Machtkampf in der Türkei: Premier Erdogan will Sonderstaatsanwaltschaften einschränken

jungeWelt 12 Juni 2012
Von Nick Brauns

Die islamisch-konservative AKP-Regierung der Türkei will den Einfluß der berüchtigten Staatsanwaltschaften mit besonderen Vollmachten einschränken. Ein entsprechender Gesetzentwurf wurde am Montag im Kabinett diskutiert.

Die Sonderstaatsanwaltschaften waren im Jahr 2005 als Nachfolger der im Zuge der EU-Beitrittsverhandlungen abgeschafften militärischen Staatssicherheitsgerichte gebildet worden. Sie können Verdächtige aufgrund des Antiterrorgesetzes jederzeit festnehmen und bis zu zehn Jahre ohne Anklage in Untersuchungshaft halten.

Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hatte sich dieser Sonderstaatsanwaltschaften bedient, um die sich als Hüterin des Laizismus gebärdende Militärführung zurückzudrängen und kurdische Parteien nach ihren Wahlerfolgen durch Verhaftungen von Tausenden ihrer Mitglieder und Mandatsträger zu schwächen.

In die Kritik des Ministerpräsidenten gerieten die Sonderstaatsanwaltschaften erst, als ein Istanbuler Staatsanwalt im Februar diesen Jahres auch Geheimdienstchef Hakan Fidan als Terrorverdächtigen vorladen ließ (...)