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Gegen den Geist der Toleranz
Badische Zeitung 4 Juli 2012
Ein militanter Islam bedroht die Kultur des islamischen Afrika. Islamistische Aktivisten, die nach dem Militärputsch das Machtvakuum in Bamako nutzten und für eine Abspaltung von Malis Norden kämpfen, wenden sich mit Spitzhacken und Schaufeln gegen die kulturellen Zeugnisse der alten Metropole Timbuktu. Die per Bildmedien zugeschaltete Welt fordert ein "sofortiges Ende dieser Verbrechen" und kann doch nichts tun, als zuzusehen. 16 Friedhöfe und Mausoleen sowie drei Moscheen zählen seit 1988 zum Weltkulturerbe der Unesco.
Zwischenzeitlich auf der Roten Liste der bedrohten Schätze waren sie, eben dort hat sie am Donnerstag vergangener Woche das in Sankt Petersburg tagende Welterbekomitee wieder eingetragen. Die Bedrohung ist von brutaler Konkretheit. Zwei Tage später begann die islamische Fundamentalistengruppe Ansar Dine, Grabstätten, die islamischen Glaubensbrüdern als heilige Stätten gelten, ihr selbst aber nichts als Beweisstücke des Ketzertums sind, systematisch zu zerstören.
Die Islamisten erkennen keine Heiligen als Mittler zu Allah an. Für die selbsternannten "Verteidiger" des Islam sind sie "Nebengötter", die aus der Glaubenswelt zu eliminieren sind. "Wir werden alles zerstören und dann die Scharia anwenden in dieser Stadt", sagte ein Sprecher der Gruppe. Was nicht unmittelbar der Verehrung Allahs dient, sehen die Glaubenseiferer als Sünde, der nur mit roher Gewalt zu begegnen ist. (...)



