• Mark Steyn: Der Geist von Geert Wilders Teil 1/2

EuropeNews 24 Mai 2012
Original: The Spirit of Geert Wilders,
National Review Online; Von Mark Steyn
Übersetzt von Liz

Mark Steyns Vorwort des Buchs 'Marked for Death' von Geert Wilders

Als man mich bat ein Vorwort zu Geert Wilders neuem Buch zu schreiben war meine erste Reaktion ehrlich gesagt, diese Aufgabe an jemand anderen weiter zu reichen.

Herr Widers wird rund um die Uhr bewacht, weil eine große Anzahl hochmotivierter Menschen ihn töten wollen und für mich sah es so aus, dass ich mit jemand, der in den letzten Jahren durch mehr als genug Morddrohungen Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat, besser nicht in einem Buch dieselben Seiten teile, weil dies, aller Wahrscheinlichkeit nach meine eigene Kurve der Todesdrohungen massiv nach oben treiben würde.

Wer braucht sowas? Warum also nicht behaupten, man sei zu beschäftigt und dem Autor vorschlagen es woanders zu versuchen? Ich kann mir vorstellen, dass Geert Wilders schon mehr als genug solcher Antworten bekommen hat.

Dann habe ich eine Wanderung durch den Wald unternommen und ich fühlte mich ein wenig beschämt über die Leichtigkeit mit der ich seinen Feinden einen leichten Sieg in die Hände spielte. Nachdem ich die islamischen Vollstrecker aus meinem eigenen Land hinauskomplimentiert hatte, frohlockte deren Frontmann gegenüber der Canadian Arab News, dass obwohl der Canadian Islamic Congress bei dem Versuch mich zu kriminalisieren, weil ich über den Islam schreibe, in drei verschiedenen Verfahren vor Gericht in die Schranken verwiesen wurde, hätten die Gerichtsverfahren meiner Zeitschrift (so brüstete er sich) zwei Millionen Dollar gekostet und dadurch '[haben wir] unser strategisches Ziel erreicht – die Kosten für die Veröffentlichung von anti-islamischem Material in die Höhe zu treiben'. In den Niederlanden teilen Herrn Wilders Feinde, seien es mörderische Djihadisten oder das multikulturelle Establishment, dasselbe 'strategische Ziel', die Kosten für jene zu steigern, die mit ihm in Verbindung stehen, und zwar über ein Maß hinaus, das die meisten Menschen nicht ertragen wollen. Es ist nicht leicht Geert Wilders zu sein. Er lebt beinahe seit einem Jahrzehnt in einer merkwürdigen, klaustrophobischen, flüchtigen und spärlichen Welt, die sich nur wenig unterscheidet von der einer gekidnappten Geisel, oder, um mit seinen Worten zu sprechen, der eines politischen Gefangenen. Er wird rund um die Uhr, wegen eindeutiger Morddrohungen durch muslimische Extremisten bewacht.

Dennoch ist er derjenige, der vor Gericht gestellt wird wegen Aufwiegelung.

Im Amsterdam des 21. Jahrhunderts hat man die Freiheit Marihuana zu rauchen und sich halb nackte Frauen als Sexpartner aus den Schaufenstern ihrer Geschäfte auszusuchen. Aber man kann vor Gericht gestellt werden, wenn man die falsche Meinung über einen Kerl äußert, der schon seit dem siebten Jahrhundert tot ist.

