Die iranische Moralpolizei bekämpft den "Virus": Die Repression gegen "unislamisch" gekleidete Frauen wird verschärft

Jungle World 28 Juni 2012
Von Wahied Wahdat-Hagh

Frauen, die sich nicht "islamisch" bekleiden, müssen im Iran mit Repressalien der Polizei und der Revolutionsgardisten rechnen. Seit mehr als 30 Jahren findet in der Öffentlichkeit ein alltäglicher Kleinkrieg zwischen Frauen, die sich den Vorschriften des Regimes widersetzen, und den Repressionskräften statt. Immer wieder ordnen die islamistischen Machthaber verschärfte Maßnahmen an, Massenverhaftungen sind die Folge.

Derzeit beginnt wieder eine solche Kampagne. Der iranische Polizeichef Ismael Ahmadi Moqadam will mit "moralischem Kapital und der Hilfe von frommen Bürgern" die Frauen bekämpfen, die sich nicht islamisch kleiden. Er sagte: "Wir dürfen nicht erlauben, dass der Virus von schlecht getragenen Kopftüchern verbreitet wird."

Farsnews zitierte den Polizeichef am 19. Juni: "Wir bemühen uns, unsere gesetzliche und religiöse Pflicht zu erfüllen und werden uns auf diesem Weg äußerst achtsam verhalten, damit niemand dagegen protestiert." Die iranischen Frauen werden polizeilich verfolgt, sollen aber nicht dagegen protestieren. Schon am 17. Juni hatte Hojatulislam Seyyed Mehdi Moussawi erklärt, dass die "Westler der Jugend Fallen stellen" würden, indem sie gegen den Hijab, die Verschleierung, agitieren, berichtete Farsnews.

Revolutionsgardisten bekämpfen Frauen: Wenn die Islamisten das Machtmonopol im Staat haben, diskutieren sie auch gerne untereinander. Es gibt einen alten Streit unter den Islamisten, ob die Gesellschaft mit Überredungskunst und Erziehungsmaßnahmen, die mit psychischem Druck auf Schüler und Gewalt in der Familie einhergehen, oder mit purer Gewalt der Revolutionsgardisten und der Moralpolizei gegen die Zivilgesellschaft "islamisiert" werden soll. Der Wille eines großen Teils der iranischen Bevölkerung, frei leben zu wollen, soll letztlich mit Hilfe unterschiedlicher Formen der totalitären Gewalt gebrochen werden. (...)