• Den Koran falsch verstehen

EuropeNews 21 August 2012
Orginal: Misreading the Quran, American Thinker, Von Jay Schalin
Übersetzt von Liz

Nur wenige Themen sind für die Zukunft von solch großer Wichtigkeit für die freie Welt, wie ihre Beziehung zum Islam. Die Moslems sind auf dem Vormarsch hier und in Europa und viele sprechen deutlich aus dass sie keinerlei Absicht haben den Westen so zu lassen, wie sie ihn vorgefunden haben.

Es macht Angst, dass der akademische Dialog über die grundsätzliche Beziehung, die oft in die nationale Politik hineinspielt, üblicherweise von Akademikern bestimmt wird, die wissentlich die weniger segensreichen Aspekte des Islams ignorieren. Ob sie absichtlich den "Djihad" unterstützen oder so verliebt in ihre eigenen Studien über die islamische Welt sind, dass sie blind gegenüber seiner dunklen Seite sind, spielt hier keine Rolle; auch ist es gefährlich für die langfristige Sicherheit unserer Gesellschaften.

Carl Ernst ist ein solcher Akademiker. Es ist keine Frage dass er eine wichtige Stimme innerhalb der nahöstlichen Studien darstellt. Er ist der William R. Kenan Distinguished Professor of Religious Studies an der Universität von North Carolina, ehemaliger Vorsitzender der Fakultät für religiöse Studien, Direktor der Duke Universität- UNC Konsortium für Nahost Studien und Mitglied des Vorstandes der nationalen Vereinigung für Nahoststudien.

Dennoch, mit einem Hintergrund in vergleichenden Religionswissenschaften statt in Geschichte oder politischen Wissenschaften scheint er schlecht ausgerüstet zu sein, um das weltweite Entstehen eines radikalen Islams in einem umfassenden Sinne zu verstehen. Sein letztes Buch mit dem Titel How to Read the Qur'an: A New Guide, with Select Translations [Wie man den Koran lesen soll: Ein neuer Führer mit ausgewählten Übersetzungen] verteidigt den Koran gegen westliche Kritik, im Großen und Ganzen indem er literarische und strukturelle Techniken betont anstatt die Hauptthemen. Es ist eine Lobeshymne auf winzige Details. Nicht nur sieht Ernst den Wald vor lauter Bäumen nicht, sondern er sieht auch die Bäume vor lauter Blättern nicht.

Es ist nicht das erste Mal, dass Ernst versucht hat das muslimische heilige Buch in einem eher wohlwollenderen Licht zu beschreiben, als es das wahrscheinlich verdient. Er verursachte eine nationale kontroverse Diskussion auf dem UNC Chapel Hill im Jahr 2002, als er die Schule davon überzeugte, Michael Sells Approaching the Quran als Auswahllektüre für das Sommerprogramm anzuschaffen, das alle Neuankömmlinge lesen mussten.

Kritiker attackierten seine Auswahl und sagten, dass Sells Buch die Gewalt im Koran weichspülen würde, indem es die eher fraglichen Kapitel (Suren) auslassen würde, Es wurde als besonders strittig angesehen, weil es ein Jahr nach der 9/11 Attacke auf das Pentagon und das World Trade Center herausgekommen ist.

Ernst verteidigte seine Unterstützung für Sells Buch in einem Artikel aus den Jahr 2003 in Spirituality ans Health, worin er schlussfolgerte:

Eine glückliche Antwort auf die Tragödie am 11. September ist der Durst nach Wissen über den Islam gewesen. Dieses literarische Sommerprogramm war ein kleiner Schritt in diese Richtung. Wie der Koran fragt, "Sind jene, die dasselbe wissen dieselben, die es nicht wissen?

Es erschüttert zu hören, wie ein Amerikaner von einem "glücklichen Ende" von 9/11 sprechen kann, insbesondere, wenn dieses Ende Amerikaner dazu veranlasst hat sich über den Islam zu informieren, ganz nach den Wünschen der Terroristen.

