Zunahme dschihadistisch motivierter Reisen: Einbahn-Fahrt zum Heiligen Krieg

swissinfo.ch 5 Juli 2012
Von Samuel Jaberg

Nachrichtendienste stellen in Europa eine Zunahme dschihadistisch motivierter Reisen fest

Auch in der Schweiz sorgten solche Fälle jüngst für Schlagzeilen. Das Internet spielt bei der Radikalisierung orientierungsloser junger Menschen im Westen eine wichtige Rolle. Ein 19 Jahre alter Gymnasiast aus Biel wurde Anfang Juni in Kenia angeklagt, weil er verdächtigt wurde, sich einer Dschihad-Bewegung in Somalia angeschlossen zu haben. Zwar gibt es noch etliche offene Fragen, doch sorgt der Fall in Biel für Unruhe, vor allem unter der muslimischen Bevölkerung, die dort ziemlich gross ist – fast 10% der 50'000 Einwohnerinnen und Einwohner.

"Unsere ganze Gemeinde steht unter Schock", erklärt Khalid Ben Mohamed, einer der Imame der Moschee Arrahman (siehe Interview).

Der von seinen Mitschülern als liebenswürdig, ruhig und fleissig beschriebene M.N.* streitet seit seiner Festnahme vehement ab, irgendwelche Verbindungen zur islamistischen Al-Shababb-Miliz zu haben. Der im Februar 2011 plötzlich verschwundene M.N. stammt aus Jordanien, lebte aber seit seiner Kindheit in Biel. Bisher machte er keine detaillierten Angaben zu seinen Reisebewegungen und Motiven.

Aus Mangel an Beweisen haben die kenianischen Behörden die Anklage auf Komplizenschaft mit einer terroristischen Gruppe fallengelassen. Doch die Eidgenossenschaft verweigert ihm die Rückkehr in die Schweiz, da er eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit darstelle.

"Es gibt klare Anzeichen dafür, dass sich die betroffene Person in Somalia in Gebieten aufgehalten hat, in denen dschihadistische Gruppierungen in einem Konflikt aktiv sind", gab das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement als Begründung an. (...)