treat Islam as we do every other despotic creed that calls for the submission of those who do not adhere to it.”

Der Vergleich von Kommunismus/Sozialismus und Islam führt Wilders dann auch zu seiner zentralen Lösungsstrategie. Denn wie es bereits vor rund einem Jahrhundert z.B. Aldous Huxley und Winston Churchill voraussahen, kann der Islam ohne den Westen nicht überleben. Nur die massiven Transfers von Geld (vor allem für Öl), Technik und Wissen lassen den Nahen und Mittleren Osten nicht eingehen wie eine Blume ohne Wasser. Um das Ende des Islams zu beschleunigen, schlägt Wilders vor, alle Staaten, die nicht bereit sind, die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte zu unterschreiben und stattdessen nur die Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam akzeptieren, aus der UNO zu werfen und bis zu deren Ausschluss jegliche Finanzflüsse seitens des Westens an die UNO zu unterbinden.

Bei gleichzeitigem Einstehen des Westens für die Wahrheit ("Free men and women everywhere must resist this violent intimidation at all costs. Armed only with our pens, we must defy Islam’s axes and knives. We must continue to speak our minds, knowing there is nothing more powerful than the truth.”) würden diese Maßnahmen dazu führen, dass sich in der islamischen Welt, so wie damals im kommunistischen Ostblock, immer mehr Menschen und Stimmen gegen das Unrecht der Ideologie erheben würden. "As with communism, a Western campaign of constant pressure could expedite the collapse of Islam through its own contradictions.”

Natürlich kann Wilders den sogenannten Arabischen Frühling deswegen keinesfalls begrüßen, wechseln doch durch die Unruhen nur die Diktatoren und Regimes einander ab. "If only they could liberate themselves from Islam, they, too, could become prosperous and free nations.” Doch genau danach sieht es im Nahen und Mittleren Osten überhaupt nicht aus. So wollen zwar 55 Prozent der Ägypter eine Demokratie, aber weit mehr stimmen mit zentralen islamischen Prinzipien, die der Demokratie und einem Rechtsstaat widersprechen überein und 85 Prozent befürworten einen islamischen Einfluss auf Politik. "The bottom line, unfortunately, is this: there can be no freedom in countries where Islam is dominant."

Die Hauptverantwortung für die Lösung des Islamproblems liegt also bei den Muslimen selbst. Doch die Männer und Frauen der Freien Welt hätten ebenfalls die Pflicht, Widerstand zu leisten, schreibt Wilders. Sein Vier-Punkte-Plan dafür scheint bestechend einfach:

  1. Verteidigung der Redefreiheit, der wichtigsten unter den Freiheiten, denn nur wenn wir (unbequeme) Wahrheiten aussprechen können, können wir anderen erklären, was auf dem Spiel steht. "The truth is our only weapon – we must use it", wiederholt Wilders und fordert auch die Abschaffung aller Volksverhetzungs-Gesetze (hate speech laws), die vor allem dazu dienen, Kritiker des Islams mundtot zu machen.
  2. Zurückweisung des Kulturrelativismus, denn unsere westliche Kultur ist der barbarischen des Islam haushoch überlegen. Nur wenn wir uns trauen, dies zu sagen, nur wenn wir uns unserer Werte bewusst werden und nur wenn wir unseren Kindern mit der Geschichte auch den Stolz auf unsere Errungenschaften lehren, können wir unsere Zivilisation verteidigen.
  3. Stopp der Islamisierung, indem wir verstehen, dass Migration von jeher das Mittel zur Verbreitung des Islams war und dass historisch gesehen, "more Islam has meant less freedom." Aus diesem Verständnis ergibt sich für Wilders der Stopp aller Zuwanderung aus islamischen Ländern und stattdessen der Fokus auf und die Forderung nach Integration der schon anwesenden Muslime. Jegliche Mittel des islamischen Totalitarismus (Scharia, halal-Essen, Islamic Banking, Burka, Islamunterricht und Moschee-Neubauten) sind zu unterbinden, kriminelle Migranten auszuweisen.
  4. Wertschätzung unser nationalen Identitäten, insbesondere durch die Wiederherstellung der vollständigen Souveränität der Nationalstaaten gegenüber der EU. "The peoples of the free world can defend their liberties only if they can rally around a flag with which they identify. This flag, symbolizing ancient loyalties, can only be the flag of our nation.”

Leider dauert es über 200 Seiten, bis Wilders zu diesen konkreten Vorschlägen zur Lösung des Islamproblems kommt. Und leider ist er auch schon nach knapp fünf Seiten fertig damit. Das vorgeschlagene Programm ist in sich schlüssig, vielversprechend und schwer umzusetzen. Gerade deswegen wäre es wünschenswert gewesen, Wilders hätte weniger Seiten mit Erklärungen und Begründungen verbracht und dafür mehr zu (seinen) politischen Erfolgsfaktoren geschrieben. Denn angesichts der Euro- und Schuldenkrise erlebt sozialistisches Gedankengut neue Höhenflüge, während das liberale Parteienspektrum am Boden liegt.

Die wohl wichtigste Botschaft des Buches findet sich allerdings im Vorwort des kanadischen Journalisten Mark Steyn (America Alone), und der wiederum zitiert Ayaan Hirsi Ali: "share the risk." Das nächste Mal, wenn ein Autor oder Karikaturist eine Fatwa (islamisches Rechtsgutachten) provoziere, so Steyn, werden wir diese weltweit publizieren und den islamischen Vollstrecker ein klare Nachricht schicken: "killing one of us won’t do it. You’d better have a great credit line at the Bank of Jihad because you’ll have to kill us all."

Geert Wilders (2012): Marked for Death. Islam’s War Against the West and Me. Washington: Regnery Publishing, 286 Seiten. Leider ist das Buch nur über Internethändler als Direktimport aus den USA zu erhalten.

Geert Wilders (2012): Marked for Death. Islam’s War Against the West and Me. Washington: Regnery Publishing, 286 Seiten. Leider ist das Buch nur über Internethändler als Direktimport aus den USA zu erhalten.

Felix Strüning Der Citizen Times Chefredakteur und Politikwissenschaftler kommentiert in seiner Kolumne Ansichten & Einblicke aus Berlin… regelmäßig das politische Geschehen und die Entwicklungen der Bürgergesellschaft. Schwerpunkte sind dabei die Themen Islam und Integration in Deutschland sowie das Spannungsverhältnis zwischen Islamophobie, Islamkritik und Kulturrelativismus.