Er verpasst völlig, dass das steigende Interesse am Islam deshalb zustande kam, weil die Menschen wissen wollten, warum er seine Anhänger nötigt, solch schreckliche Taten zu begehen – nicht weil sie seine Weisheit suchen. Und den Koran zu zitieren, um von höchster Stelle seine Kommentare bestätigt zu bekommen, scheint provokativ weit über jedes Maß hinaus zu sein.

Auch stellt sich bei Ernst die Frage nach seiner Loyalität, als er im Jahr 2008 in den Iran gereist ist und den Preis für ein Stipendium annahm direkt aus den Händen des radikalen iranischen Präsidenten Mahmoud Ahmadinedschad.

Ernst hatte vor, dass How to read the Quran das erste Stück ist, das College- und sogar High School Studenten lesen sollten. Aber es ist keine geradlinige Einführung in ein komplexes Thema. Ernst meidet thematische Diskussionen des Buchs, die Methode ist sehr wahrscheinlich ein grundlegendes Verständnis zu geben, was der Zweck eines ersten repräsentativen Stücks sein sollte.

Der Koran ist wichtig, denn er hat seit 1400 Jahren Herzen und Verstand und Ereignisse beeinflusst. Ein erstes repräsentatives Beispiel sollte vor allem mit seiner Bedeutung und seinem Einfluss zu tun haben. Aber die Grundlagen scheinen für Ernst von geringerem Interesse zu sein.

Obwohl einige Leser insbesondere an Sure 4 interessiert sein dürften, "Die Frauen", weil es sich auf Angelegenheiten der Geschlechter bezieht, oder auf Sure 8 und 9, weil hier der Schwerpunkt auf Kriegsführung liegt, wären solche Fragen am relevantesten bei einem fachbezogenen Ansatz des Korans … was nicht die Hauptaufgabe dieses Buchs ist.

Anstatt die wichtigsten Probleme anzugehen, präsentiert Ernst den Koran anhand seines technischen Aufbaus in Blöcken, eine Technik, die den Neuling ganz sicher eher verwirren als erleuchten wird. Indem er dies tut, werden einige wichtige Themen zwar erwähnt, aber eher gestreift, im Gießkannenprinzip, das eher vage Eindrucke vermittelt als Verstehen.

In seinem Buch How to read the Quran greift Ernst Kritiker des Korans aus dem Westen an, weil sie dahin tendieren "einzelne Verse aus dem Kontext zu nehmen", wenn sie auf seine bedrohliche Bedeutung hinweisen wollen. Aber der Koran enthält über 100 Stellen, in denen zu Gewalt aufgerufen wird in verschiedenen Zusammenhängen, einschließlich dem Djihad. Wenn das ärgerliche Wort Seite um Seite auftaucht, dann steht es vielleicht im Zusammenhang und es gibt keinen Grund daran zu zweifeln, dass von den Gläubigen Gewalt erwartet wird.

Nach Ernst behaupten viele westliche Gelehrte, dass der Koran ein "minderwertig abgeleitetes Werk" sei, wegen seiner vielen Bezüge auf vorherige Texte, einschließlich des Alten und Neuen Testaments und verschiedener Sagen aus der arabischen Poesie und nahöstlichen Folklore. Er versucht ihre Meinungen durch einen Prozess der "Intertextualität" zu widerlegen, der nahe legt, dass "der Koran sich mit früheren Texten befasst als Teil einer gemeinsamen Zivilisation". Er führt diese Idee weiter:

Der koranische Ansatz der biblischen und anderer vorislamischer Erzählungen oftmals mit neuen und anderen Schlussfolgerungen ist eine logische Erweiterung desselben literarischen Prozesses der Prophezeiung, die jahrhundertelang praktiziert wurde.

Es ist verführerisch einzuwenden, dass der Koran mit seiner Betonung des Krieges und des Höllenfeuers nur schwer die "logische Erweiterung" des neuen Testaments sei, das doch vorschlägt, die andere Wange hinzuhalten.

