Islamischer Imperialismus - Zu neuesten Entwicklungen im Nahen Osten

Die Achse des Guten 4 Januar 2013
Von Chaim Noll

Seit zwei Jahren beschäftigt uns das Phänomen der sogenannten "Arabischen Revolution", von westlichen Medien euphemistisch "Arabischer Frühling" genannt

Einer Serie von Volksaufständen, bewaffneten Revolten, in einigen Fällen Bürgerkriegen, die scheinbar unerwartet ausbrachen und zum Sturz mehrerer islamischer Staatsoberhäupter führten (Tunesien, Ägypten, Libyen, Jemen), zu Verfassungsreformen (Marokko), Regierungs-Umbildungen (Jordanien, Bahrain), in einigen Ländern zu mehr oder weniger offener militärischer Intervention aus dem Ausland (durch westliche und arabische Staaten in Libyen, durch Saudi Arabien in Bahrain, durch Iran in Syrien), zu Tausenden Toten, weitreichenden Zerstörungen und Massenflucht.

Die von den Revolten heimgesuchten Länder – die meisten schon zuvor in wirtschaftlichen Schwierigkeiten – haben schweren ökonomischen und strukturellen Schaden genommen. Auch für viele andere Länder, im Nahen Osten und anderswo, ergeben sich spürbare Auswirkungen.

Zu Rebellionen, Volksaufständen oder Massenprotesten kam es in den vergangenen beiden Jahren in Tunesien, Algerien, Marokko, Ägypten, im Jemen, in Oman, Jordanien, Bahrain, im Irak und in Syrien, zu schwächeren Protesten oder Solidaritätsbekundungen im Sudan, in Saudi Arabien, Mauretanien und im Gaza-Streifen.

Dauer und Schwere der Unruhen waren verschieden, auch die Anlässe variierten, was zunächst die Wahrnehmung von Zusammenhängen erschwerte.

Im Verlauf der Monate lassen sich jedoch einige wesentliche Gemeinsamkeiten feststellen, die auf neue Machtkonstellationen im Hintergrund und eine tiefgreifende Veränderung der politischen Topographie des Mittleren Ostens hindeuten.

In allen Ländern mit schwerem, blutigen Verlauf der Unruhen war die Entwicklung ähnlich: zunächst spontane, wie absichtslos ausbrechende Proteste, die in bewaffnete Aufstände übergingen. Auf die Straßenkundgebungen folgte relativ rasch ein mehr oder weniger organisierter Guerilla-Kampf.

Die zu Beginn friedlich scheinenden Akteure verwandelten sich in bewaffnete Kämpfer. Dabei war vor allem die Schnelligkeit überraschend, mit der diese Mobilmachung vonstatten ging. Wie die Revolten gezeigt haben, lassen sich in städtischen Ballungsräumen innerhalb kürzester Zeit Ad-hoc-Armeen von Straßenkämpfern mobilisieren und mit Hilfe der neuen Kommunikationsmittel zu gemeinsamen Aktionen koordinieren.

Dadurch können politische Regimes, die bislang nach allgemeiner Einschätzung für gut etabliert, militärisch stark, strukturell sicher angesehen wurden, binnen kurzer Zeit in existenzielle Schwierigkeiten geraten, bis hin zu ihrem Zusammenbruch.

Offenbar genügen militante, motivierte Minderheiten, wenn sie entsprechend vernetzt und versorgt sind, um konventionell organisierte Staatsapparate zu Fall zu bringen. Diese Erfahrung der "Arabischen Revolution" eröffnet ungeahnte Möglichkeiten für fremde Einflussnahme auf die Staaten des Mittleren Ostens. (weiterlesen...)