Problemkieze: Festnahme endet in Angriffen auf Beamte

Berliner Morgenpost 13 Januar 2008

Berlin/Neukölln. In Berlin ist es in der Nacht zum Samstag zu mehreren Angriffen auf Zivilpolizisten gekommen. In zwei Fällen wurden Beamte verletzt. Polizeipräsident Glietsch widersprach jedoch Gewerkschaftsäußerungen, einzelne Streifenwagen-Besatzungen wagten sich aus Angst vor Angriffen nicht mehr in bestimmte Stadtteile.

Die Diskussion über Berliner Problemgebiete, die von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) als "verlorene Stadtteile" bezeichnet werden, erhält neue Nahrung: Innerhalb von nur wenigen Stunden sind in verschiedenen Problembezirken in der Nacht zu gestern mehrere Polizeibeamte Opfer von Straftätern geworden. Die Kriminellen widersetzten sich dabei mit Gewalt ihren Festnahmen. Mitunter wurde von Komplizen versucht, die Straftäter aus dem Polizeigewahrsam zu befreien. In einem Fall mussten die Polizisten damit drohen, von ihren Dienstwaffen Gebrauch zu machen, um so einen aufgebrachten Mob in Schach zu halten.

Zivilbeamte hatten am Freitagabend gegen 22 Uhr in Kreuzberg einen Kurden festnehmen wollen. Der 25-Jährige hatte Rauschgift verkaufen wollen.widersetzte sich und rief etwas in seiner Landessprache. Danach eilten bis zu 30 Personen aus umliegenden Cafés und Restaurants und wollten den Mann befreien. Eine Beamtin wurde mit einem Feuerzeug beworfen. Nur durch die Drohung, die Schusswaffen einzusetzen, konnte eine weitere Eskalation verhindert werden. Eine Beamtin wurde während der Festnahme durch Schläge verletzt. Bei dem 25-Jährigen fanden sich 26 Tütchen Rauschgift.

In Marzahn-Hellersdorf beobachteten Zivilfahnder eine Prügelei unter Jugendlichen. Bei der Verfolgung eines Täters erhielt eine 32-jährige Polizistin von diesem einen Tritt in den Unterleib; auch sie wurde dabei leicht verletzt. Ebenfalls in Marzahn-Hellerdorf schlug ein 22-Jähriger einem Polizeikommissar mit der Faust ins Gesicht.

In Neukölln versuchte ein Graffitisprayer aus der linken Szene, eine Komplizin aus den Händen der Polizei zu befreien. Die Beamten setzten Pfefferspray ein. "All diese Vorfälle bestätigen unsere Einschätzung, dass bestimmte Kieze über die Jahre verloren gegangen sind", sagte GdP-Chef Eberhard Schönberg. Er hatte jüngst gesagt, dass Stadtteile wie der Norden Neuköllns, aber auch Teile des Weddings, von Kreuzberg, Schöneberg, Moabit sowie Marzahn und Hellersdorf für die Polizei verloren seien. Dort hätten gewaltbereite Jugendliche jeden Respekt vor den Beamten verloren, einzelne Streifenwagen-Besatzungen wagten sich dort nicht mehr hin. Mit diesen Äußerungen ist der GdP-Chef auf scharfe Kritik gestoßen. "Wer so redet, hat sich (...)



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