Arbeitslosigkeit "Wir verlieren einen Teil der Mädchen"

Die Presse 23 Juli 2012
Von Jeannine Hierländer

Zwei Drittel der arbeitslosen Jugendlichen sind Migranten, Ali Ordubadi betreut sie. Der »Presse am Sonntag« erklärt er, warum Türken öfter arbeitslos sind als andere Migranten.


Sie sind der erste Diversity-Beauftragte des Arbeitsmarktservice und für arbeitslose Migranten zuständig. Was ist Ihre Aufgabe?

Ali Ordubadi: Zunächst einmal musste ich herausfinden, wo das Problem liegt. Wir haben nicht einmal gewusst, wie hoch der Anteil der Migranten an den Arbeitslosen überhaupt ist. Dabei habe ich festgestellt, dass zwei Drittel der beim AMS gemeldeten Jugendlichen Migrationshintergrund haben.

Warum ist dieser Anteil so hoch?

Ein großes Problem ist die mangelnde Unterstützung von zu Hause, was die Berufsfindung betrifft. 19 Prozent der Jugendlichen sagten, sie werden von den Eltern unterstützt. Zehn Prozent nannten AMS und Schule. Am Ende kam heraus, dass 60 Prozent auf sich allein gestellt sind. Ich bin in die Vereine und Moscheen gegangen und habe versucht, mit den Eltern zu sprechen. Sie wünschen sich, dass es den Kindern einmal besser geht, dass sie Arzt oder Anwalt werden. Aber wie das Kind diesen Wunschberuf erreicht, wissen sie nicht. Was sie kennen, ist die Schule und das Arbeitslosenamt (...)