Mark Steyn

Und obwohl Herr Wilder letztendlich von seinem Pseudogericht freigesprochen wurde, ist die Hartnäckigkeit ihn als völlig inakzeptabel hinzustellen ungebrochen: "Die rechtsextreme Anti-Immigrationspartei von Geert Wilders" (The Financial Times) . . . "Der rechtsextreme Geert Wilders" (The Guardian) . . . "Der rechtsextreme anti-Islam Politiker Geert Wilders" (Agence France-Presse) befindet sich "am äußersten Rand der Mainstream Politik" (Time) . . . Herr Wilders befindet sich so weit außen am rechtsextremen Rand, dass seine Partei die drittgrößte des Parlaments ist. In der Tat, die gegenwärtige holländische Regierung regiert nur auf grund der Unterstützung durch Wilders Partei für die Freiheit. Er ist also "extrem" und "rechts-außen" und befindet sich so am "Rand", aber die sieben Parteien, die viel weniger Stimmen bekommen haben als er sind also "Mainstream"? Diese Art von Recht dort zeigt auf, wie viel falsch läuft beim europäischen, politischen Diskurs und der Medienberichterstattung darüber: Vielleicht sieht er nur so "extrem" und "rechtsaußen" aus weil sie es sind, die sich an den den äußeren Rändern befinden.

Und so landet ein holländischer Abgeordneter am Flughafen Heathrow, um einen öffentlichen Termin wahrzunehmen und wird ohne Umschweife von der Regierung eines Landes ausgewiesen, die einst der Schmelztiegel der Freiheit war. Das britische Innenministerium verbot Wilders die Einreise, weil er eine Gefährdung der "öffentlichen Sicherheit" darstelle – nicht etwa weil er irgendein Mitglied der Öffentlichkeit bedroht hatte sondern, weil prominente Muslime ihn bedrohten: Der Labour Peer Lord Ahmed kündigte an, einen 10.000 Man starken Mob auf die Straße zu bringen, die das Oberhaus belagern würde, wenn Wilders weiterhin darauf bestehen würde seinen öffentlichen Termin dort wahrzunehmen.

Es reicht also nicht den Mann selbst aus der Normalität zu entfernen, man muss auch noch ein Exempel statuieren für diejenigen, die herausfinden wollen, wie er in Wirklichkeit ist. Senator Cory Bernardi aus Südaustralien traf Herrn Wilders auf einer Reise in die Niederlande und als er heimkam, empfingen ihn Schlagzeilen wie "Senator in Bedrängnis wegen Verbindungen zu Wilders" (The Sydney Morning Herald) und "Rufe nach Cory Bernadis Skalp wegen Geert Wilders" (The Australian). Mitglieder, nicht nur aus der Oppositionspartei, sondern aus seiner eigenen Partei verlangten, dass Senator Bernardi von seinem Posten als parlamentarischer Staatssekretär des Führers Ihrer majestätstreuen Opposition, gefeuert wird. Und warum hier halt machen? Ein Regierungssprecher "lehnte es ab zu sagen, ob er glaube, Herr Abbott hätte Herrn Bernardi aus der liberalen Partei werfen sollen." Wenn Bernardi nur mit respektableren Figuren – wie Hugo Chavez oder einem Sprecher der Hamas ein gemütliches Kaffeekränzchen gehalten hätte. Es freut mich aber, dass ich berichten kann, dass Bernardi auf einer gemeinsamen Veranstaltung mit mir in Adelaide einige Monate später erklärte, dass er ein freier Bürger sei, dem man nicht vorschreiben können mit wem er sich trifft.

Auf jede unabhängig denkende Seele wie Senator Bernardi, Lord Pearson of Rannoch oder Baronin Cox (die die Vorführung von Wilders Film Fitna im Oberhaus organisiert hatte) kommen tausende anderer öffentlicher Personen, die die Botschaft erhalten haben: Halte dich fern vom Islam, wenn du nicht willst, dass dein Leben verwirkt ist – und halt dich fern von Wilders wenn du in Frieden gelassen werden willst.

Aber am Ende des Tages ist ein ruhiges Leben keine wirkliche Option. Es ist nicht nötig mit allem übereinzustimmen was Herr Wilders in seinem Buch sagt – oder tatsächlich, mit irgendetwas was er sagt – um zu erkennen, dass wenn der Vorsitzende der drittgrößten Partei in einer der ältesten demokratischen Legislativen auf der Erde unter einer andauernden Morddrohung leben muss und gezwungen ist seit beinahe einem Jahrzehnt in einem "sicheren Haus" zu leben, dann ist etwas ziemlich faul in "den meisten toleranten Ländern Europas" - und dass wir in der Verantwortung stehen dies ehrlich anzusprechen, bevor es schlimmer wird.