Die moslemische Einstellung zur Intertextualität ist, dass "Unterschiede zwischen dem Koran und biblischen Texten ein Beweis dafür wären, dass die Bibel gefälscht sei," nach Ernst. Nur der Glaube an den Koran als heilige Offenbarung könnte eine solche Behauptung aufrechterhalten – wissenschaftliche Objektivität schlägt vor, dass das Zeugnis eines Zeugen, der der Originalgeschichte am nächsten steht, am wahrscheinlichsten historisch genau ist. Trotz des objektiven Strebens von Ernst - "kein Urteil wird gefällt ob der Koran eine heilige Offenbarung oder das Wort Gottes ist oder nicht" - bietet er der moslemischen Sicht seine Unterstützung an.

Ernst bedauert auch den Orientalismus, der das Studium des Nahen Ostens und Asien aus einer westlichen Perspektive zum Inhalt habe, und er beschreibt ihn als "willkürliche Theorie von arroganten Außenseitern". Dennoch ist es vielleicht er, der eines ähnlichen kulturellen Hochmuts schuldig ist, wenngleich eines, der die gewalttätigen Aspekte des Islam, die gemeinhin von den Gläubigen akzeptiert werden, herunterspielt als sie zu betonen.

Er weist die Praxis der muslimischen Gelehrten zurück Konflikte innerhalb des Korans richtig zu stellen, die auf dem Alter der Texte beruhen - "Abrogation" genannt – stattdessen bevorzugt er die strukturelle Analyse, die von westlichen Gelehrten entwickelt wurde, die darauf schaut, wie die Verse angeordnet wurden. Bei der Methode von Ernst können viele der eher gewalttätigen Verse heruntergespielt werden, wohingegen die Abrogation eher dahin geht diese zu betonen.

Ein bekannter Fall betrifft die Abrogation der medinensische Sure "Al Tawba", eine der am letzten geschriebenen. Sie enthält die infamen "Schwertverse", die "Kriegsführung gegen Ungläubige vorschreibt", und nach Ernst, "von manchen Kommentatoren dazu benutzt wird Dutzende Verse aus dem Koran zu abrogieren, die Geduld und Vergebung für die Menschen des Buchs proklamieren."

Dies ist so, weil die früheren, weniger aggressiven Offenbarungen in der mekkanischen Periode gemacht wurden, als Mohammed noch wenig Macht hatte und kompromissbereiter war, in der späteren medinensischen Periode hatte er ein Armee von Konvertiten zu seiner Verfügung und drängte auf Eroberungen.

Aber Ernst versagt dabei zu erzählen, dass "einige Kommentatoren", dietatsächlich viele, der am bekanntesten islamischen Gelehrten im Verlauf der Jahrhunderte sind, und dass es vielfältige Rechtfertigungen gibt Angaben in späteren Texten innerhalb des Korans selbst Vorrang zu geben. Beispielsweise für Sure 2, "die Kuh":

Keine unserer Offenbarungen abrogieren wir, damit sie vergessen werden, sondern wir ersetzen sie durch etwas Besseres oder Einfacheres: Wisst ihr nicht, dass Allah die Macht über alle Dinge hat?

Und es sind nicht nur die Schwertverse, die Krieg gegen die "Ungläubigen" befehlen oder harsche Behandlung der Juden und Christen. Solche Befehle erscheinen durch den gesamten Koran hindurch, wie zum Beispiel "Ich werde Terror in die Herzen jener werfen, die ungläubig sind. Deshalb schlagt ihnen ihre Köpfe und jede Fingerspitze ab."

Es gibt vielfältige Beweise, dass der radikale Islam versucht Einfluss in den amerikanischen Akademien zu erringen. Wie können wir dann solchen Gelehrten wie Carl Ernst, die sich so eng auf literarische Dinge fokussieren, intellektuelle Autorität geben, der denkt, dass die interessanteste Façette des Korans sein Reimschema und ähnliche Dinge sind? Radikale Moslems auf der ganzen Welt lächeln zynisch darüber.

Jay Schalin ist Direktor für staatliche Politikanalyse des Pope Center für Höhere Bildung