Vor zehn Jahren, im Vorfeld von Saddams Umsturz, vertraten viele Medienexperten eine Standardmeinung, wenn es um den Irak ging: Es ist eine künstliche Einheit zusammengewürfelt von Parteien, die nicht in einen einzigen Staat passen. Und ich machte damals Witze darüber, dass jeder der denkt, dass die verschiedenen Komponenten des Iraks untereinander inkompatibel sind, sich einmal die Niederlande ansehen sollte. Wenn man von Sunniten und Schiiten, Kurden und Arabern nicht erwarten kann, dass sie ausreichend Gemeinsamkeiten haben, um einen funktionierenden Staat zu bilden, wie nennt man dann eine Aufspaltung der Gerichtsbarkeit zwischen post-christlichen bisexuell-swingenden Kiffern und antihurenden antisodomitischen anti-gegen-alles-was-man-finden-kann Muslimen? Wenn Kurdistan ein schwieriger schlecht passender Teil im Irak ist, wie gut passt dann Pornostan in die Islamische Republik Niederlande?

Die Jahre vergehen und der Gag wird ein wenig trauriger. "Das toleranteste Land in Europa" ist ein immer unzusammenhängender werdender politischer Staat, in dem Schwule gemobbt, Frauen, die sich nicht verschleiern auf den Straßen verspottet werden und man kann das Tagebuch der Anne Frank bei Schulaufführungen nicht mehr mehr spielen, ohne dass die Gestapo Mitglieder vom Publikum begrüßt werden mit dem Schrei "Sie ist auf dem Dachboden!"

Eine Studie hat ergeben, dass 20 Prozent der Geschichtslehrer bestimmte, äh, problematische Aspekte des Zweiten Weltkriegs weglassen, weil in Klassen mit besonderer, ähem, demografischer Disposition, die Schüler nicht glauben, dass der Holocaust tatsächlich stattgefunden hat und wenn es so wäre, hätten die Deutschen den Job auch beenden sollen und wir hätten heute nicht diese Probleme. Einfallsreichere Lehrer umwerben ihre Juden-verachtenden Schüler indem sie den Holocaust mit "Islamophobie" gleichsetzen – wir alle erinnern uns an jene jüdischen Terroristen, die Fokker Flugzeuge entführt haben und sie in den Reichstag geflogen haben, richtig? Was ist mit den Banden bestehend aus jugendlichen Juden, die die Alten ausrauben, wie dies die muslimische Jugend in Wilders alter Nachbarschaft in Kanaleneiland tut?

Was die "Islamophobie" betrifft, sie ist so schlimm, dass es, ehem, die Juden sind, die gerade das Land verlassen. "Sechzig Prozent der Amsterdamer orthodoxen Gemeinschaft wollen aus Holland auswandern," sagt Benzion Evers, Sohn der Chefrabbiners der Stadt, fünf seiner Kinder haben im Jahr 2010 schon das Land verlassen. Der Reiseführer Bestseller von Frommer über "die toleranteste Stadt Europas" erkennt an, dass "jüdische Besucher, die sich so bekleiden, dass man sie leicht als jüdisch erkennen kann" Angriffe riskieren, aber er schiebt es diskret auf "den "Israel-Palästina Konflikt". "Juden, die Verstand haben, sollten Holland, wo sie und ihre Kinder keine Zukunft mehr haben, verlassen," rät Frits Bolkestein, ehemaliger Vorsitzender der holländischen Liberalen. "Antisemitismus wird weiterhin existieren, denn die marokkanischen und türkischen Jugendlichen kümmern sich nicht um Versöhnungsbemühungen."

Wenn Sie sich darüber wundern, worum sich diese "Jugendlichen" außerdem nicht kümmern, fragen sie Chris Crain, er ist der Herausgeber von The Washington Blade, einer Zeitschrift für Homosexuelle in der Hauptstadt Amerikas. Als er einmal eine Pause von den christlich-fundamentalistischen 'prolligen' Theokraten der Republikanischen Partei machen wollte, brachen er und sein Freund zu einem Urlaub nach Amsterdam auf, "der unbestritten ''Homo-freundlichste' Ort auf dem Planeten." Als sie durch die Straßen im Zentrum der Stadt schlenderten, wurden sie von einer Bande aus sieben "Jugendlichen" gestellt, geboxt, geschlagen und zu Boden geworfen. Perplex von solch gesteigerter Gewalt beauftragten die Amsterdamer Behörden die Erstellung einer Studie um festzustellen, wie Der Spiegel sich ausdrückt, "warum marokkanische Männer die Schwulen in der Stadt attackieren."

Hej, das hat es wirklich in sich. Versteh ich nicht. Die Genies an der Universität von Amsterdam zogen den Schluss, dass sich die Angreifer "durch die Gesellschaft stigmatisiert" fühlten und "wahrscheinlich mit ihrer eigenen sexuellen Identität kämpften."

Treffer! Wenn man den marokkanischen Jugendlichen also sagt, sie seien heimlich schwul, dann scheint dies der Fahrschein dafür zu sein, Spannungen abzubauen in der Stadt! Wenn sie gerade dabei sind, viele dieser jungen Türken scheinen ein wenig geistig leichtgewichtig zu sein, meinen sie nicht auch?

Aber keine Angst. Im "tolerantesten Land Europas" gibt es immer noch genug Toleranz. Warum wollen die Holländer nicht tolerieren? Im Jahr 2006 schlug Justizminister Piet Hein Donner vor, dass die Scharia an sich doch nicht verkehrt sei, wenn eine Mehrheit der holländischen Wähler sich dafür entscheide – wie dies in der Tat sehr enthusiastisch gerade in Ägypten und in anderen Staaten passiert, die vom Arabischen Frühling beglückt werden. Herrn Donners damalige Antwort auf "islamischen Radikalismus" war (wie der Autor sich auf den folgenden Seiten erinnert) ein neues Blasphemiegesetz in den Niederlanden einzuführen.

In dieser zurück-zur-Front Welt sind Piet Hein Donner und die Wissenschaftler der Universität Amsterdam und die Ankläger des Openbaar Ministrie, die den Schauprozess aufgeführt haben, "Mainstream" - und Geert Wilders ist der "weit entfernte" "extreme" "Rand". Wie breit ist dieser Rand? Herr Wilder zitiert eine Meinungsumfrage nach der 57 Prozent der Befragten sagen, dass Masseneinwanderung die größte Fehlentscheidung in der holländischen Geschichte gewesen sei. Wenn der Import großer muslimischer Bevölkerung in den Westen tatsächlich solch ein Fehler war, dann war es auch ein gänzlich überflüssiger Fehler. Einige Länder (die Holländer, Franzosen, Briten) mögen eine bestimmte post-koloniale Schuld gegenüber ihren ehemaligen Untertanenvölker haben, aber Schweden? Deutschland? Von Malmö bis Mannheim hat der Islam die Gesellschaften verändert, die bis dahin buchstäblich keinerlei Verbindungen zur muslimischen Welt hatten. Selbst wenn man nicht übereinstimmt mit 57 Prozent der holländischen Befragten bei der Umfrage, der Erfahrung des Amsterdamer Chefrabbiners und des homosexuell verfolgten Herausgebers, sowie der Senioren von Kanaleneiland so legen diese Beispiele allermindestens nahe, dass die Islamisierung der Städte des Kontinents so etwas wie eine Herausforderung für Eutopias berühmte "Toleranz" ist.